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Meilenstein in der Messe-Historie

Architektur fürs Auge und für die Zukunft: Die neue Halle 3A setzt Maßstäbe - 15.01.2014

„Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ ist eine der vielen, ewig gültigen Weisheiten, die der legendäre Fußballbundestrainer Sepp Herberger der Welt hinterlassen hat. Übertragen auf die NürnbergMesse bedeutet die ebenso schlichte wie tiefsinnige Erkenntnis: nach der neuen Halle ist vor der nächsten.

Direkt nach oben: Eine in die 3A integrierte Treppe führt auf die nächste Ebene. Auf der Südseite der Halle prägen lamellenartige Elemente die Fassade. © Fengler


Seit Jahren wird auf dem Ausstellungsareal in Langwasser, das 1973 seine Premiere erlebte, gebaggert und gebaut, Bestehendes optisch wie technisch geliftet. Das jüngste Projekt ist die neue Halle 3A, die gestern kirchlich gesegnet wurde.

Allein seit 1997 hat die NürnbergMesse, deren Haupteigentümer die Stadt Nürnberg und der Freistaat Bayern sind, fast 600 Millionen Euro in den Ausbau des Geländes und des Veranstaltungsprogramms investiert. Wer nun glaubt — wie vielleicht manches Mitglied aus dem Gesellschafterkreis, zu dem auch die hiesige Industrie- und Handelskammer und die Handwerkskammer zählen —, dass die Messe mit der Fertigstellung der 3A die Bauschaufel aus der Hand legen will, der irrt. Und zwar gewaltig.

„Ein Schmuckstück“

Das machte Roland Fleck, der gemeinsam mit Peter Ottmann das Unternehmen führt, bei der Feier deutlich. „Mit der 3A haben wir auf der Ostseite den Schlussstein gesetzt — und auf der Südseite des Geländes einen Scharnierstein.“ 37 Millionen Euro hat das — Originalton Fleck — „Schmuckstück“ gekostet. Mit dem Gebäude, das ein Entwurf des international tätigen Architekturbüros Zaha Hadid Architects mit Sitz in London und Hamburg ist, wächst die Zahl der Hallen auf 15. Die Ausstellungsfläche erhöht sich um rund 9000 auf nun 170000 Quadratmeter. Vor 40 Jahren waren die Nürnberger mit gerade einmal 60000 Quadratmeter an den Start gegangen.

Die Krux mit den sechs Ecken

In der Bauhistorie der NürnbergMesse ist die 3A in jedem Fall ein Meilenstein — technisch wie optisch. Das Gebäude wartet an zwei Seiten mit bodentiefen Glasfassaden auf, was für reichlich Tageslicht im Innern sorgt — jeder Makler würde hier ekstatisch von „lichtdurchflutet“ schwärmen und hätte in diesem Fall Recht.

Natürliche Helligkeit galt lange Zeit als Feind des Ausstellers, so auch bei der Inbetriebnahme des Messegeländes 1973. Architektonisch waren die zehn sechseckigen, fensterlosen Hallen mit ihren bunten Fassaden seinerzeit der letzte Schrei. Dem damaligen Nürnberger Baureferenten Otto Peter Görl gefiel der gewöhnungsbedürftige Grundriss sehr: „Trotz des Fehlens rechter Winkel ist das Messezentrum keine krumme Sache“, beschied er Journalisten.

Die einst als innovativ gefeierten Grundrisse bringen die Messemacher allerdings bis heute immer wieder schwer ins Schwitzen: Denn die Sechseck-Konstruktion erschwert nicht nur die Aufplanung der Schauen, sondern vor allem auch die Orientierung für die Besucher. Kein Wunder, dass die NürnbergMesse längst rechteckig baut, wie sich zum Beispiel an den Hallen 4A und 7A an der Ostseite zeigt.

Womit wir wieder bei der 3A und ihrer Scharnierfunktion wären. Momentan misst die Halle, deren schräge Decke zwischen 13 und 20 Meter hoch und von wellenförmigen Lamellen geprägt ist, gut 100 Meter in der Länge. Der Clou: Das Gebäude ist so konstruiert, dass es sich gen Süden relativ einfach erweitern lässt — was perspektivisch auch das Sinnen und Trachten der Messechefs ist. Denn die Südseite ist sozusagen die noch offene Flanke des Geländes, die nach einer Neugestaltung ruft.

Doch noch ist das Zukunftsmusik. Jetzt müssen erst einmal die hohen, kreditfinanzierten Investitionen verdaut und „es muss kräftig Geschäft gemacht werden mit der neuen Halle“, betont Ottmann.

Elefanten zum Vergleich

Apropos Geld: Der Zeit- und Kostenplan für die 3A wurde eingehalten, „was heutzutage ja keine Selbstverständlichkeit ist“, wie sich Fleck nicht verkneifen konnte anzumerken. Die Halle wurde in 18 Monaten realisiert. In dieser Zeit wurden allein knapp 3300 Tonnen Stahl verbaut — „dies entspricht dem Gewicht von 660 indischen Elefanten“, rechnete die Messegesellschaft vor, die auf dem Subkontinent eine Tochterfirma hat.

Ihre erste Belastungsprobe hat die 3A bestanden, wie Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern, die mit Regional- und Stadtdekan Hubertus Förster die Segnung vornahm, mit Blick auf die musikalische Untermalung durch einen Posaunenchor verschmitzt anmerkte. Diese Instrumente haben ja, wie es in der Bibel heißt, schon einmal Mauern einstürzen lassen. 

VON VERENA LITZ

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