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Nach Häme im Netz: Das sagt Bird Berlin zum AfD-Posting

Die Partei hatte auf Facebook gegen den Sänger geätzt - 04.10.2018 17:05 Uhr

Ein Künstler zeigt klare Kante: Bird Berlin lässt sich von der AfD-Hetze nicht verrückt machen. © Roland Fengler


Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie das Posting der AfD ("Wer solche Gegner hat"...) entdeckt haben?

Bird Berlin: Als ich zusagte, auf der Kundgebung "Nein zur AfD-Hetze in der Meistersingerhalle!" ein Konzert zu geben, habe ich mich bereits mit der Thematik beschäftigt, im Fadenkreuz der AfD zu landen. Somit war ich über die Tatsache nicht überrascht, jedoch über die Dimension, die Plumpheit und Menschenverachtung, die mir entgegensprang - und springt. 

Wie gehen Sie mit den Hassbotschaften der letzten Tage um? Zeigen Sie User an, die zu weit gehen? Suchen Sie den Dialog?

Bird Berlin: Ich stehe für einen offenen Dialog mit allen Menschen, die an einem Dialog interessiert sind. Ich versuche immer wieder Menschen, die mir ihren blanken Hass schreiben, in eine zivilisierte Gesprächsform zu bringen und frage nach ihrem Beweggrund und wie es ihnen geht. Jedoch ist häufig nach dem Ablassen der sich immer wieder widerlich leeren, wiederholenden Worthülsen das Vokabular der Schreibenden aufgebraucht und sie verstummen.

Die Methode der AfD jedoch kann man mit "Öffentlich an den Pranger stellen" interpretieren und man fühlt sich den Beschimpfungen frei ausgesetzt. Weil die AfD auf ihren Seiten kaum beziehungsweise nicht moderierend eingreift, sind Verleumdungen, Beschimpfungen und menschenverachtende Kommentare unbegrenzt möglich und somit macht sich auch die AfD mit diesen Kommentaren gemein, da sie diesen weder Einhalt gebietet noch widerspricht. Ich prüfe gerade rechtliche Schritte, mit dem Hass, den Beleidigungen und den Verleumdungen der AfD-Sympathisanten und Sympathisantinnen umzugehen.

Beeinflussen die Ereignisse der letzten Tage ihr Handeln? Werden Sie künftig anders in der Öffentlichkeit auftreten? Vorsichtiger? Oder bewusst politischer?

Bird Berlin: Ich sehe gerade noch keine Beeinflussung. Ich werde weiter mit einem Lächeln auf Menschen zugehen, glitzernd Konzerte spielen und ihnen meine offenen Hände und meinen nackten Bauch zum Tanzen ausstrecken. 

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Sollten sich Ihrer Meinung nach mehr Künstler politisch äußern?

Bird Berlin: Ich habe sehr lange mit mir gerungen, ob ich die Reichweite, den Echoraum der AfD, durch meinen Kommentar unter deren Post erhöhe. Ich habe mich dann aber doch dafür entschieden, da ich es nicht unkommentiert stehen lassen konnte und wollte auch den Input geben, dass man klare Kante zeigen kann. Im Allgemeinen empfinde ich es als gut, wenn sich Künstler und Künstlerinnnen politisch äußern. Politische Äußerung muss ja keine Wahlempfehlung für eine Partei beinhalten, aber ich glaube, wenn mehr Menschen mit einer gewissen medialen Reichweite und einer Vorbildfunktion sich für eine menschenfreundliche Gesellschaft öffentlich positionieren und auch ihr Handeln danach ausrichten würden, dann würde unser Zusammenleben noch ein Stück angenehmer ausfallen.


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Sie schrieben, dass die Einnahmen ihrer gestiegenen Downloadzahlen an "Exit Deutschland" gehen - warum ausgerechnet an diese Organisation?

Bird Berlin: Ich pflege privat seit einigen Jahren eine flüchtige Freundschaft zu zwei Menschen, die genau durch diese Organisation aus dem braunen Sumpf entkommen konnten und die mir von der wertvollen Arbeit von "Exit Deutschland" nicht ohne Kritik aber auch mit viel Lob erzählt haben. Und weil es zum Thema AfD passt. Eine Partei, die dem nationalen und völkischen Gedankengut sehr nahe steht, Menschenfeindlichkeit zulässt, die den Schulterschluss mit Pegida und Identitären gerade vollzieht, und somit manchen Menschen den Weg in radikalere Kreise ebnet, wirkt eine Organisation wie "Exit Deutschland" gut entgegen.

Wie geht es für Sie jetzt weiter? Treten Sie demnächst erneut auf politischen Kundgebungen auf? Oder machen Sie Ihr "normales" Bühnenprogramm weiter?

Bird Berlin: Ich spiele weiter Konzerte als Bird Berlin und bringe den Menschen Freude und ein Lächeln. Manche Veranstaltungen werden politisch sein. Manche nicht.

 

Fragen: Peter Schulze-Zachau

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