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Zeichen der Zuversicht auf Aids-Konferenz

Viele medizinische Fortschritte - Jedoch Resistenzen und hohe Ansteckungsraten - 22.07.2012 21:00 Uhr

Washington  - Mediziner sehen viele Fortschritte im Kampf gegen HIV. Dementsprechend optimistisch starten Experten in die Welt-Aids-Konferenz. Doch es gibt auch noch viele Probleme: Resistenzen gegen Medikamente und steigende Infektionszahlen in manchen Teilen der Welt.

Eine Heilung der Immunschwächekrankheit scheint nicht mehr unmöglich.
Eine Heilung der Immunschwächekrankheit scheint nicht mehr unmöglich.
Foto: dpa
Eine Heilung der Immunschwächekrankheit scheint nicht mehr unmöglich.
Eine Heilung der Immunschwächekrankheit scheint nicht mehr unmöglich.
Foto: dpa

Zeichen der Zuversicht finden sich überall in Washington. „Gemeinsam sind wir größer als Aids“ steht in großen weißen Buchstaben auf Plakaten in der U-Bahn, an Häusern und Straßenrändern. Busse mit der Aufschrift „Lasst uns Aids gemeinsam stoppen“ fahren durch den regnerisch-schwülwarmen Juli in der Hauptstadt der USA.

Am größten ist die Zuversicht in einem unscheinbaren Betonbau unweit des Regierungsviertels. Mehr als 25 000 Teilnehmer haben sich in diesem Messezentrum seit Sonntag zur Welt-Aids-Konferenz versammelt und das Motto des Treffens gibt die Botschaft vor: „Gemeinsam das Blatt wenden.“

Selten waren Experten so zuversichtlich, die HIV-Epidemie in absehbarer Zeit eindämmen zu können. „Die Botschaft lautet zwar nicht, dass wir das Blatt bereits gewendet haben – aber: Wir haben heute die Mittel. Wenn sie umgesetzt werden, können wir anfangen, diese Epidemie zu beenden“, sagt Carl Dieffenbach von der US-Gesundheitsbehörde (NIH).

Zahl der Neuinfektionen sinkt

Mehr als 30 Millionen Menschen sind der NIH zufolge in den vergangenen 30 Jahren an den Folgen von HIV gestorben. Aber die Zeiten, in denen eine HIV-Infektion einem Todesurteil gleichkommt, sind endgültig vorbei. Die Hoffnung keimt an vielen Stellen. Mehr als acht Millionen Infizierte hatten im vergangenen Jahr Zugang zu Therapien – so viele wie nie zuvor. „Das ist ein großer Fortschritt. Aber diese Zahl müsste sich noch verdoppeln oder verdreifachen“, sagt Dieffenbach. Gleichzeitig sinkt – langsam aber kontinuierlich – die Zahl der Neuinfektionen.

Besonders Kinder stecken sich immer seltener an: 2011 infizierten sich 330 000 Kinder unter 15 Jahren neu mit dem Virus, das ist rund ein Viertel weniger als noch zwei Jahre zuvor. Neun von zehn Kindern bekommen das Virus von ihren ebenfalls infizierten Müttern während Schwangerschaft, Geburt oder Stillzeit.

In manchen Weltregionen, besonders im Süden Afrikas, ist etwa jede Vierte schwangere Mutter HIV-infiziert. „Schon jetzt bekommt mehr als die Hälfte aller schwangeren Frauen mit HIV Medikamente“, sagt RJ Simonds von der Elisabeth Glaser Stiftung, die sich für Kinder mit HIV einsetzt. „Bis 2015 wollen wir es schaffen, dass sich kein Kind einer Mutter mit HIV mehr ansteckt und das können wir auch schaffen.“

Auch die Behandlung von Risikogruppen mit Aids-Präventionsmitteln lassen Experten hoffen. In der vergangenen Woche wurde in den USA das Mittel „Truvada“ zugelassen, das Studien zufolge das Risiko einer Ansteckung senken kann. Experten sehen darin einen großen Fortschritt, warnen aber auch, dass solche Medikamente nicht absolut zuverlässig gegen eine Ansteckung schützen können und Kondome weiter zusätzlich verwendet werden müssen.

Impfstoff in Sicht?

Trotzdem könnten derartige Medikamente – Präexpositions-Prophylaxe (PrEP) genannt – zukünftig besser und mehr werden. Auch ein Impfstoff scheint nicht mehr unmöglich. „Meine Kollegen und ich sind so optimistisch wie seit vielen Jahren nicht mehr, dass wir einen Impfstoff finden und diese Epidemie beenden können“, sagte Rick King von der Internationalen Initiative für einen Aids-Impfstoff (IAVI) im Vorfeld der Konferenz.

Sorgen bereiten den Forschern vor allem wachsende Resistenzen gegen HIV-Medikamente und steigende Infektionszahlen in Zentralasien, Osteuropa, dem Mittleren Osten und Nordafrika. Mit der Eurokrise wachsen auch die Sorgen, wie die Behandlung und Prävention von HIV künftig finanziert werden sollen.

Die Epidemie könne nur eingedämmt werden, wenn das Geld weiter fließe, mahnte die Co-Vorsitzende der Konferenz, Diane Havlir, vor dem Treffen. „Die wirtschaftliche Lage ist schwierig, aber die Wissenschaft sagt uns, dass es unverantwortlich wäre, diesen historischen Moment zu verpassen.“ 

AFP


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