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Schweden gewinnt den Song Contest

Roman Lob schafft es auf den achten Platz - Anke Engelke übt Kritik an Aserbaidschan - 27.05.2012 10:13 Uhr

Jubelpose mit Pokal und Fahne: Die schwedische Sängerin Loreen.

Jubelpose mit Pokal und Fahne: Die schwedische Sängerin Loreen. © dapd


Schweden hat zum fünften Mal den Eurovision Song Contest gewonnen. Mit ihrem mystischen Popsong „Euphoria“ landete die Sängerin Loreen im Finale in Baku deutlich vor der Konkurrenz. Am Ende hatte sie 372 Punkte und damit 113 mehr als die russische Oma-Gruppe Buranowskije Babuschki („Party for Everybody“) auf Platz zwei.

Der deutsche Teilnehmer Roman Lob (21) kam mit seiner Ballade „Standing Still“ auf Rang acht und war „super happy“. Die deutsche Jury-Chefin Anke Engelke glänzte bei ihrem Kurzauftritt zur Punktevergabe mit deutlichen, aber charmant verpackten Worten an die Adresse der autoritären Führung Aserbaidschans.

Auch andere Prominente äußerten sich kritisch. „Heute Nacht konnte ja niemand für sein eigenes Land abstimmen. Aber es ist gut, abzustimmen, und es ist gut, eine Wahl zu haben. Viel Glück auf eurer Reise, Aserbaidschan. Europa schaut auf euch“, sagte Engelke in der Live-Schalte nach Baku, bevor sie von der Grand-Prix-Party in Hamburg die deutsche Punktwertung verkündete.

Um den Musikwettbewerb in der früheren Sowjetrepublik im Südkaukasus hatte es im Vorfeld heftige Diskussionen gegeben. Die Regierung des Landes unter Präsident Ilcham Alijew steht wegen ihres Umgangs mit Oppositionellen und wegen Verstößen gegen die Rede- und Pressefreiheit in der Kritik. Bis zum Tag des Finales kam es immer wieder zu Protesten, die die Führung mit Polizeigewalt unterband. Dutzende Regierungsgegner wurden allein in der letzten Grand-Prix-Woche verprügelt und festgenommen.

Einen Tag vor dem Finale verlangte das Internationale Presseinstitut (IPI) in Wien vom aserbaidschanischen Präsidenten Aufklärung über Berichte von Angriffen auf Journalisten. In dem offenen Brief wurde Alijew zudem aufgefordert, er solle die Fälle von sechs inhaftierten Reportern überprüfen. Berichte über Angriffe auf mehrere Journalisten sollten vollständig und transparent untersucht werden, mahnte IPI-Direktorin Alison Bethel McKenzie an.

Viele internationale Beobachter hätten berichtet, dass die Beschuldigungen, die zur Inhaftierung der Journalisten führten, konstruiert worden seien wegen ihrer kritischen Berichterstattung. Sollte sich dies als wahr herausstellen, sei dies eine Verletzung der Menschenrechte.

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Während der Finalshow, die der gigantischen Gala in Düsseldorf im vergangenen Jahr kaum nachstand (und auch von der deutschen Firma Brainpool produziert wurde), gab es keine politischen Aktionen oder Äußerungen der Künstler – dies verbieten die Regeln der Europäischen Rundfunkunion EBU, die den Wettbewerb veranstaltet.

Allerdings bekommt die autoritäre Führung wohl „Nie Genug“: So hieß zumindest auf Englisch („Never Enough“) das Lied des Popstars Emin Agalarow. Er ist der Schwiegersohn des Staatschefs Alijew und trat in der Pause vor der langwierigen Punktevergabe auf. Als Vorsitzende des Nationalen Organisationskomitees ESC 2012 hatte die Frau des Präsidenten, Mechriban Alijewa, agiert.

Für Schweden ist es der fünfte Sieg in der Grand-Prix-Geschichte, die 1956 mit einem kleinen Wettbewerb in Lugano begann. Zuletzt gewann das skandinavische Land 1999. Auch der berühmteste Sieg der Eurovisions-Geschichte war schwedisch: Abba 1974 mit „Waterloo“. Überraschend kam der Sieg in der Nacht zum Sonntag keinesfalls. Loreen war zuvor als Topfavoritin aller 42 Teilnehmer gehandelt worden, ebenso wie die russischen Babuschki.

Der dritte Platz für den serbischen Grand-Prix-Veteranen ´eljko Joksimovic war jedoch unerwartet. Und Aserbaidschan wird so langsam zu einer festen Größe in der Grand-Prix-Gemeinde: Diesmal landete Sabina Babajewa auf Platz vier – nach Platz eins, fünf, drei und acht in den Vorjahren. Also fünf Top-Ten-Platzierungen bei fünf Teilnahmen.

Überraschend schlecht schnitten die irischen Zwillinge Jedward auf Platz 19 ab – nach Rang acht im Vorjahr. Und der 76-jährige britische Sänger Engelbert kam sogar nur auf den 25. und vorletzten Platz. Dabei hatte seine Ballade „Love Will Set You Free“ Experten wie Fans überzeugt. Den letzten Platz belegte der Norweger Tooji.

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Der politisch brisante Grand Prix brachte der ARD eine ordentliche, aber keine berauschende Einschaltquote. 8,29 Millionen Zuschauer (Marktanteil 36,6 Prozent) sahen das Finale. Damit hatte der Song Contest rund 3,5 Millionen weniger Zuschauer als beim Heim-Grand-Prix in Düsseldorf vor einem Jahr. Insgesamt verfolgten geschätzt 120 Millionen Fernsehzuschauer in ganz Europa die pompöse Musikshow aus der von Deutschen gebauten Crystal Hall am Kaspischen Meer.

Der 58. Eurovision Song Contest wird in Schweden über die Bühne gehen. Als Termin für das Finale gab die European Broadcasting Union (EBU) bereits den 18. Mai 2013 bekannt, die Halbfinals finden am 14. und 16. Mai statt. 

dpa

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