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Donnerstag, 20.09.2018

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Altdorf kämpft mit Bürgerinitiative gegen Netzausbau

Bürger sind von Wirtschaftsminister Altmaier enttäuscht - 07.08.2018 10:01 Uhr

Protest der Gegner des Netzausbaus im Feld bei Röthenbach: im Hintergrund die Leitungen, die für die Trasse P 44 mod hochgerüstet werden sollen. © Blinten


Im Zentrum des Geschehens steht das Umspannwerk Ludersheim, wo die Stromleitungen zusammen laufen, die P 44 mod aus Richtung Schnaittach und Ottensoos kommend und die P 53 von Winkelhaid kommend und weiter nach Ezelsdorf und Postbauer-Heng führend.

Dabei geht es den Gegnern des Netzausbaus in erster Linie nicht um die Verhinderung der Pläne von Tennet und anderer Netzbetreiber. Ihnen geht es zunächst einmal darum, die Politik davon zu überzeugen, dass die Energiewende, wie sie derzeit vorangetrieben wird, in die falsche Richtung läuft. Nicht Windkraft von der Ost- und Nordsee nach Bayern und weiter Kohle zu verstromen bringe die Energiewende voran, sondern nur dezentrale Lösungen, sagen sie.

Zeichen des Widerstands

Hubert Galozy von der Bürgerinitiative Leinburg hat die Aktion zusammen mit Olaf Lüttich und anderen vorbereitet. Gelb-rot gestrichene Andreas-Kreuze haben die Mitglieder verschiedener BIs aus der gesamten Region mitgebracht, Zeichen, mit denen sie überall in der Gegend Trassenverläufe markieren, auf denen die bestehenden Leitungen von 110 auf 380 Kilovolt optimiert werden. "Wir müssen uns dagegen wehren, wir müssen dafür sorgen, dass das verhindert wird", appelliert Galozy auf dem Feld zwischen Röthenbach und Waldspitze, in Sichtweite der Stromleitung, die als P 44 mod im Netzentwicklungsplan der Bundesnetzagentur steht.

Bürgerinitiativen kommen mit ihrem Anliegen aber nur weiter, wenn sie auf politischer Ebene etwas bewirken. "Wir brauchen deshalb die Hilfe der Politik", unterstreicht Galozy und beschwört seine Mitstreiter, auf Politiker zuzugehen und deutlich zu machen, dass man Widerstand leistet gegen die Netzausbaupläne.

Die schreiten allerdings voran. Die Trassen stehen im aktuellen Entwicklungsplan, der einen Ausbau ab Mitte der 20er Jahre vorsieht. Die hiesigen zur Aufrüstung vorgesehenen Leitungstrassen sind dabei Ausgleichsleitungen für einen eventuellen Ausfall der Gleichstromtrasse, die jetzt durch Ostbayern geführt werden soll, nachdem der Widerstand in der hiesigen Region offenbar zu groß war.

Das Umspannwerk Ludersheim steht im Zentrum, von Norden kommt die Trasse P 44 mod, von Westen die P 53. © Kerstin Frey


Politik soll ins Boot

Wenn also die Pläne für den Netzausbau schon so weit gediehen sind, wie schätzen die Aktivisten dann ihre Möglichkeiten ein, den Ausbau doch noch zu stoppen? Galozy ist da sehr optimistisch: "Wir haben gute Chancen, das noch zu verhindern", sagt er seinen Mitstreitern.

Dörte Hamann ist Sprecherin der Bürgerinitiative gegen die Südost-Trasse. "Für uns stehen die Netzausbaupläne einer Energiewende entgegen", sagt sie. Der Kohleausstieg sei nicht zeitnah geplant, stattdessen plane man ein europäisches Handelsnetz für konventionellen Strom. Beim Netzausbau gebe es zu wenig Bürgerbeteiligung und Transparenz, die bestehe nur auf dem Papier.

Enttäuscht sind die Vertreter der Bürgerinitiativen von Wirtschaftsminister Altmaier, der im März versprochen hatte, er werde sich jede problematische Leitung persönlich ansehen. Zwischenzeitlich hat man im Wirtschaftsministerium erkannt, dass es landauf-landab zu viele Baustellen gibt, auf denen sich der Minister umschauen müsste.

Raus aus der Komfortzone

Altmaiers Staatssekretär Thomas Bareiß allerdings betont, dass man aus der Komfortzone herauswolle und sich den Problemen stellen werde. Konkret heißt das: Veranstaltungen machen und mit Informationen vor Ort sein. Etwa mit dem Infomobil des Bürgerdialogs Stromnetz, das am Mittwoch in Altdorf Station machte. Kritisch sehen die Mitglieder der Bürgerinitiativen solche Info-Veranstaltungen – auch deshalb, weil nach deren Darstellung im Infomobil in Altdorf nichts über die hiesigen Trassen zu erfahren war.

Wer sich über den Planungsstand in seiner Region informieren will, kann das im Inernet auf www.netzausbau.de. Auf der Seite der Bundesnetzagentur kann man sich dann bis zu seiner Region durchklicken und findet hier alle Trassen, die aufgerüstet werden sollen bzw. neu entstehen.

Netzbetreiber Tennet, für den hiesigen Trassenausbau zuständig, weist darauf hin, dass es sich bei den Streckenverläufen im Netzentwicklungsplan um Annäherungswerte handelt, der Trassenkorridor ist jeweils etwa 1000 Meter breit.

Innerhalb dieses Kilometers werden die Leitungen neu aufgebaut. Für Stromleitungen in Wohngebieten wie etwa in Winkelhaid oder in Ezelsdorf bedeutet die Aufrüstung, dass die Masten samt Leitungen künftig aus den Orten verschwinden werden. 380 kV Leitungen müssen um Wohnbebauung herum geführt werden. 

Alex Blinten

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