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„Keine Religion ruft zu Gewalt auf“

Sicherheitstagung: Imam Idriz wirbt für mehr Toleranz - 27.06.2014 22:09 Uhr

Motiv: Nürnberger Sicherheitstagung "Europa und der Nahe Osten" Benjamin Idriz "Auftrag der Weltreligionen" Datum: 26.06.2014 Fotograf: Roland Fengler © NZ


Benjamin Idriz sieht nicht wie ein Imam aus. Im dunklen Anzug, mit grün-gepunkteter Krawatte und modischem Drei-Tage-Bart ginge er eher als aufstrebender Jung-Unternehmer durch. Doch Idriz ist schon seit fast 20 Jahren Imam der Islamischen Gemeinde Penzberg und Vorsitzender des Vereins „Münchner Forum für Islam“.

Der 42-Jährige entspricht nicht nur äußerlich wenig dem klassischen Bild eines islamischen Geistlichen, er tritt auch als Buchautor und Redner bei zahlreichen Konferenzen auf und beherrscht neben Deutsch auch Türkisch, Albanisch, Arabisch, Bosnisch und Mazedonisch.

Als „großen Hoffnungsträger“ hat ihn Hildebrecht Braun als Festredner für die Nürnberger Sicherheitstagung eingeladen und berichtet von einer engen Freundschaft, die Idriz zu ihm, einem Ungläubigen, seit Jahren pflege.

Doch Vorurteile und Intoleranz sind dem Geistlichen ein Graus. Sowohl der Islam, als auch Judentum und Christentum hätten schließlich als Grundauftrag den Frieden. Das arabische „Salam“ sei nicht zufällig sprachlich verwandt mit dem jüdischen „Shalom“. Und alle Propheten der drei großen Weltreligionen seien im Auftrag des Friedens gesandt worden, erläutert Idriz.

„Keine Religion ruft zu Gewalt und Unterdrückung auf“, widerspricht der Imam dem weit verbreiteten Klischee vom islamischen Gotteskrieger. Im Koran sei der Begriff vom Heiligen Krieg überhaupt nicht zu finden. Auch bedeute „Dschihad“ eigentlich die Anstrengung auf dem Weg zu Gott, erläutert Idriz. „Kriege sind nie heilig“, lautet seine eindeutige Aussage.

Stattdessen gehe es stets um Macht und wirtschaftliche Interessen, und hinter der Maske der Religiosität versteckten sich Terroristen. Diese auszuschließen sei die Aufgabe aller Muslime, so Idriz.

Doch die Bedrohung komme nicht nur aus den eigenen Reihen. „Muslime wurden zu Erzfeinden erklärt“, sagt der Geistliche, der auch von den Christen mehr Anstrengungen zum gegenseitigen Verständnis fordert. „Europa ist kein christlicher Kontinent, Jesus ist nicht hier geboren,“ formuliert er ein wenig provokant. Und auch in Deutschland sollten alle Religionen friedlich zusammenleben. Noch zu häufig sei das gegenseitige Verhältnis von Vorurteilen geprägt, „doch Vorurteile verschwinden nun einmal nicht von alleine,“ sagt Idriz.

So lautet seine Botschaft, endlich mehr miteinander zu reden, offener aufeinander zuzugehen. „Persönlich überzeugend zu handeln, ist besser als 1000 Worte,“ ist der Imam überzeugt. Und noch eines gibt er seinen Zuhörern an diesem Abend mit auf den Weg: „Die Aktivierung des Guten ist bei jedem Menschen möglich.“ 

Sigrun Eibner

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