Dienstag, 25.09.2018

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Antikes Altdorf: Archäologen legen uralten Fund frei

Baustelle an der Nürnberger Straße - 30.08.2018 21:08 Uhr

Die Ausgrabungsstelle an der Nürnberger Straße in Altdorf. © Schulmerich


Zwischen 30. Juli und 30. August wurde das Grundstück zur Ausgrabungsstätte für das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege. Martin Nadler, stellvertretender Referatsleiter der Dienststelle Nürnberg, erklärt, dass auf der Fläche eigentlich Wohnbebauung entstehen soll. Doch bei der Abtragung der oberen Bodenschicht durch einen Hobbyarchäologen traten erste Funde ans Tageslicht. Dieser setzte die Behörden darüber in Kenntnis.

Das Landratsamt vereinbarte erste Termine und veranlasste schlussendlich die Ausgrabungen. "Da das Bauunternehmen zu dieser Zeit in Betriebsurlaub gegangen ist, waren für uns optimale Voraussetzungen gegeben, archäologisch arbeiten zu können und das Ganze ohne große Baustopps oder andere organisatorische Probleme", erklärt Robert Frank, stellvertretender Dienststellenleiter Nürnberg. Archäologie und Bebauung mussten in diesem Fall also nicht parallel laufen und organisatorisch unter einen Hut gebracht werden.

Das Team um Grabungsleiterin Renate Krautwurst trug den Bereich weiter ab. Schon bei ersten Testgrabungen kamen bereits Keramikscherben zum Vorschein, woraufhin weitere Arbeiten in größerem Ausmaß begannen. "Die Ackerschicht ist für uns uninteressant, da diese immer wieder bearbeitet wird. Erst die Schichten darunter geben durch Verfärbungen erste Eindrücke", erklärt Krautwurs., "Diese müssen danach darauf untersucht werden, ob sie archäologischer Natur sind, sie könnten nämlich auch geologischen Ursprungs sein". 

Vorgeschichtlicher Brunnen

Nach fünf Wochen kann das Archäologieteam nun erste Ergebnisse bekannt geben. Und davon nicht zu wenig: Im Herzen des Grundstücks liegt der wohl erstaunlichste Fund, ein Brunnen. In tieferen Erdschichten zeichnet sich eine gestufte Wasserquelle ab, aus der das auch heute noch vorhandene klare Grundwasser entnommen wurde. Sie liegt zentral in einer vorgeschichtlich eventuell vorhandenen Siedlung und bildet einen ganz besonderen Fund. "Einen Brunnen finden wir nicht jeden Tag", erzählt Krautwurst.

Während kleine Funde konserviert werden können, wird diese Entdeckung durch die geplante Bebauung jedoch verloren gehen. Sie muss einer Tiefgarage weichen. "Wir werden aber ein virtuelles Datenprofil erstellen, um alle Informationen über den Brunnen festzuhalten", erklärt Nadler. Die Expeten vermessen die Wasserquelle zunächst und halten sie fotografisch fest. Außerdem entnehmen sie Bodenproben und speisen diese für einen vollständigen Überblick in das Profil mit ein.

Funde aus der frühen Keltenzeit

Im hinteren Bereich der Ausgrabungsstätte brachten die Archäologen eisenzeitliche Funde zutage. Die Pfostenreihen aus der frühen Keltenzeit lassen sich auf die Zeit von 800 bis 500 vor Christus datieren. "Zwar können wir keine Hausgrundrisse herausarbeiten, aber es könnte sich um ein größeres Siedlungsareal handeln", erklärt Nadler. Frank ergänzt, dass es sich hierbei um eine Bereicherung für die Geschichte Altdorfs handelt. Denn der Fund zeige deutlich, dass schon lange vor der Gründung der Stadt dort eine Siedlung war.

Konzentriert bei der Arbeit – Das Team um Renate Krautwurst zieht erstaunliche Erkenntnisse aus der Ausgrabung. © Schulmerich


Die Funde sind auch für die Archäologen überraschend, weil die Entdeckung der Grundstücksgrenzen vorher noch nicht bekannt war. Dies lasse auch darauf schließen, dass in der hinter dem Grundstück angrenzenden Wohngegend wohl weitere Funde vorhanden sein könnten, die bei der Bebauung nicht entdeckt wurden.

Neben eisenzeitlichen und mittelalterlichen Belegen im hinteren Bereich weist der Urkataster, der um 1830 entstand, auch darauf hin, dass sich an dieser Stelle ein Garten im Barockstil befunden hat. Es sind also die verschiedensten Epochen vertreten.

Verziegelte Feuerstelle

Auch im vorderen Bereich wurde die Arbeit der Archäologen belohnt. Neben Einzäunungen, die dafür sprechen, dass an dieser Stelle ein Gehöft gewesen sein könnte, stießen sie auf mittelalterliche Entdeckungen. So fand man Pfostenstellungen und verschiedene kleine Materialien, die auf eine Wohnbebauung schließen lassen.

"Das ist interessant, da der Ort außerhalb der Stadtmauern liegt. Das ist eigentlich untypisch für die mittelalterliche Zeit, weil sich dort alles innerhalb der Stadtmauern abspielte", erklärt Frank. Des Weiteren wurde eine verziegelte Feuerstelle gefunden, die bis dato allerdings noch nicht datiert ist. Auch sie spricht für siedlerisches Leben. Krautwurst, Frank und Nadler gehen davon aus, dass auch im vorderen Bereich weitere Funde unter der Nürnberger Straße lagen.

Wer sich die Urkatasterkarte anschauen möchte, dem empfiehlt Nadler den Bayernatlas, geoportal.bayern.de

Lea Schulmerich

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