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Friedensnobelpreis nicht für, sondern gegen jemanden

Hauptadressat der Osloer Jury ist Trump - Beschämende Rolle Deutschlands - 06.10.2017 12:54 Uhr

Ist mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden: Die internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung (Ican). © Christiane Oelrich/dpa


Die Internationale Kampagne für die Abschaffung der Atomwaffen (ICAN) ist ein würdiger Preisträger. Doch von "bahnbrechenden Bemühungen", ein Verbot von Atomwaffen zu erreichen, wie die Komitee-Vorsitzende Berit Reiss-Anderson die Ehrung begründete, kann nicht wirklich die Rede sein. Dazu ist die Nichtregierungsorganisation zu klein und von zu geringem Einfluss.

Die Auszeichnung ist wohl eher eine flehende Warnung an US-Präsident Donald Trump, der unverantwortlich mit der Gefahr eines neuen Atomkrieges spielt. Das Signal lautet: Er soll um Himmels Willen nicht das Atomabkommen mit dem Iran aufkündigen, und er soll auf keinen Fall versuchen, den Konflikt mit dem kommunistischen Regime in Nordkorea über dessen Nuklearprogramm militärisch eskalieren zu lassen.

Preisträger gesucht

Klar war diesmal nur eins: Es musste das Thema Atom sein, und dafür wurde ein passender Preisträger gesucht. Nicht zuletzt deswegen wurde auch viel über eine Auszeichnung für die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und den iranischen Außenminister Mohammed Jawad Zarif spekuliert. Doch das hätte vermutlich doch einiges Stirnrunzeln ausgelöst.

Die Europäische Union war bereits 2012 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Schon da gab es viele Kritik an der Entscheidung. Vor allem die gnadenlose Abschottungspolitik gegenüber den Flüchtlingen im Mittelmeer störte das harmonische Bild doch zu sehr. Auch hatte Mogherini wohl nicht die wichtigste Rolle bei den Verhandlungen mit den Iranern über das Nuklearabkommen gespielt. Es wahr wohl eher der damalige deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier.

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Der Preis für die ICAN-Aktivisten ist im Grund ein zweiter Nobelpreis für die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW - International Physicians for the Prevention of Nuclear War). Die Ärzte-Organisation war bereits 1985 - mitten im Kalten Krieg und auf dem Höhepunkt der nuklearen Aufrüstung auf beiden Seiten des Eisernen Zauns - mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. 2007, bei der Konferenz des Atomwaffensperrvertrags in Wien, hatte die Ärzte-Organisation gemeinsam mit anderen Gruppierungen die ICAN-Bewegung ins Leben gerufen.

Wieder einmal hat die Osloer Nobeljury also einen Preis vergeben als Ermutigung, nicht für erreichte Erfolge im Kampf für Frieden. Sie bleibt dabei bei einem Thema, das auch bei der Auszeichnung des damaligen US-Präsidenten Barack Obama mit ausschlaggebend war. Der neue Hoffnungsträger der Welt hatte, noch keine drei Monate im Oval Office, in einer wuchtigen Rede in Prag die Vision einer atomwaffenfreien Welt gezeichnet. Daraus wurde genauso wenig wie mit der Aussöhnung mit der islamischen Welt, die Obama zwei Monate später in Kairo anbot. Beide Anliegen versanken in den Wirren der nahöstlichen Kriege.

Machohafte Posen

Jetzt aber, da sich der heutige US-Präsident Trump und der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un in machohaften Posen mit einem nuklearen Armaggedon, dem Untergang der Welt, drohen, ist es wirklich an der Zeit, eine neue, massive atomare Abrüstungsrunde einzuläuten.

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Erst vor gut zwei Wochen haben Dutzende Staaten am Rande der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York damit begonnen, den UN-Vertrags zum weltweiten Verbot von Atomwaffen zu ratifizieren. Deutschland hat seine Unterschrift verweigert, ebenso wie die neun Atommächte, unter ihnen die Nato-Staaten USA, Großbritannien und Frankreich. Die Glückwünsche an die ICAN-Aktivisten hätte sich die Bundesregierung deswegen ehrlicherweise sparen können. 

Georg Escher

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