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Hellseherzunft lag für 2007 voll daneben

Mathematiker überprüft rund 180 Aussagen und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis - 15.12.2007

Die Analyse der «Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung der Parawissenschaften» (GWUP) in Roßdorf bei Darmstadt lässt kaum Zweifel offen: Hellsehen ist offenbar nicht ganz so einfach. So blieb beispielsweise die Ufo-Landung vor dem Weißen Haus, die das kanadische Medium «Nikki Pezaro» vorhergesehen hatte, heuer aus.

Den Mathematiker Michael Kunkel, der solche Weissagungen für die GWUP auswertet, wundert das nicht: «Die Zukunft ist nun einmal nicht festgelegt und lässt sich weder aus der Glaskugel noch aus den Sternen voraussagen.» Er prüfte rund 180 Prognosen von Astrologen, Wahrsagern und Hellsehern. Sein Fazit: «Sie konnten mit ihren Voraussagen keine Belege ihres Könnens liefern.»

So sei 2007 weder der Euro abgeschafft noch Cannabis legalisiert worden, wie dies die Astrologin Patricia Bahrani angekündigt hatte. Der Einmarsch von US-Truppen im Iran blieb ebenso aus wie der alljährlich von zahlreichen Auguren prognostizierte Anschlag auf den US-Präsidenten.

Lieblingsthemen der Wahrsager sind auch oft Naturkatastrophen, Terror und Kriege. Die GWUP stellt fest: «Es überwogen allgemeine, unklare Aussagen, die sich nur schwer prüfen lassen.» Beispiele für vage Prognosen habe es zuhauf gegeben. So las der Astrologe Martin Banger in den Sternen, dass «Aufstände und Unruhen in den Niederlanden, Japan, Kanada, Libanon, Sri Lanka, Finnland, Philippinen, Rumänien, Ungarn, Polen und Saudi-Arabien denkbar» seien. Derartig unscharfe Formulierungen hätten für die Zunft große Vorteile, so Kunkel: «Da man so gut wie alles in sie hineininterpretieren kann, findet sich im Nachhinein immer eine Nachricht, die irgendwie auf die Prognose passt.»

Einfach zu prüfen sind hingegen die Prognosen von Karsten Kröncke aus Freiburg. Er sagt seit Jahren voraus, ob der Dax an einem Handelstag steigt oder fällt. In den ersten elf Monaten 2007 belief sich seine Trefferquote laut Kunkel auf knapp 47 Prozent - er hätte also ebenso gut würfeln können. Fehlende Geschäftstüchtigkeit könne man Kröncke indes nicht vorwerfen: «Ein etwa 35-seitiges astrologisches ,großes Gutachten‘ kostet bei ihm 1700 Euro.» H. SCHMIDT (dpa) 

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