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"Allmächd na", ein Wörterbuch für Franken!

Erlanger Germanistikprofessorin sammelt Dialektausdrücke für Lexikon - 25.11.2012 15:22 Uhr

Die Franken haben Freude an ihrem Dialekt - so auch diese Dame aus Fürth. "Ozulz Buddlasba" (abgenagtes Hühnerbein) ist wohl ein besonders ausgefallener Dialekt-Ausdruck und damit genau das richtige für das "Ostfränkische Wörterbuch". © Hans-Joachim Winckler


Insgesamt über sechs Millionen Belege für fränkische Dialektausdrücke haben Forscher bei Befragungen zwischen 1928 und 2001 aufgetan. Bis zum Ende des Jahrhunderts soll das sogenannte „Ostfränkische Wörterbuch“ dann fertig sein. Wie vielfältig und unterschiedlich der fränkische Dialekt in den drei heutigen Regierungsbezirken ist, zeigt das Beispiel "rülpsen". Dafür finden sich in Franken so unterschiedliche Ausdrücke wie koppen, grölzen, grellen oder gurksen.

Trotz dieses Beispiels sei Dialekt aber nichts primitives, betont die Sprachwissenschaftlerin Mechthild Habermann. Die Germanistikprofessorin aus Erlangen hat kürzlich die Leitung des nach Fürth verlegten Wörterbuch-Großprojekts übernommen. Sie ist jetzt damit die Hüterin eines wissenschaftlichen Goldschatzes: Etwa 10 000 Sammler haben in den vergangenen Jahrzehnten die mehr als sechs Millionen Belege für fränkische Dialektausdrücke und deren regionale Verbreitung erhoben.

Seit kurzem ist Mechthild Habermann für das "Ostfränkische Wörterbuch" verantwortlich. Sie sieht das nicht nur als wissenschaftliche Aufgabe, sondern sieht sich auch in der Rolle einer Hüterin des kulturellen Erbes der Region. © Rödel (Archivfoto)


„Das ist, als würde man die Kulturgeschichte lesen“, sagte Habermann im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Im oberfränkischen Hof und dem südwestlichen Mittelfranken etwa sage man zu einer dreieckigen Papiertüte „Guck“ – das komme von mittellateinischen „cuculla“ (Kapuze). Anderswo heiße sie „Scharmützel“. „All das, was in der Bevölkerung im Alltag eine Rolle gespielt hat, wird ins Wörterbuch eingehen“, sagte die Expertin.

Besonders viele Ausdrücke fänden sich aus den Bereichen Landwirtschaft, Küche und Essen und Trinken – neben Kose- und Schimpfnamen. Dialekt-Sammlungen wie das „Ostfränkische Wörterbuch“ gehören nach Ansicht von Habermann zum „kulturellen Gedächtnis einer Region“. Daher seien solche Wörterbücher laut der Professorin nicht nur für die Wissenschaft wichtig, denn „wenn wir dieses Erbe nicht bewahren, geht ein ganz großer Teil unserer Identität verloren.“

Habermann erklärte zum Abschluss auch den Titel des "Ostfränkischen Wörterbuches" noch genauer. „Der Titel ist vielleicht etwas irreführend“, stellte die Fachfrau klar. Es handele sich nämlich nicht um eine Sammlung der Mundart im Osten Frankens – sondern um den Dialekt in allen drei fränkischen Regierungsbezirken. „Sprachwissenschaftlich spricht man Fränkisch im Endeffekt bis nach Belgien und die Niederlande. Ostfränkisch ist entsprechend alles östlich vom Spessart“, erläuterte Habermann. Etwas Balsam für die oftmals geschundene fränkische Seele hat die Germanistin dann auch noch im Gepäck: Wegen der regionalen Verbreitung sei Fränkisch für Forscher „fast wichtiger als Bairisch“, so Habermann. 

Elke Richter, dpa

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