Dienstag, 20.11.2018

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Lady Gaga: Mit Obama gegen Mobbing

Selbstmord eines 14-jährigen Fans rüttelt Pop-Ikone auf — Diskriminierungen sollen geahndet werden - 28.09.2011 12:48 Uhr

Die Abschiedsbotschaften, die der 14-jährige Jamey Rodemeyer aus der Stadt Buffalo im Bundesstaat New York kurz vor seinem Selbstmord ins Internet stellte, hatten zwei Adressaten. Zum einen seine Familie, der der Schüler - so berichtet die Lokalzeitung "Buffalo News" - mitteilte, er freue sich darauf, seine kürzlich verstorbene Urgroßmutter wiederzusehen. Die zweite Botschaft ging an sein großes Idol, den Popstar Lady Gaga. "Auf Wiedersehen, Monster-Mama. Danke für alles, was du getan hast." Auf Jameys Rodemeyers Facebook-Seite fand sich dann noch eine Zeile aus dem Lady Gaga-Song "The Queen": "Vergiß mich nicht, wenn ich weinend zur Himmelstür komme."

Fast ein Jahr lang hatten Mitschüler den Jungen vor allem in Online-Medien wegen seiner homosexuellen Orientierung gehänselt - mit anonymen Einträgen, aus denen der US-Fernsehsender ABC jetzt so zitiert: "Jamey ist dumm, schwul, fett und hässlich. Er muss sterben." Ein anderer Eintrag forderte Jamey auf, seinem Leben ein Ende zu setzen: "Mach es einfach. Es würde jeden glücklicher machen." Am 18. September konnte der Schüler die Hänseleien nicht mehr ertragen - auch, weil er keine Hilfe fand: "Ich sage immer, wie ich gemobbt werde, aber niemand hört mich. Was muss ich tun, damit die Leute mir zuhören?"

US-Präsident Barack Obama soll sich nach dem Willen von Lady Gaga dem Problem "Mobbing" auf allerhöchster Ebene widmen. © dpa


Während Jamey in seiner Umgebung auf taube Ohren stieß, so hat doch seine Verzweiflungstat in den USA viele aufgerüttelt - darunter auch Lady Gaga. Zunächst nutzte sie, nachdem sie vom Schicksal ihres jungen Fans erfahren hatte, die Plattform Twitter zu einem dramatischen Appell: "Mobbing muß illegal werden. Es ist ein Hass-Verbrechen." Dann kündigte sie, bei einem Treffen mit Präsident Barack Obama die Problematik erörtern zu wollen.

Denn Jamey Rodemeyers Mobbing-Tod ist kein Einzelfall: Allein im Oktober vergangenen Jahres begingen in den USA innerhalb von nur vier Wochen vier Teenager Selbstmord, nachdem Schulkameraden sie gehänselt hatten. Darunter auch der 18 Jahre alte Tyler Clementi, der von einer Brücke in New York in den Tod sprang, nachdem ein heimlich von einem Zimmer-Mitbewohner aufgenommenes Youtube-Video zeigte, wie er einen Jungen küsst.

Umfragen zeigen ebenfalls, dass Mobbing an Schulen mittlerweile zu einer Herausforderung für Politiker und Pädagogen geworden ist. Eine Studie aus dem Jahr 2009 belegt, dass immerhin 28 Prozent der Schüler im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren angeben, diskriminiert zu werden. Ein drängendes Thema also auch für Washington - doch ein einheitliches Vorgehen gegen dieses Phänomen gibt es bisher in den US-Bundesstaaten nicht. So hat die Polizei in Buffalo, die derzeit gegen drei Mitschüler Jameys ermittelt, das Problem, dass es im Staat New York kein Anti-Mobbing-Gesetz gibt. Ob die Hänseleien wirklich den Tatbestand eines Hass-Verbrechens erfüllt, müssten dann Geschworene entscheiden.

Doch solange warten will Lady Gaga nicht. Unlängst ehrte sie Jamey bei einer Show in Las Vegas mit den Worten: "Du bist kein Opfer, sondern hast uns etwas gelehrt" und zeigte auf der Leinwand sein Foto. Und tags darauf traf sie bei einem privaten Wahlkampf-Dinner (Ticketpreis 26.700 Euro) im kalifornischen Silicon Valley zur "Pokerface"-Musik Präsident Barack Obama - und dürfte dabei für ihr großes Anliegen Druck gemacht haben. Denn der extravagante Star ist zum Kampf entschlossen: "Das Mobbing muß aufhören," so ihre auf Twitter verbreitete Devise.

Schrill und engagiert: die Popkünstlerin Lady Gaga. © dpa


 

Friedemann Diederichs, Washington

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