Donnerstag, 15.11.2018

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Keine Aussicht auf Lärmschutzwand am St. Ruprecht-Ring

Ortsbild wichtiger als Lärmschutz - Ernüchternde Antwort des Bauamts - 14.08.2017 14:27 Uhr

Die Staatsstraße an der Abzweigung nach Grub zur Rushhour. Gemütlich im Garten sitzen ist für die Anlieger linkerhand der Straße nicht mehr möglich. © privat


Andrea Thema und ihr Mann, Giselher Scheicher, sitzen in ihrem Garten am St. Ruprecht-Ring und unterhalten sich über die Lärmproblematik auf ihrem Grundstück. Eigentlich müssten sie gar nicht viel erklären – allein die Tatsache, dass sie immer wieder ihre Stimme erheben oder gar mit dem Reden pausieren müssen, wenn wieder Fahrzeuge vorbeirauschen, sagt alles. Schon vor über einem Jahr fragten sie beim Gemeinderat nach, ob es nicht eine Möglichkeit zur Errichtung einer Lärmschutzwand gibt. Im Bauamt wurde ihnen im Gespräch mitgeteilt, dass dies aufgrund einer existierenden Satzung nicht möglich ist.

Dennoch hatten sie immer noch Hoffnungen gehegt, sie dürften auf ihrem Grundstück auf eigene Kosten einen Lärmschutz anbringen, weil sie noch keine schriftliche Ablehnung ihres Antrags erhalten hatten. Nun bekamen sie eine Antwort, nach einer Lösung für ihr Problem sieht es allerdings nicht mehr aus. Als sie vor elf Jahren hier bauten, war der Verkehr noch erträglich. Man habe das sehr genau geprüft, bevor der Grund gekauft wurde, erklärt Giselher Scheicher. Doch im Laufe der Jahre habe sich nicht nur die Anzahl der zugelassenen Fahrzeuge erhöht, sondern auch die Art ihrer Motorisierung verändert, vor allem durch die Zunahme der beliebten SUVs.

Fahrzeuge beschleunigen heftig

Weiter zugenommen hat seiner Ansicht nach der Verkehr, seit im Industriegebiet der große Verbrauchermarkt errichtet wurde. Da das Ehepaar unmittelbar am Ortsende Richtung Schwarzenbach wohnt und der kleine Garten auf die Staatsstraße hinausweist, hält sich das Vergnügen, an warmen Tagen auf der Terrasse zu sitzen, in Grenzen, besonders zur Rushhour. Da helfen auch die dichte Bepflanzung an der Grundstücksgrenze und eine Verkehrsinsel nach dem Ortsende nichts. Hinzu kommt, dass viele Fahrzeuge schon ortsauswärts heftig beschleunigen, sobald das Ortsschild sichtbar ist.

"Auch der Anstieg nach Grub an der uns gegenüber liegenden Abzweigung erfordert ein kräftigeres Durchtreten des Gaspedals als normal notwendig", schrieben sie an Burgthanns Gemeinderäte und den Bürgermeister, und ebenso, dass sie feststellen mussten, dass die Straße wegen ihrer Serpentinen eine Lieblingsstrecke von Motorradfahrern ist, die oft im Pulk von 20 und mehr Teilnehmern lautstark unterwegs sind. Aus diesem Grund erkundigten sie sich, wie man den von der Straße kommenden Lärm eindämmen kann und dachten dabei an Lärmschutzmaßnahmen, wie sie in anderen Orten gang und gäbe sind. Dem steht in Burgthann aber die Satzung über Einfriedungen der Grundstücke aus dem Jahr 1983 entgegen, die sich allerdings mehr an der Wahrnehmung des Ortsbilds orientiert. Aus der Sicht von Scheicher und Thema müsste die Satzung aber im Hinblick auf Lärmschutz erweitert werden.

Antwort des Bauamts

Um hier Unterstützung vom Gemeinderat zu erreichen, schickten sie an jeden aus dem Gremium und an Bürgermeister Heinz Meyer ihren Antrag auf Änderung der Satzung, die ihrem Ansinnen im Weg steht. Doch von den Reaktionen der Gemeinderäte sind Scheicher und Thema enttäuscht. Von etlichen, auch vom Bürgermeister oder einer zuständigen Fachstelle der Verwaltung hörten sie zunächst nichts.

Nun kam eine Reaktion vom Bauamt, an das der Bürgermeister ihr Schreiben weitergeleitet hatte. Auch eine Änderung der Satzung wäre nicht ausreichend, um Lärmschutzmaßnahmen durchzuführen, versichert Bauamtsleiter Roland Schmucker. Es müsste der Bebauungsplan geändert werden - ein größeres Verfahren, auf das in diesem Fall keine Aussicht besteht. Da sich das Paar persönlich im Rathaus erkundigt und man ihm die Rechtslage dargelegt habe, sei man wohl davon ausgegangen, dass für die beiden die Angelegenheit erledigt sei.

Aus diesem Grund wurde schließlich eine schriftliche Stellungnahme zum Antrag versäumt, was nun aber nachgeholt wurde. Am Kern der Sache werde sich aber nichts ändern, betonte Schmucker.

"Nur grüne Zäune"

Für die späte schriftliche Reaktion entschuldigte sich das Bauamt und legte noch einmal dar, dass im geltenden Bebauungsplan für das Grundstück geregelt sei, dass zum Außenbereich hin "nur grüne, kunststoffummantelte Zäune, welche in eine Pflanzung integriert sind, zulässig sind." Da Scheicher und Thema auch erwogen hatten, den Grünstreifen zwischen ihrem Grundstück und der Staatsstraße zu erwerben, um gegebenenfalls darauf eine Lärmschutzwand auf eigenen Kosten zu errichten, bezog sich Schmucker in seinem Schreiben auch darauf. Auch diese Grünlandfläche sei ein Bestandteil des Bebauungsplans. "Eine Veräußerung des gemeindlichen Grünstreifens wird derzeit nicht in Erwägung gezogen", heißt es in der Mitteilung.

Zufrieden sind die Ezelsdorfer mit der Antwort natürlich nicht. Sie sind der Meinung, die Gemeinde habe auch eine gewisse Fürsorgepflicht, was den Gesundheitsschutz ihrer Bürger angeht, und dass Lärm gesundheitsschädigend ist, sei erwiesen. 

Gisa Spandler

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