|
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos! |
![]() |
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!
|
Doch was heißt eigentlich Freisprechung. Das klinge wie „Haftentlassung“, habe ihm einmal ein Radiomoderator gesagt, so Wiedmann in seiner Ansprache. Ein Vergleich, den von den frischgebackenen Jungschreinern so hoffentlich niemand mit seiner Lehrzeit ziehe, schmunzelte der Obermeister. Tatsächlich wird der Lehrling von den Pflichten der Ausbildung freigesprochen. Vor 70 Jahren zählten dazu etwa noch Gehorsam und Achtung gegenüber dem Meister, zitierte Wiedmann aus einem Lehrvertrag von 1940. Der Umgangston in der Ausbildung habe sich seitdem „drastisch“ geändert, doch die Grundgedanken seien immer noch hochaktuell. Und die Freiheit, in die die Auszubildenden nun entlassen werden, bedeute eben auch Verantwortung, für sich selbst und für seinen Arbeitsplatz.
Die Ausbildungszahlen belegen für Wiedmann, dass sich umgekehrt das Handwerk der Verantwortung gegenüber der Jugend sehr wohl bewusst ist. Ein Verantwortung, die nicht mehr alle Teile der Gesellschaft selbstverständlich übernehmen würden. Und auch das Geben und Nehmen funktioniert nach Worten des Schreinermeisters aus Windsfeld nicht mehr einwandfrei. Zwar werde erwartet, dass die Kinder eine Lehrstelle bekommen, bei der eigenen Kaufentscheidung spielten solche Überlegungen aber keine Rolle.
Wichtig ist für Wiedmann, dass das Handwerk seine Fähigkeiten besser herausstreicht. Denn er bezweifelt, dass der Kunde die Leistungsfähigkeit der Handwerker tatsächlich kennt. Wer Möbel kaufen wolle, geht ins Möbelhaus, die Suche nach einer Küche führe ins Küchenstudio und bei Fenstern denke der Kunde zunächst an den Baumarkt. Das Handwerk müsse deshalb „offensiv“ auf den Kunden zugehen und am Markt präsent sein, sprich, den Kunden mehr in den Mittelpunkt der Aktivitäten stellen.
Was das nun die Junggesellen angehe? Viel, machte ihnen Wiedmann klar, denn auch sie tragen mit ihrer Haltung am Arbeitsplatz und in der Freizeit ganz wesentlich zum Bild bei, dass das Handwerk in der Öffentlichkeit genießt. Das fange damit an, dass man pünktlich beim Kunden erscheine und mit den Menschen reden könne. Der Handwerker müsse zudem fähig sein, vor Ort flexible Lösungen zu finden. Mit dem eigenen Verhalten übernehme man bereits Verantwortung. Und das sei wichtig, denn im Preiskampf mit Billiganbietern habe das Handwerk keine Chance. „Wir müssen mit Kompetenz überzeugen“, legte Wiedmann den Jungschreinern, unter ihnen auch vier Frauen, ans Herz.
Zuvor hatte bereits der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Gunzenhausen, Karl-Heinz Fitz an die jungen Leute appelliert, in der Region zu bleiben und sich hier beruflich und privat zu engagieren. Den Abschluss der Ausbildung verglich er mit der Erstellung des Gesellenstücks, und richtete sofort den Blick nach vorn auf die weitere berufliche Bildung bis hin zum Meisterstück. Der Leiter der beruflichen Schulzentrums Gunzenhausen, Klaus Drotziger, machte seinen scheidenden Schülern anhand einer Fabel klar, dass sie mit der Ausbildung eine gute und stabile Basis für ihr weiteres Leben gelegt hätten. Er gratulierte den Jungschreinern dazu, dass sie sich für einen Handwerksberuf entschieden haben, der viele Vorzüge habe. Außerdem gebe es hervorragende Berufsaussichten, denn der Nachwuchs werde immer knapper und somit immer begehrter. Die Arbeit wird nun nach Abschluss der Ausbildung den Lebensrhythmus bestimmen, so Drotziger, und riet den Jungschreiner, es mit Thomas Mann zu halten. Arbeit ist schwer, habe der Schriftsteller einmal festgestellt, aber nicht zu arbeiten sei die Hölle.
Frei von den Verpflichtungen des Lehrvertrags und der Schulpflicht, frei in der Wahl des Arbeitsplatzes und frei mit Blick auf die weitere berufliche Zukunft sprach am Ende der Feierstunde Wiedmann die 30 Gesellen und überreichte ihnen die Ausbildungszeugnisse. Besonders geehrt wurden dabei Innungssieger Maximilian Pfeiffer von der Flachslandener Schreinerei Ernst Volkert und der Prüfungsbeste in Theorie und Praxis Jürgen Schmidt, der seine Ausbildung in der Schreinerei Roland Schilfahrt in Burgoberbach absolviert hat. Im Innungswettbewerb „Gute Form“ wurde Tina Wessel aus Haag (Schreinerei Holz & Form, Stefan Lutz, Degersheim) ausgezeichnet und traditionell verliehen auch die Glaswerke Arnold wieder drei Geldpreise. Sie gingen an Maximilian Pfeifer, Jürgen Schmidt und den Gunzenhäuser Rusevic Dzenis (Schreinerei Knoll, Ostheim).
Aus dem Einzugsbereich des Altmühl-Boten erhielten folgende Junggesellen ihre Zeugnisse: Florian Reuter (Schreinerei Zinsmeister, Wassertrüdingen), Rusevic Dzenis (Schreinerei Knoll, Ostheim), Christian Sedlmaier, Samuel Stelzer (beide Schreinerie Fitzner & Scholz, Gnotzheim), Tina Wessel (Schreinerei Stefan Lutz, Degersheim), Benjamin Reichert (Schreinerei Engelhard, Hainsfarth) und Stefan Roth (Schreinerei Robert Holzschuh, Großlellenfeld).