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Schulen sind nicht machtlos gegen Rechtsextremisten

Nürnberger „Tacheles“-Projekt veröffentlicht Ergebnis von zwei Fachtagungen in einer Broschüre - 14.04.2012 10:59 Uhr

Der Präsident des Verfassungsschutzes sieht keine ideologisch Unterschiede innerhalb der NPD. «Das sind alles Hard-Core-Rechtsextremisten, Rassisten, Antisemiten, nur die einen sagen es etwas deutlicher als die anderen.» © Arno Burgi


Tacheles reden, also Klartext, ist geläufig. Weniger bekannt dürfte, jedenfalls außerhalb der Region, das gleichnamige Projekt gegen Neonazismus und Rassismus sein, das Handlungsstrategien ausarbeiten will und sich speziell auch an die Jugend wendet. Initiatorin ist das Nürnberger Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung (ISFBB), das für „Tacheles“ viele Kooperationspartner in Wirtschaft, Verbänden und Bildung hat und zu dessen Förderern auch Bruno Schnell zählt, der Herausgeber der Nürnberger Nachrichten.

Die neu erschienene Broschüre ist eine Zusammenfassung von zwei „Tacheles“-Tagungen an der Nürnberger Ohm-Fachhochschule und anderen Bildungseinrichtungen. ISFBB-Chefin Birgit Mair stellt dabei ihr pädagogisches Konzept an den Anfang und in den Vordergrund, als praktisches Handlungskonzept. Sie hat in ihrer alltäglichen Praxis ein Drei-Säulen-Modell entwickelt, (Aufklärung, Fragen stellen, Grenzen setzen), um Jugendlichen die menschenverachtende Ideologie der Neonazis zu erläutern und sie gegen Propaganda ( Schulhof-CDs) zu immunisieren.

Dass ein solches Konzept in der täglichen schulischen Praxis selten konfliktfrei verläuft, belegt Harald Drösel, Studienrat an der Fachoberschule Triesdorf (Kreis Ansbach) mit Beispielen aus seinem schulischen Alltag. Ein Manko sei, dass viele seiner Kolleginnen und Kollegen mit den Erscheinungsformen heutiger Neonazis nicht vertraut seien, also etwa mit der rechten Kapitalismus-Kritik, mit Wortergreifungs-Strategien, der Kleidung und Symbolik. Oder weil sie diese nicht klar genug zurückwiesen. Drösel und ISFBB-Mitarbeiterin Melanie Riese erklären deswegen, wie Pädagogen und Mitschüler wirksam gegen Neonazis aktiv werden können.

Oft nur ein Vorwand

Wie auch Vereine sich gegen die Unterwanderung durch Rechtsextremisten wehren können, verrät Titus Simon, Professor für Jugendarbeit an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Es sei, betont er, oft nur ein Vorwand, wenn Verantwortliche sich auf das Argument zurückzögen, Vereine seien unpolitisch oder weltanschaulich neutral.

Weitere Themen sind Ursachen des Nationalismus, Frauen in der Nazi-Szene, Opferberatung und die Erfolgsgeschichte des Bürgerforums Gräfenberg. Ein Leckerbissen ist, wie sich der Berliner Geschichts-Professor Wolfgang Wippermann mit der gängigen Extremismus-Theorie kritisch auseinandersetzt. Einer, die rechts und links weitgehend gleichsetzt und größtenteils auf den umstrittenen Politologen Eckhard Jesse zurückgeht. Für Wippermann ist „Extremismus“ ohnehin nur ein untauglicher politischer Kampfbegriff.

Die Broschüre kann gegen eine Versandkostenpauschale von 2,50 Euro bestellt werden, im Internet unter info@isfbb.de 

VON HERBERT FUEHR

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