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Altdorfer Hallenbad: Kosten die Legionellen 500.000 Euro?

Gutachten zeigt auf: Probleme sind wohl auf Planungsfehler zurückzuführen - 09.05.2018 16:15 Uhr

Guter Dinge waren Bügermeister, Kreis-und Stadträte bei der Eröffnung des Hallenbads im November 2014. Inzwischen ist den Beteiligten von damals das Lachen vergangen, wenn sie auf das Bad angesprochen werden. © Blinten


Die wegen der Legionellenbelastung bislang aufgelaufenen Kosten sind viel höher als zunächst angenommen. Offiziell spricht man im Landratsamt von 250.000 bis 300.000 Euro, inoffiziell ist bereits von einer halben Million Euro die Rede. Noch im Herbst vergangenen Jahres ging man von Kosten in Höhe von rund 60.000 Euro aus. Die fielen für Sanierungsarbeiten und den Einbau von automatisch spülenden Wasserarmaturen an.

Außerdem tauschte man damals alle Duscharmaturen aus und baute die Warmwasseraufbereitung um. Im Chemikalienlager wurde eine Zuleitung zu einem Waschbecken demontiert und parallel drei Befüllstutzen für das Beckenwasser umgebaut. Alles in allem so viele Maßnahmen, dass die Fachleute damals zuversichtlich waren, dass man damit das Problem in den Griff bekommen würde.

Eine erste Spülung mit anschließender mikrobiologischer Untersuchung Mitte November 2017 ergab dann, dass die Grenzwerte an acht von insgesamt 21 Messstellen überschritten wurden. Die Legionellenbelastung lag damals an einer von insgesamt 38 Messstellen über dem Grenzwert. Im Februar 2018 dann die böse Überraschung: Bei einer neuerlichen Legionellenuntersuchung wurden Grenzwertüberschreitungen an 21 von 37 Messstellen festgestellt. An eine Wiedereröffnung war unter diesen Umständen nicht zu denken.

Kostenschätzung und Zeitplan 

Neue Firma beauftragt Ende März beschloss die Verbandsversammlung des Hallenbadzweckverbands, dass die Fachfirma Wach aus Baldham zusammen mit der Hygieneinspektionsstelle (Firma Athis) eine Lösung des Problems erarbeiten und eine Kostenschätzung sowie einen Zeitplan erarbeiten sollten.

Zwischenzeitlich liegt ein Gutachten zur Legionellenbelastung im Altdorfer Bad vor, in dem festgehalten wird, dass die Probleme auf Planungsfehler zurückzuführen sind. Deshalb haben der Landkreis und die Stadt Altdorf eine Anwaltskanzlei beauftragt, Ansprüche gegen das Planungsbüro pbr geltend zu machen. Einzelheiten zum weiteren Vorgehen soll die Verbandsversammlung am 15. Mai beschließen.

Ausfall hat erheblich Auswirkungen

Für die Schulen, die ihre Kinder nach Altdorf zum Schwimmunterricht brachten, hat der Ausfall erheblich Auswirkungen. Die Schulen mussten in den vergangenen Monaten umplanen, ihre Schüler in andere Bäder fahren oder den Schwimmunterricht ganz ausfallen lassen.

Michael Schmidt, Bürgermeister in Winkelhaid und Vorsitzender des Winkelhaider Schulverbands, hat bereits angekündigt, 70.000 Euro zurückzufordern, die sein Schulverband für den Schwimmunterricht der Winkelhaider Kinder in Altdorf bezahlt hat. "Und mein Kollege Ernstberger aus Schwarzenbruck wird diese Forderung für die Schwarzenbrucker Kinder stellen", versichert Schmidt.

Hallenbad als Hauptaufreger im Landkreis?

Dass das Altdorfer Hallenbad der Hauptaufreger im Landkreis ist, ärgert Landrat Armin Kroder zwar "über alle Maßen", wie er betont, allerdings steht für ihn wie für den Zweckverbandsvorsitzenden Erich Odörfer Sicherheit an erster Stelle. "Das Bad wird erst wieder geöffnet, wenn alles picobello sauber ist."

Odörfer sieht sich durch das nun vorliegende Gutachten bestätigt, dass es sich bei der Ursache für die Legionellenbelastung um Planungsfehler handelt. Im vergangenen Jahr habe man herumgedoktert, ohne der Ursache auf den Grund zu gehen, so seine rückschauende Kritik. "Man hat sogar versucht, den Bademeister haftbar zu machen." Ein Manöver, bei dem der Zweckverbandsvorsitzende und Altdorfer Bürgermeister nur den Kopf schütteln kann.

Das Recht der beteiligten Firmen

Kroder dagegen mahnte bei dem Begriff "herumdoktern" zur Vorsicht und verwies auf das Recht der beteiligten Firmen, Nachbesserungsarbeiten durchzuführen. Was die jetzt aufgelaufenen Kosten betrifft, geht Kroder davon aus, dass die von Landkreis und Stadt beklagten Büros "leistungsfähige Versicherungen" haben.

Odörfer ist bei allem Ärger zuversichtlich, dass das Hallenbad nach den großen Ferien wieder öffnen kann. Den finanziellen Schaden werden Stadt und Landkreis irgendwann über ihre Klage gegen das Planungsbüro vielleicht ersetzt bekommen. Der entstandene Image-Schaden freilich wird sich nicht mehr beheben lassen. 

Alex Blinten

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