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Familie Riedner erhält mittelfränkischen Denkmalpreis

Alte Gaststätte in Altdorf ist schon seit 1874 in Familienbesitz - 08.03.2017 05:56 Uhr

Florian Riedner, Juniorchef des Roten Ross, hat sich über der Gaststätte seine Traumwohnung eingerichtet. © Martin Müller


Architekt Erwin Pröpster staunt noch immer über die Beharrlichkeit, mit der das Rote Ross am Altdorfer Marktplatz seinen Platz behauptet hat. Obwohl die oberen Stockwerke schon 1648 aufgesetzt wurden, obwohl die unteren Etagen schon im 16. Jahrhundert entstanden. Vor allem aber: Obwohl im zweiten Stock tragende Stützen völlig fehlten.

"Wir dachten ja eigentlich, die Stützen seien in den Mauern versteckt. Doch als wir dort nachgesehen haben, war da nichts", erzählt Pröpster. "Eigentlich konnte es nicht halten - und doch hat es über Jahrhunderte gehalten", wundert sich der Architekt. Die Holzbalkendecke endete einfach dreißig Zentimeter vor den Mauern, war quasi freischwebend.

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So schön sind die Denkmäler im Bezirk Mittelfranken

Jedes Jahr prämiert der Bezirk Mittelfranken historische Häuser, die besonders schön und denkmalgerecht restauriert wurden. Auch in diesem Jahr sind wieder einige Schmuckstücke dabei: aus den Landkreisen Roth, Nürnberger Land, Weißenburg-Gunzenhausen, den Städten Schwabach, Erlangen, Nürnberg und den Landkreisen Ansbach, Erlangen-Höchstadt und Neustadt/Aisch-Bad Windsheim.


Als Florian Riedner, der sich mit seiner Mutter die Serviceleitung der Gaststätte teilt, die Etage ausbauen wollte, hagelte es eine böse Überraschung nach der anderen: Die Balken waren morsch, über 100 Jahre alte Wasserschäden tauchten ebenso auf wie gewaltige Risse in den Wänden, die Statik war quasi nicht vorhanden. 

Schnell war klar: So konnte es nicht bleiben. Und schnell war auch klar: Die Riedners würden das Projekt selbst anpacken, auch wenn der Umbau ein Vielfaches des ursprünglich eingeplantes Geld verschlingen sollte. Ein Verkauf stand nicht zur Debatte. Schließlich ist das Haus schon seit 1874 in Besitz der Familie, schließlich ist die Gaststätte die Lebensgrundlage der Familie.

Gaststätte weiter in Betrieb

Fast drei Jahre dauerte der Umbau. Die Gaststätte war während des Baus weiter in Betrieb, doch die Sommerterrasse am Marktplatz musste einem großem Baukran weichen, die Gäste mussten durch einen Brettertunnel gehen, um in die Stube zu gelangen. Viele Streitgespräche mit dem Landesamt für Denkmalpflege waren nötig, etwa um eine große Fensteröffnung zur Hofseite für eine Loggia mit Wintergarten einbauen zu können. Heute hat Riedner eine moderne, helle Wohnung mit offener Küche, riesigem Wohnraum und Fußbodenheizung. 

Für die vorbildliche Sanierung des Denkmals werden die Riedners am Freitag vom Bezirk Mittelfranken ausgezeichnet – als eines von 53 Projekten in diesem Jahr. "Das freut uns enorm, das ist eine schöne Anerkennung, vor allem auch für die Handwerker und den Architekten", meint Florian Riedner.

Unter den Preisträgern sind in diesem Jahr auch die ehemalige Synagoge in Ottensoos, das Langhaus der Burg Hohenstein oder Schloss Ratibor in Roth. Schon zum 41. Mal hebt der Bezirk in dieser Weise besondere Sanierungsprojekte hervor. Geldpreise gibt es dabei zwar nicht, doch für die Prämierten ist es dennoch eine besondere Ehre, mit ihrem vorbildlichen Umgang mit dem historischen Erbe werben zu können.  

Martin Müller

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