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Wenn in Zeiten wie diesen eine Internet-Beziehung beginnt, bangen normalerweise zwei hoffnungsfrohe Liebeshungrige in ihren einsamen Kämmerchen. Ganz anders in Burgthann: 190 Schüler sitzen gespannt in der Aula der Mittelschule, lauschen feierlich den Hymnen von Frankreich, Deutschland und der EU und blicken auf die prächtig mit Fahnen geschmückte Bühne.
Auch hier startet an diesem Jahrestag des Elysée-Vertrags eine Internetbeziehung: Als auf einer großen Leinwand Schüler des Collège Louis Timbal in Châteauponsac erscheinen, mag das für manch einen ein ähnlich großer Moment sein, wie die ersten Bilder der aktuellen Mars-Sonde Curiosity.
„Wir sind glücklich, euch als Freunde haben zu dürfen. Wir freuen uns schon auf euren Besuch im Mai“, übermitteln die französischen Schüler begeistert ihren deutschen Altersgenossen. Fröhlich schwenken sie Fahnen der beiden Nationen.
Das Pathos der Berliner Feierlichkeiten ist diesem Festakt trotzdem fremd. In Châteauponsac stehen an diesem Tag kein Ministerrat und keine gemeinsame Parlamentssitzung auf dem Stundenplan, sondern etwas viel Grundlegenderes: „Deutsches Frühstück mit Wurst und Käse.“
„Das klingt überhaupt nicht spektakulär. Aber für die Franzosen ist das etwas ganz Besonderes“, meint der Burgthanner Lehrer Thorsten Reinhard. So viel Zeit sich die Einwohner der Grande Nation sonst beim Essen nehmen, so gerne sie mittags in der Schulkantine drei oder vier Gänge genießen — morgens werde höchstens ein Croissant in den Kakao getunkt.
Auch in Burgthann wartet ein französisches Buffet mit Quiche, Baguette und Mousse au Chocolat auf die Gäste, doch zuerst muss an der Beziehung gearbeitet werden. Bürgermeister und Schulleiter finden dafür herzliche, ungezwungene Worte — schließlich kennt man sich seit vielen Jahren.
Die Partnerschaft der Gemeinden Burgthann und Châteauponsac besteht seit dem 4. August 1989. Etliche enge Freundschaften haben sich seither über 1010 Kilometer hinweg entwickelt. Viele Beteiligte treffen sich auch individuell mehrmals im Jahr. „Vor allem von den Weihnachtsmärkten sind viele Franzosen begeistert“, sagt die Burgthanner Partnerschaftsreferentin Heike Bäumler.
Lebkuchen und Bratwürste lieben die französischen Nachbarn. Ganz anders die Kartoffelklöße. Die werden meist radikal verschmäht und unrühmlich als „pommes de terre élastiques“ tituliert. Auch mit solchen Herausforderungen muss eine Beziehung klarkommen.
Und das tut sie: Jedes Jahr besuchen sich abwechselnd Reisegruppen aus den Partnergemeinden und kommen bei Gastfamilien unter. „Einen Bus bekommen wir immer voll“, erzählt Heike Bäumler. Wie groß allein der harte Kern ist, zeigt sich schon in den 80 Mitgliedern des Partnerschaftsvereins.
Dabei kannten die deutsch-französischen Beziehungen in 2000 Jahren fast nur schlechte Zeiten, wie die Burgthanner Schüler in einem Vortrag veranschaulichen. Für den Neuanfang sorgen sie selbst: Seit 1992 lernen sie dank des Schüleraustausches zwischen Burgthann und Châteauponsac das Leben im Nachbarland kennen. Wie in jeder guten Beziehung, verstehen sich die Partner ohne viele Worte: Französisch wird an der Mittelschule nicht gelehrt. Die Schüler verständigen sich auf Englisch.
Viele Burgthanner Schüler haben ihre französischen Altersgenossen an diesem 22. Januar allerdings zum ersten Mal gesehen. Für sie beginnt diese Beziehung erst. Aber auch sie werden daran arbeiten, dass aus der Internetliebe bald eine richtige wird.


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