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Integration - viel besser als ihr Ruf

Experten: Deutschland ist angekommen in der Einwanderungsgesellschaft - 20.05.2010

Deutschland steht mit seiner Integrationspolitik im internationalen Vergleich besser da als erwartet. Große Herausforderungen gebe es aber vor allem im Bildungsbereich. © Colourbox.com, Symbolfoto


Einen »pragmatischen Integrationsoptimismus« und ein »belastbares Grundvertrauen« zwischen Zuwanderern und Deutschen sieht Klaus J.Bade. Der aus Nürnberg stammende Vorsitzende des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Migration und Integration präsentierte das erste Jahresgutachten des Experten-Gremiums mit einiger Zuversicht: »Deutschland ist angekommen in der Einwanderungsgesellschaft«, so der Historiker und Migrationsforscher.

Gute Note fürs Zusammenleben

Eine Umfrage bei 5600 Zuwanderern und Deutschen lieferte dem Rat ein dichtes Bündel an Daten darüber, wie sich beide Gruppen in der Bundesrepublik fühlen. Das für manche überraschende Resultat: besser als erwartet. Der neue »Integrationsklima- Index«, bei dem man Integrations- Noten zwischen 0 (sehr schlecht) und 4 (sehr gut) geben konnte, lag im Jahr 2009 bei 2,77 (Mehrheitsbevölkerung), bei den Zuwanderern sogar bei 2,93.

Das »Schreckbild einer gescheiterten Integration«, das manche zeichnen, treffe daher nicht zu, so Bade. Allerdings wies der Expertenrat auch auf Defizite hin: »Der Problemstau im Bildungsbereich bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund belastet den Arbeitsmarkt und kann den sozialen Frieden gefährden.« Das heißt: Weil überdurchschnittlich viele Zuwanderer schlecht oder nicht qualifiziert und daher häufiger arbeitslos sind, dürfte die Schere am Arbeitsmarkt weiter auseinanderklaffen. Weil Deutschlands Bevölkerung überaltert und schrumpft, droht Fachkräftemangel. Der kann mit unqualifizierten Stellenbewerbern nicht gelindert werden, die aber die ohnehin angespannten Sozialsysteme belasten.

Daher fordern Bade und seine Kollegen eine »gezielte, auch nachholende Bildungs- und Qualifikationsoffensive« auch für bereits hier lebende Migranten. Bade: »Bildungsinvestitionen sind nachhaltiger als Bankensubventionen.«

Deutschland brauche zudem angesichts der demografischen Entwicklung eine gezieltere, bedarfsorientierte Steuerung der Zuwanderung aus Ländern außerhalb der EU mit einem an den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts orientierten Punktesystem. Daneben müsse das Land aber auch »attraktiver werden für Qualifizierte, die erwägen, aus Deutschland abzuwandern und solche, die zögern, zuzuwandern«.

Hohes Vertrauen ins Land

Zwei angesichts mancher Negativ-Szenarien überraschende Aspekte des »Integrationsbarometers«: Die meisten Zuwanderer haben sehr viel Vertrauen in ihre neue Heimat Deutschland. 62 Prozent der Zuwanderer trauen der deutschen Mehrheitsgesellschaft, also ihrer Umgebung, »voll und ganz« oder »eher« - bei den Deutschstämmigen selbst sind dies nur 54 Prozent.

Und die »zweite Generation« der Migranten fühlt sich zum großen Teil keineswegs als jene »verlorene Generation«, die sich innerlich von Deutschland distanziere. Im Gegenteil: Hier geborene Kinder von Zuwanderern fühlen sich in der Bundesrepublik noch ein Stück wohler als die erste Generation - und zwar bei allen Zuwanderer-Gruppen, egal, ob Aussiedler, Türkischstämmige oder Migranten mit anderer Herkunft. 

Alexander Jungkunz

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