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Familie Schmidt aus Leinburg hat 100 Milchkühe, 250 Schweine und 350 kleinteilige Flurstücke. Damit ist der Schmidtsche Hof einer der ganz großen im Landkreis Nürnberger Land und „ein Vorzeigebetrieb“, sagt Günther Felßner, Präsident des Bayerischen Bauernverbandes Mittelfranken und selbst Landwirt. Im Jahr 1996 bauten die Schmidts einen neuen Kuhstall, einen sogenannten Laufstall. Die alten Exemplare, in denen die Rinder angebunden waren, werden heute nicht mehr gebaut, erklärt Landwirt Siegfried Schmidt. Auf den modernen Stall sind er und seine Familie stolz. Die Tiere haben nun Auslauf, können frei entscheiden, ob sie stehen, liegen oder laufen wollen.
Der Chip am Hals der Kuh liefert der Melkmaschine außerdem wichtige Infos über Futter und abgegebene Milchmenge jedes einzelnen Tieres. 1500 Liter der weißen Flüssigkeit produzieren die Tiere täglich. Familiär und fast niedlich wirkt diese Zahl im Vergleich zu den Megahöfen in Deutschlands Norden.
Doch Größe hin oder her: Der Schmidtsche Betrieb ist ein Teil der verstrickten, komplizierten und weltumspannenden Maschinerie der Landwirtschaft. Die Globalisierung hat das Geflecht nur noch engmaschinger anwachsen lassen. Die Verbraucher haben längst den Überblick verloren. Auch die Konsumenten im Nürnberger Land treiben die großen Fragen um: Wird für unser Fleisch der Regenwald abgeholzt? Ist es ethisch vertretbar, Getreide für den Tank herzustellen, obwohl fast eine Milliarde Menschen Hunger leiden?
Dass Fleischkonsum dem Klima schadet, davon sind immer mehr Deutsche überzeugt und streichen deshalb Schwein, Rind und Huhn von ihrem Speiseplan. Das sei völliger Quatsch, sagt Bauernfunktionär Felßner. Zwar stoßen besonders Rinder eine hohe Menge des gefährlichen Co2 aus, doch das Hauptfutter der Tiere ist Gras. „Wird dieses nicht gefressen, verfault es auf der Wiese – und erzeugt ebenfalls Co2“, erläutert der Diplom-Agraringenieur.
Überhaupt sei die Fleischerzeugung eine, wenn nicht die wichtigste Säule der fränkischen Landwirtschaft. Darauf können und wollen die Landwirte nicht verzichten. In der Fachwelt spricht man von „Veredelung“, wenn die Erträge von den Feldern als Futtermittel eingesetzt werden. Das hat rein wirtschaftliche Gründe: Fleisch bringt im Handel mehr Geld als Getreide oder Salat. „Es gibt keinen Landkreis in Bayern, der kleinstrukturierter ist als der des Nürnberger Landes“, sagt Felßner.
Eine kostengünstigere Massenproduktion von Getreide und Feldfrüchten sei nicht möglich, wenn die kleinen Höfe erhalten bleiben sollen. „Sonst müssten wir ein Drittel der Betriebe zu machen. Das ist der falsche Weg“, sagt Felßner.
Die Bauern sind deshalb von der Veredelung abhängig – und von Ausgleichszahlungen der EU für landwirtschaftlich benachteiligte Gebiete. Die Mitglieder des Bauernverbandes halten die Zuschüsse für zu gering. Zwischen 30 und 60 Euro erhalten die Bauern pro Hektar. „Damit können wir nur einen Teil der Kosten decken“, so Felßner. Sein Verband fordert deshalb zwischen 50 und 100 Euro pro Hektar.
Klimakiller sind aber nicht nur die Abgase der Kuh, sondern oft auch das Schweinefutter: Denn das eiweißhaltige Soja stammt meist aus Teilen der Erde, wo für den Anbau der klimaschützende Regenwald abgeholzt wird. Auch im Futter der Schmidtschen Schweine steckt ein Anteil Soja. „Bislang gibt es keine Alternative dazu“, sagt Felßner. Das Eiweiß bezieht Landwirt Schmidt von einem Zulieferer. Ob dafür der Regenwald brennt, kann er nicht sagen.
Bei der Debatte um Tank oder Teller, sehen die Mitglieder des Bauernverbandes die Landwirte nicht in der Pflicht. „Der Hunger auf der Welt ist ein Problem der Weltpolitik, nicht der Agrarpolitik“, sagt Felßner. Schließlich gebe es genügend Mengen an Getreide, das Problem liege in der Verteilung. Nahrungsmittel für die Zapfsäule stellt für ihn keinen Konflikt da, schließlich ist die Energiewende eine zentrale Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Felßner ist überzeugt: Die moderne Landwirtschaft kann Tank, Trog und Teller füllen.
Er und die anderen Landwirte hoffen deshalb auf ein Umbesinnen vieler Vegetarier. Schließlich sei das Fleisch von mittelfränkischen Höfen eines der besten: Moderne Tierhaltung und kleine Höfe. Außerdem ist das deutsche Arzneimittelgesetzt eines der strengsten der Welt. Die Tiere sind gesund, auch ohne den Einsatz von Antibiotika. Von Fleischverzicht hält der Franke deshalb wenig: „Fleisch gehört zur artgerechten Ernährung des Menschen.“


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