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Fall Albrecht Glaser: Wie sich die AfD selbst entlarvt

Erweist sich die Bundestagsfraktion als Achillesferse der Partei? - 02.10.2017 10:55 Uhr

Albrecht Glaser im April vergangenen Jahres bei einem Parteitag der Alternative für Deutschland (AfD). © Christoph Schmidt (dpa)


Ein Vizepräsident des Deutschen Bundestags muss ein paar Mindestanforderungen erfüllen. Er sollte zum Beispiel das Grundgesetz nicht nur kennen, sondern auch respektieren. Und er sollte eine gewisse Autorität ausstrahlen, um Sitzungen auch in schwierigen Situationen souverän leiten zu können. Für Albrecht Glaser gilt weder das eine noch das andere. Trotzdem schlägt ihn die AfD für dieses Amt vor.

Dabei hat sich Glaser schon durch seine mehrfachen Äußerungen diskreditiert, die Glaubensfreiheit gelte nicht für Muslime. Denn der Islam sei keine Religion, sondern eine politische Ideologie. Das gehört in die Rubrik hanebüchener Unsinn: Die Mehrheit der in Deutschland lebenden Muslime leidet darunter, dass ihr Glaube - vor allem außerhalb des Landes - durch Kriminelle missbraucht wird. Dafür eine Art Sippenhaft auszurufen, widerspricht diametral jedem rechtsstaalichen Gedanken. Verbrecher gehören festgesetzt und bestraft, Gläubige genießen den Schutz der Verfassung. So einfach ist das.

Der 75-jährige Glaser hat aber auch einen interessanten Lebenslauf: Im Jahr 1997, damals noch CDU-Mitglied, wurde er Kämmerer der Stadt Frankfurt/Main. Dieser Verantwortung wurde er allerdings eher nicht gerecht: Er legte Gelder in spekulativen Fonds an; es gibt Schätzungen, nach denen sich der durch Wertverluste entstandene Schaden bis heute auf 80 Millionen Euro bemisst. Die damalige Oberbürgermeisterin Petra Roth setzte ihn bereits im Jahr 2001 wieder ab, weil es weitere Vorwürfe gegen ihn wegen schwarzer Kassen gab.

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Diese Fakten kommen jetzt auf den Tisch, andere Parteien lehnen die Wahl Glasers so nachdrücklich ab, dass die Mehrheit für ihn bedenklich wackelt. Ein Ruhmesblatt für die AfD ist das alles nicht. Genau genommen ist es bereits das zweite Mal in der gewiss kurzen Zeit seit der Bundestagswahl, dass sich ein unrühmlicher Blick in das Innenleben der Partei auftut: Der Austritt der bisherigen Vorsitzenden Frauke Petry vor wenigen Tagen machte deutlich, welche tiefe gegenseitige Abneigung in der Führungsspitze der Partei herrscht - manche reden sogar von offenem Hass.

Die Wette gilt: Glaser und Petry werden nicht die letzten beiden Fälle sein, die solche Einblicke in das Innenleben der AfD erlauben. Spannend ist die Frage, wie ihre Wähler das goutieren - die Mehrheit hat ja nicht für sie gestimmt, weil sie den Rechtspopulisten die Lösung von Problemen zutrauen, sondern weil sie den anderen Parteien einen Denkzettel verpassen wollten. Zerstrittenheit aber schätzen die Deutschen in politischen Gruppierungen überhaupt nicht - es ist durchaus möglich, dass die Bundestagsfraktion zur Achillesferse der AfD wird. 

Dieter Schwab E-Mail

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