Mittwoch, 20.03.2019

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Altdorfer Bürgermeister: "Islamschweinerei" am Feiertag

Verbandschef der Muslime kommt am Reformationstag in die Laurentiuskirche - 28.10.2016 06:00 Uhr

Aiman Mazyek kommt am Reformationstag nach Altdorf. © Oliver Berg (dpa)


Am kommenden Montag, dem Reformationstag,spricht in Altdorf Aiman Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland. Der bundesweit profilierte Verbandschef wird an dem "Geistlichen Abend" in der Altdorfer Laurentiuskirche einen Vortrag zum Thema "Was ich mir von Christen wünsche — Christen und Muslime gemeinsam für Barmherzigkeit und Nächstenliebe" halten. Wie viele andere Würdenträger der Stadt wurde auch Johann Peter Pöllot dazu eingeladen. Er ist seit zweieinhalb Jahren dritter Bürgermeister und sitzt seit bald 40 Jahren für die CSU im Stadtrat.

Pöllot rastete regelrecht aus, als er die freundliche Einladung bekam. Er rief offenbar erbost im evangelischen Dekanat an und sprach dort auf den Anrufbeantworter direkt an den Altdorfer Dekan Jörg Breu gerichtet. Wie aus Unterlagen hervorgeht, meldete sich Johann Peter Pöllot ausdrücklich in seiner Funktion als Bürgermeister.

Er brachte dabei "das äußerste Entsetzen über diese Islamschweinerei am Reformationstag" zum Ausdruck. So gehe das nicht. Das sei ein Mittel, um alle konservativen Christen aus der Kirche zu drängen. "Unglaubliche Schweinerei", schloss er seine Tirade.

Dabei beließ es Pöllot aber nicht. Der CSU-Politiker leitete obendrein unkommentiert eine Art Hass-Mail wirren Inhalts eines gewissen Dr. Hans Penner aus dem Raum Karlsruhe weiter. Die ging mit dem Betreff "Islamische evangelische Kirche" nicht nur an das Altdorfer Dekanat, sondern an andere kirchliche Stellen bis hinauf zu Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, an die gesamte Altdorfer Stadtverwaltung und an das Gymnasium in Altdorf. Dem Landesbischof wird in dem Penner-Text vorgeworfen, seine Kirche "zunehmend" dem Islam zu öffnen, "dem Sie wahrscheinlich näher stehen als dem christlichen Glauben". Die Mehrheit der bayerischen Pfarrer sei vermutlich, so heißt es da weiter, "in Übereinstimmung mit dem Islam der Überzeugung, dass Jesus im Grab verwest ist".

Die Veranstaltung am kommenden Montag in Altdorf wird ausdrücklich erwähnt. Der dortige Dekan fasse die Reformation als ein "Sich-öffnen gegenüber neuen Gedanken auf und verwirft die Betrachtung der Reformation als Rückkehr zur Lehre Jesus Christi".

Hans Penner äußert sich zum Teil sehr aggressiv und abwertend gegenüber dem Staat und seinen Spitzenvertretern in einem "Christlichen Forum" und betreibt den Blog "Deutsche ZivilGesellschaft". Dort schrieb er etwa Anfang des Jahres an Bundeskanzlerin Angela Merkel in Anspielung auf ihr "Wir schaffen das" unter anderem: "Sie schaffen es, die Selbstbewaffnung der deutschen Bevölkerung zu erreichen, weil die Polizei sie nicht mehr ausreichend schützen kann."

Gegenüber den NN sagte Johann Peter Pöllot, er kenne Hans Penner nicht. Dessen Mail habe er weitergeleitet, "damit die im Dekanat wissen, was es alles so gibt". Gleichzeitig bekannte er, der Auftritt von Mazyek in der Kirche sei eine "Provokation, die den heiligen Ort entweiht". Nicht nur er, "halb Altdorf" sei darüber empört.

Unmittelbar nachdem sich der Altdorfer Bürgermeister in der abfälligen Form geäußert hatte, ging Altdorfs Dekan Jörg Breu in versöhnlichem Ton auf Pöllot zu. In seiner Mail ("Betreff: Schweinerei?") rügte der Theologe den Gebrauch des Wortes Schweinerei in Bezug auf einen Moslem als "besonders apart". Die an Aiman Mazyek gerichtete Einladung sei, so heißt es weiter, keineswegs Zeichen inhaltlicher Übereinstimmung. Zuhören gehöre aber zu den Grundtugenden eines demokratischen Gemeinwesens, Dialogfähigkeit sei Kernmerkmal der evangelischen Kirche. Ein Antwort bekam Jörg Breu nicht. 

Michael Kasperowitsch

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