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N-Ergie baut Solaranlage auf Diepersdorfer Kläranlage

Gemeinderatssitzung beschloss Konzept für Photovoltaikanlage - 12.04.2017 13:46 Uhr

Auf den Dachflächen der Kläranlage wird sie errichtet, die Photovoltaikanlage, die im Jahr 32.321 kWh von 283.764 benötigten kWh erzeugt. © Hornung


Gegen vier Stimmen aus den Reihen der SPD-Fraktion wurde dies so beschlossen, nachdem der Geschäftsführer der Firma, Florian Betzold, das Konzept im Gremium vorgestellt hatte.

Vorgesehen ist eine eher kleine Anlage wegen der begrenzt zur Verfügung stehenden Flächen, erklärte der Fachmann, die auf 225 Quadratmetern entstehen wird, 140 Photovoltaik-Module enthält und 36,4 kWp (Kilowatt peak) erzeugt. Wichtig sei hier, dass der erzeugte Strom auch tatsächlich für den Eigenverbrauch vorgesehen ist.

Im Hinblick auf die angestrebte Energiewende warb Betzold für diese Art der einfachen, günstigen und grünen Stromerzeugung, bevor er auf das Geschäftsmodell und die technischen Daten einging. Der Vorteil sei die Stromquelle vor Ort, die den teuren Transport überflüssig mache, so der Fachmann, und die Entwicklung weg von zentraler hin zu dezentraler Stromerzeugung vorantreibe.

Vertragslaufzeit von 18 Jahren

Den Vorteil dieses Geschäfstmodells formulierte Betzold so: "Wir stellen Ihnen eine Photovoltaikanlage zur Verfügung, mit der Sie Ihren eigenen Strom produzieren können. Sie zahlen der N-Ergie Solarstrom über die gesamte Laufzeit eine monatliche Pacht. Die Höhe der Pacht ist abhängig von der Anlagengröße, Ihrem Strompreis und der Eigenverbrauchsquote Die Vertragslaufzeit beträgt 18 Jahre, eine Einmalzahlung zu Vertragsbeginn fällt nicht an."

Einer der Vorteile dieses Modells ist, dass die Gemeinde nichts mit dem Objekt zu tun hat, die N-Ergie tritt als Investor auf, der sich von der Planung über die Errichtung bis zum Betrieb und Unterhalt kümmert. Zudem ist von Vorteil, dass der erzeugte Strom direkt wieder an Ort und Stelle verbraucht wird, was die Netze entlastet. Denn die Nutzung der Stromautobahnen macht die Energie erst richtig teuer.

Auch in punkto Rentabilität gebe es laut Betzold nur Vorteile: "Konstant niedrige Eigenerzeugungskosten steigern die Wirtschaftlichkeit des Eigenverbrauchs durch die Unabhängigkeit von künftig steigenden Strompreisen", denn ein Ende der steigenden EEG-Umlage sei nicht absehbar. Planungssicherheit bestünde durch die langfristig kalkulierbaren Energiekosten ohne jede Eigeninvestition: "Sie müssen weder Fremd- noch Eigenkapital für die PV-Anlage aufwenden." So sei ab dem ersten Tag mehr Liquidität durch die geringeren Energiekosten gegeben. Mietzahlung bleibt konstant

Autarkiegrad von 11,2 Prozent

Wird weniger Strom erzeugt, als im Betrieb benötigt, wird die Differenz wie gehabt aus dem Netz bezogen, wird mehr gewonnen, wird er automatisch in das Stromnetz eingespeist und nach dem EEG vergütet. Als großen Vorteil pries Betzold die Tatsache, dass die Mietzahlungen konstant über die 18 Jahre erfolgen und so absolut berechenbar sind. Der Geschäftsführer von N-Ergie Solarstrom nannte weitere Zahlen: Sollte sich der Strompreis über die 18 Jahre Laufzeit nicht verändern, spart man in dieser Zeitspanne 19.874 Euro, sollte er steigen, ist je nach Preissteigerung eine noch wesentlich höhere Ersparnis möglich, ein Berechnungsmodell sieht 58.848 Euro in den 18 Jahren vor. Bei einem jährlichen Strombedarf von 283.764 kWh und einer jährlichen Erzeugungsmenge durch die PV-Anlage von 32.321 kWh lässt sich ein Autarkiegrad von immerhin 11,2 Prozent errechnen.

Matthias Hummel (SPD) fragte in der anschließenden Diskussion nach der Vertragslaufzeit. Die müsse aus steuerrechtlichen Gründen auf 18 Jahre festgelegt werden, antwortete Betzold. Mehr noch interessierte den SPD-Fraktionschef, was passiert, wenn die Anlage ausfällt. Mit dem Partner der N-Ergie, der für die Betreuung zuständig ist, habe man 48 Stunden maximale Reparaturzeit vereinbart, informierte der Experte. Ihre Techniker seien zwar nicht die preisgünstigsten, aber die sichersten, bestätigte er, Ausfallzeiten seien zu vernachlässigen.

Mögliches Sinken der Strompreise ist Risiko

Sorgen machte Hummel auch das Risiko, das man als Kommune trage, wenn der Strompreis sinkt und man den konstanten zahlen muss. Aus diesen Gründen schlug er vor: "Es wäre günstiger, wenn wir es selber machen, zumal man Geld derzeit günstig bekommt." Dass der Strompreis fällt, hält Betzold für relativ unwahrscheinlich. Sollte die Gemeinde die Realisierung der Anlage auf eigene Verantwortung durchziehen, so werde das zwar etwas günstiger, aber dann müsse sich eben auch die Gemeinde um den Betrieb kümmern.

Konrad Ringel, der CSU-Fraktionschef, schlug vor, auf das Angebot der N-Ergie einzugehen. "Wenn wir es selber machen, können wir erst in den nächsten Haushalt Gelder einstellen", warnte er und sprach von einem "guten Modell".

Richard Kohler (FWG) sah das ähnlich, wollte aber wissen, wie hoch der Arbeitsaufwand sei, wenn man die Durchführung mit der Gemeinde bevorzugt. Auch in diesem Fall könne man viel an Externe vergeben, fand Bürgermeister Joachim Lang, aber die müssten ja alle bezahlt werden.

Zweiter Bürgermeister Manfred Räbel (SPD) hätte sich ein zweites Angebot gewünscht und wollte von Bauamtsleiter Christian Lades wissen, wie hoch die Ausfallquote der bestehenden PV-Anlage auf der Schule sei, die in der Verantwortung der Schule betrieben wird. Die falle vier bis fünf Mal pro Monat aus und beschäftige so tatsächlich zunächst die Verwaltung, bevor der Fall an die Spezialisten weitergegeben werde, so Lades. Am Ende überwogen für eine Mehrheit der Gemeinderäte die Vorteile des N-Ergie-Modells, für das nun die Verträge ausgearbeitet werden. 

Gisa Spandler

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