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Versagen von Schule und Politik: Gemobbt und allein

Schulen müssen sich mehr um soziales Miteinander kümmern - 19.04.2017 12:20 Uhr

Mobbing gehört zum Alltag in deutschen Schulen. © Kinder


Es ist eine traurige Statistik: Jeder sechste 15-Jährige an deutschen Schulen wird regelmäßig gemobbt. Im Schnitt der Industrieländer ist es sogar jeder fünfte. Das zeigt eine neue Auswertung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die das Wohlbefinden der Jugendlichen analysiert hat.

Wer jetzt denkt, die jungen Leute sollten sich mal nicht so anstellen, übersieht zwei wesentliche Punkte: Dass sich Klassenkameraden mal necken, ist sicher normal, aber Mobbing ist eine andere Hausnummer. Es kann die seelische Gesundheit beeinträchtigen, zu Schlafproblemen führen, zu Angststörungen oder zu Depressionen. Auch Suizidgedanken können irgendwann auftreten, wenn Kinder oder Jugendliche ständig als dick, fett, stinkend oder hässlich verunglimpft werden. Ausgrenzung und Stigmatisierung sind für jeden Menschen qualvoll.

Angst verbaut die Zukunft

Zusätzlich haben sie Auswirkungen auf die Leistung der betroffenen Schüler: Wenn sie sich davor fürchten, in ihre Klasse zu gehen und sich zu melden, weil dann womöglich die nächste Hasstirade losbricht - dann können sie auch nicht lernen. Sie können nicht die Leistung erbringen, zu der sie unter anderen Umständen imstande wären. Dabei bestimmt diese Leistung ihre Zukunft mit.

Wie groß das Problem ist, zeigt allein, dass selbst Papst Franziskus kürzlich dazu ermahnt hat, Mobbing und Gewalt an Schulen keinen Platz zu geben.

Schlimmer macht das Ganze, dass Schüler oft alleingelassen werden. Projekte gegen Mobbing gibt es zwar reichlich. Was im konkreten Fall wirklich unternommen wird, hängt aber vom Lehrer ab - und der hat oft weder Zeit noch die entsprechende Ausbildung. An Sozialpädagogen, die hier wichtige Ansprechpartner wären, herrscht chronischer Mangel. Und Schulen sind auch nicht verpflichtet, sich externe Hilfe von Experten zu holen. Dabei wäre genau die oft sinnvoll, ebenso übrigens wie Gewaltprävention, für die viel zu selten genug Geld da ist.

Kurz: Schulen und Politik könnten deutlich mehr gegen Gewalt und Mobbing tun. Es wäre eine Investition, die sich auszahlt. 

Sarah Benecke

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