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Freitag, 14.12.2018

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Er macht das Licht aus: Assistenzhund hilft Sehbehinderter

Noch mitten in der Ausbildung: Berner Sennenhund übernimmt wichtige Dienste - 06.03.2018 13:58 Uhr

Max liebt Jessica, er weiß immer, in welcher Verfassung sein Frauchen ist und verteilt Schmuse-Einheiten. © Blinten


Max ist der heimliche Star des Nachmittags, in dessen Mittelpunkt eigentlich Jessica Eichhorn stehen sollte. Sie erzählt in Petra Meiers Altdorfer Boutique, wie sie das kleine Fellbündel im Alter von zehn Wochen abholte und nach Hause brachte, wie sie sich um den Welpen kümmerte, ihn stubenrein machte und großzog. Jetzt ist Max 15 Monate alt und zu einem richtig großen Hund heran gewachsen.

Der Berner Sennenhund ist zwar im besten Hunde-Pubertätsalter, er bleibt aber die Ruhe selbst in der Runde aus Lions-Mitgliedern, Pressevertretern, Betreuern, Freunden, seiner Trainerin und der Boutique-Inhaberin. Und sein Frauchen ist natürlich dabei, ein bisschen aufgeregt zwar, aber mit Max an ihrer Seite dann wieder ganz ruhig. Eichhorns Probleme sind Folgen von Verwahrlosung und Gewalterfahrungen in ihrer Kindheit. Die 38-jährige ist ausgebildete Sozialbetreuerin und war als Mitarbeiterin im Wichernhaus beschäftigt.

Vierbeiner macht Licht aus

Wegen ihrer vielfältigen körperlichen und psychischen Einschränkungen ist sie aber schon seit geraumer Zeit nicht mehr arbeitsfähig. Derzeit wohnt Nicole Eichhorn in der Hersbrucker Straße in Altdorf und freut sich jeden Tag über die Unterstützung, die ihr Max bei den täglichen Erledigungen in der Stadt gibt. Der junge Berner Sennenhund steht mitten in der Ausbildung zum Assistenzhund. Er hat zwischenzeitlich schon so viel gelernt, dass sich Jessica Eichhorn gar nicht mehr vorstellen kann, ohne Max in die Stadt zu gehen.

Er erkennt Hindernisse, weicht ihnen aus und weist seinem Frauchen einen neuen Weg. Wieder daheim angekommen, übernimmt er einen für Jessica Eichhorn ganz wichtigen Dienst: Er schaut zunächst einmal in der Wohnung nach, ob alles in Ordnung ist, geht dann zurück zu seinem Frauchen und signalisiert: Alles ok, du kannst herein kommen. Mittlerweile kann Max auch die Lichtschalter in der Wohnung seines Frauchens bedienen und sorgt dafür, dass abends die Lichter angehen und nachts ausgeschaltet werden.

Max lernt mit seinem Frauchen

Lea Mayer trainiert den jungen Hund seit einigen Monaten und ist ganz begeistert von dessen Talent. Die ausgebildete Hundetrainerin sieht sich jetzt vor einer ganz besonderen Herausforderung: Max soll lernen, sein Frauchen in der Nacht zu wecken, wenn Jessica Eichhorn wieder einmal von furchtbaren Alpträumen gequält wird. Der Lernprozess ist für den Hund deshalb so schwierig, weil er einen Menschen durch dessen Geruch als schlafend wahrnimmt. Im Schlaf schüttet der menschliche Organismus andere Hormone aus als im Wachzustand. Max weiß, dass er sein Frauchen Jessica normalerweise nicht wecken darf, wenn sie schläft. Jetzt muss er lernen, sie anzustupsen, wenn er Geräusche hört, die nicht zur normalen Schlaf-Ruhe passen.

Noch etwa ein Jahr wird Max wöchentlich zwei Ausbildungseinheiten mit seiner Trainerin absolvieren. Dann hat er das gesamte Pensum gelernt, das ein Assistenzhund können muss. "Er wird aber bis zum Ende seines Lebens immer weiter lernen", betont seine Trainerin. Wie bei den Menschen. Die müssen auch immer weiter lernen. Der Hund macht das gemeinsam mit seinem Frauchen. "Wer Jessica vor einigen Jahren erlebt hat und sieht, wie es ihr jetzt geht, der sieht hier einen ganz anderen Menschen", sagt Ralf Renner, ein langjähriger Bekannter der Altdorferin. Einfach wunderbar sei es, was Max bewirkt habe. Dem stimmt auch Petra Meier zu, die Jessica Eichhorn schon lange kennt und sie jetzt dazu bewogen hat, bei den Wallensteinfestspielen mitzumachen – und Max dabei mit einzubinden.

"Fast wunschlos glücklich"

Die Ausbildung des jungen Hundes kostet mehrere tausend Euro. Als wir im vergangenen Jahr über Jessica Eichhorns Wunsch geschrieben haben, ihren jungen Hund zum Assistenten ausbilden zu lassen, spendeten Leser spontan rund 150 Euro. Damit konnten gerade einmal drei Ausbildungsstunden bezahlt werden. Dann wurden die Altdorfer Lions auf den Fall aufmerksam. Lions-Mitglied Volker Deeg, ehemaliger Leiter des Wichernhauses und inzwischen einer der Geschäftsleiter der Rummelsberger Diakonie, kennt Jessica Eichhorn noch von deren Tätigkeit im Wichernhaus. Er freut sich deshalb besonders über den Beschluss seiner Lions-Freunde, 2500 Euro für die Ausbildung von Max zur Verfügung zu stellen.

Irgendwie kann Jessica Eichhorn es noch nicht so recht fassen, dass jetzt alles so gut geklappt hat mit der Ausbildung von Max und dass sich ihr Hund so gut entwickelt hat. Alles in allem sei das eine ganz tolle Sache, sagt sie, damit sei sie wunschlos glücklich, oder fast wunschlos glücklich. In Altdorf gibt es nämlich Läden und gastronomische Betriebe, die sie mit Max nicht betreten darf. Aber wenn ihr Hund draußen bleiben muss, dann gilt das auch für sie. 

Alex Blinten

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