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Gemeinderat will keine Gratis-Stromtankstelle in Ezelsdorf

Angebot eines privaten Solaranlagen-Besitzers stieß auf viel Skepsis - 09.01.2018 15:11 Uhr

Andreas Haehnel hat so viel Strom, dass er seine beiden E-Autos parallel an der Station am Carport aufladen kann. © Alex Blinten


Andreas Haehnel ist enttäuscht. Strom wollte er verschenken, frisch gezapft von der Photovoltaikanlage auf dem Dach seines Hauses, als "Tankfüllungen" für Elektroautos. Daraus wird nun nichts.

Der Grund: Den Bürgervertretern missfällt der Standort. Dieser ist für den Gemeinderat zu weit weg vom Schuss. Lieber wäre dem Gremium für eine zweite Elektro-Ladestation ein in der Gemeinde zentraler gelegener Standort. Die derzeitige Station am Rathaus hat den Nachteil, dass hier die Ladezeit für Fahrzeuge – abhängig von deren Batteriegröße – bis zu vier Stunden und mehr beträgt.

Haehnel hatte für Ezelsdorf angeboten, eine Schnell-Ladestation vor seinem Anwesen zu installieren. Die Gemeinde sollte die Kosten in Höhe von 18 969 Euro übernehmen, bekäme dafür aber rund 6000 Euro Zuschuss. Den Strom für die Station hätte Haehnel kostenlos zur Verfügung gestellt. In ein paar Jahren, so seine Rechnung im Burgthanner Umweltausschuss, hätte sich die gemeindliche Investition amortisiert.

103 Solarmodule auf dem Dach

Woher der Ezelsdorfer so viel Gratis-Strom hat? Den produziert das Solarkraftwerk auf seinem Haus, mit über 100 Modulen auf dem Dach immerhin eine der größten privaten Anlagen weit und breit. Seit 2013 erzeugt die Photovoltaik-Anlage Strom, an guten Tagen bis zu 170 Kilowatt und damit weit mehr, als die Haehnels selbst verbrauchen. Gespeichert wird der erzeugte Strom in vier Lithium-Batterien im Keller, jede mit einer Speicherkapazität von 33 Kilowatt. Das reicht aus, problemlos die beiden Elektro-Autos des Ehepaars parallel aufzuladen.

Dass sein Angebot von den Bürgern nicht angenommen würde, weil Ezelsdorf nur an der Peripherie der Gemeinde liegt, halten ihm nun diejenigen vor, die das ganze kritisch sehen. Aus Sicht des Ezelsdorfers Andreas Haehnel spielt es allerdings keine Rolle, wo sich die Tankmöglichkeiten für E-Autos befinden. Deren Fahrer seien ohnehin gut vernetzt und würden die Stationen anfahren, die am schnellsten laden.

Keinen Präzendenzfall schaffen

Dabei weist Haehnel darauf hin, dass Burgthann mit dem Bau der Schnellladestation eine Vorreiterrolle übernommen hätte. Ob die Elektro-Mobilität nämlich mit konventionellen Ladestationen den lange erhofften Durchbruch schafft, ist fraglich. Wer wartet schon mehrere Stunden, bis sein Auto getankt ist? Nur Fahrzeuge mit kleineren Batterien lassen sich schneller laden, die haben dann aber auch eine geringere Reichweite. Ein Auto mit einer größeren Batterie etwa muss dementsprechend länger an der Station hängen.

Weil im Fuhrpark der Burgthanner Gemeindeverwaltung auch ein elektrisch betriebener BMW i3 fährt, hatte sich Haehnel eigentlich Rückenwind für sein Vorhaben aus dem Rathaus versprochen. Doch Bürgermeister Meyer war von Beginn an skeptisch. Er gab zu bedenken, dass es gar nicht so einfach sei, einen entsprechenden Vertrag mit dem Ezelsdorfer Bürger zu formulieren.

Was würde beispielsweise geschehen, wenn Haehnel einmal wegzieht? Gibt der Nachfolger dann den Strom vom Dach auch kostenlos her? Muss die Stromtankstelle wieder abgebaut werden? Peter Müller (CSU) warnte im Umweltausschuss davor, einen Präzedenzfall zu schaffen, wenn man auf Haehnels Angebot eingehe.

Mit Solarmodulen wie diesen kann jeder selbst Strom herstellen. Pläne eines Ezelsdorfers, seinen Solarstrom kostenlos abzugeben, sind nun vorerst gescheitert. © dpa


Im Landkreis gibt es derzeit 25 Tankstellen für Elektroautos, im Verbreitungsgebiet des Boten vier, jeweils eine in Altdorf, Feucht, Schwarzenbruck und Burgthann. In Winkelhaid und Leinburg sind die Verwaltungen mit den dortigen Energieversorgern im Gespräch. Innerhalb der kommenden Monate sollen auch hier Stationen installiert werden. In Feucht sollen drei weitere E-Tankstellen zur bestehenden am Kirchweihplatz dazu kommen, darunter eine in Moosbach.

Auch in Altdorf planen die Stadtwerke weitere drei Stationen innerhalb des Stadtgebiets. Die Standorte werden noch mit der Stadtverwaltung abgestimmt. Alle bestehenden und jetzt geplanten Stationen sind allerdings konventionelle E-Tankstellen. Schnell-Ladestationen gibt es im südlichen Nürnberger Land nur an den Autobahnraststätten Feucht-Ost und Feucht-West an der A 9.

Der Antragsteller gibt nicht auf

Andreas Haehnel will nach der Ablehnung durch den Gemeinderat nicht aufgeben und noch einmal das Gespräch mit Bürgermeister Heinz Meyer suchen. Der Öffentlichkeit bietet er an, sich jederzeit nach telefonischer Voranmeldung unter 09188/599 3355 seine Photovoltaikanlage und seine heimische Stromtankstelle anzuschauen.

Strom selbst herstellen, sich unabhängig machen von den Versorgern, das ist für Andreas Haehnel nicht nur ein Hobby, es ist für den in der Verwaltung der Tucher-Brauerei beschäftigten Ezelsdorfer eine Leidenschaft, die ihn nicht mehr loslässt. Dazu gehört auch, andere Menschen von den eigenen Ideen zu begeistern, zum Beispiel die Handwerker, die bei ihm daheim alle Anlagen installierten und immer wieder Bedenken anmeldeten. So wie jetzt der Burgthanner Gemeinderat, als es um den Bau der Schnell-Ladestation im Sankt-Rupprecht-Ring ging. 

Alex Blinten

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