Freitag, 16.11.2018

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Das Rote Kreuz sammelt 200 Tonnen Altkleider

Second-Hand-Schnäppchen und Rohstoff - 17.03.2018 15:01 Uhr

Kveta Tabor und Gerda Kubisch sortieren gut erhaltene Kleidung für die Altdorfer Kleiderkammer aus. Hier können sich bedürftige Bürger kostenlos mit Textilien eindecken. © Blinten


Während ein Teil in den Rotkreuz-Läden in Lauf und Hersbruck sowie in der Altdorfer Kleiderkammer landet, holen zwei große Sortierbetriebe aus Oberfranken den Großteil des Materials gegen einen Festpreis pro Kilo im Nürnberger Land ab.

Bei keinem anderen Material sind die Recycling-Wege so verzweigt. Gebrauchte Kleidung wird in Second-Hand-Shops oder auf Ebay ebenso angeboten wie auf den Vietnamesen-Märkten an der tschechisch-deutschen Grenze.

Damit lässt sich Geld verdienen, selbst die nicht mehr verwendbaren Kleidungsstücke sind am Ende noch Rohstoff, der per Lkw in tschechische Putzlumpen-Fabriken, mit dem Containerschiff in indische Spinnereien transportiert oder als Dämmstoff in der Automobil- oder Elektroindustrie verarbeitet wird.

Katastrophenlager

Einen Teil der Kleidung lagert der Sortierbetrieb Jean Bilsheim aus Creussen in einem Lager für das Rote Kreuz ein. Im Katastrophenfall muss die Kleidung bereitstehen. Sie muss aber auch in regelmäßigen Abständen im Lager ausgetauscht werden, das ist alles in allem sehr aufwändig, so dass Bilsheim das Einlagern und Austauschen dem BRK in Rechnung stellt.

Allerdings liegt die letzte Auslieferung von Kleidern aus dem Bilsheimer Lager in ein Katastrophengebiet schon 20 Jahre zurück. Der letzte große Rückgriff auf Material aus dem Lager erfolgte 2015, damals unterstützte das Rote Kreuz mehrer Kreisverbände mit Kleidung aus dem Katastrophen-Lager, als hunderttausende von Flüchtlingen warme Jacken, Mäntel und Pullover brauchten.

Der Altdorfer BRK Ortsverband ist der fleißigste beim Sammeln von Altkleidern. Die Mitglieder übernehmen auch das Sortieren der in die Container geworfenen Ware selbst und suchen die Kleidungsstücke aus, die über die Kleiderkammer kostenlos an Bedürftige ausgegeben werden können.

42.000 Kilo Kleidung

Gerda Kubisch macht die Arbeit schon seit 30 Jahren und freut sich über das Lob von BRK-Kreisgeschäftsführer Markus Deyhle, der den Altdorfern bescheinigt, ganz hervorragende Arbeit zu leisten. 42.000 Kilo Kleidung hat im vergangenen Jahr der Verwerter Bilsheim in Altdorf abgeholt.

Weil die Altdorfer ihre Kleidung aufwändig selbst sortieren, bevor sie sie an Bilsheim abgeben, appelliert Gerda Kubisch an alle Kleiderspender, gute und noch tragbare Kleidungsstücke nicht in die Container zu werfen, sondern direkt in der Kleiderkammer abzugeben.

Sie ärgert sich über die immer größer werdende Konkurrenz durch private Sammler. Während beim Roten Kreuz der gesamte Erlös einem guten Zweck zugute kommt, sagt Kubisch, würden immer mehr Sammler ihre privaten Geschäfte mit Altkleidern machen.

Die aus dem Kuchen zu verteilenden Stücke werden dabei immer kleiner. Wobei das BRK in seinen 180 aufgestellten Containern im Nürnberger Land 2017 immer noch rund 200 Tonnen Material einsammelte, das an Verwerter weiterverkauft wurde.

180 Sammelcontainer hat das Rote Kreuz im Landkreis aufgestellt, so wie hier am Standort Altdorf. © Blinten


40.000 Euro Jahreserlös

40.000 Euro hat das Rote Kreuz damit erlöst. Nachdem die Preise für Altkleider in den vergangenen Jahren tief im Keller waren, ziehen sie jetzt wieder leicht an. Pro Tonne zahlen die Verwerter derzeit auf dem Land 255 Euro, in Städten mit über 100.000 Einwohnern wird für die Tonne 295 Euro gezahlt.

"Die Preise gelten aber nur für gut erhaltene, verpackte, saubere und vor allem trockene Ware", betont Deyhle. "Praktisch haben wir immer einen Ausschuss, das bedeutet Abzug, so dass wir auf 180 bis 200 Euro pro Tonne Abnahmevergütung kommen." Wenn die freiwilligen Helfer beim Roten Kreuz die Ware selbst vorsortieren und die gut erhaltenen Sachen für die Kleiderkammer heraus holen, wie in Altdorf, dann zahlt Bilsheim für die Tonne noch 150 Euro.

Mit den Einnahmen finanziert das BRK die Kosten für die Rotkreuzhäuser in Hersbruck und Lauf und die Altdorfer Kleiderkammer. "Außerdem finanzieren wir damit unsere Arbeit vor Ort in den Bereitschaften, der Wasserwacht, Bergwacht, Jugendrotkreuz und in der Wohlfahrts- und Sozialarbeit", sagt der BRK-Geschäftsführer.

Katastrophenschutz ist Schwerpunkt

Ein Schwerpunkt der BRK-Arbeit ist der Katastrophenschutz. Dafür stellt das Rote Kreuz Fachdienste und Schnelleinsatzgruppen bereit, Transportmittel, eine Rettungshundestaffel und psychosoziale Notfallversorgung. "Unsere Kosten dafür sind aber nicht oder nur unzureichend gegenfinanziert", erklärt Deyhle. Auch hierfür werden die Alttextilerlöse gebraucht.

20 Prozent der vom Roten Kreuz gesammelten Altkleider gehen in den Second-Hand-Handel in Deutschland, 21 Prozent in den Handel im restlichen Europa, 37 Prozent nach Afrika und 19 Prozent nach Asien, wobei Indien der Hauptabnehmer ist. Hier gibt es Betriebe, die auch Altkleider schlechtester Qualität aufkaufen, zerkleinern und dann Decken und Ponchos daraus spinnen.

Weil der größte Teil der Altkleider nach Afrika exportiert wird, wurde in den vergangenen Jahren immer wieder Kritik laut, dass damit die afrikanische Textilindustrie zerstört werde.

Dem hält aber das Rote Kreuz entgegen, dass afrikanische Textilhersteller viel zu klein seien, um die Bevölkerung mit bezahlbarer Kleidung zu versorgen. Die sei deshalb auf gebrauchte Kleidung angewiesen. Außerdem würden durch den Gebrauchtkleidermarkt neue Arbeitsplätze in Afrika geschaffen. Viele Menschen würden von den gebrauchten Kleidern aus Europa leben.

Was wäre die Alternative zur Altkleider-Sammlung und Wiederverwertung? Die Sachen wanderten auf den Müll. Deshalb versichert der BRK-Geschäftsführer: "Das System ist ökologisch, ökonomisch und sozial." 

Alex Blinten

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