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„Sie haben sich um die Stadt Altdorf verdient gemacht“

Hans Recknagel stirbt nach langer Krankheit - 1999 mit Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet - 21.11.2010 15:27 Uhr

Hans Recknagel im Gespräch mit Landesbischof Johannes Friedrich bei dessen Besuch Ende September diesen Jahres in Altdorf. © Märtl


In Anerkennung seiner vielfältigen Verdienste und seines überdurchschnittlichen Engagements für die Kultur und Geschichte der Stadt Altdorf wurde er 1999 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Geboren wurde Hans Recknagel am 8. Mai 1938 in Altdorf. Nach dem Besuch der Oberrealschule in Fürth studierte er von 1957 bis 1963 Germanistik und Theaterwissenschaften an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen.

Nach seiner Tätigkeit als Dramaturg an den Städtischen Bühnen Nürnberg-Fürth und zugleich freier Mitarbeiter beim Studio Nürnberg des Bayerischen Rundfunks (1964 bis 1968) entschied er sich für den Schuldienst an Gymnasien. Der Studiendirektor unterrichtete zunächst am Wolfram von Eschenbach-Gymnasium in Schwabach, ging dann nach Hilpoltstein und von dort an das Leibniz-Gymnasium in Altdorf.

Während seiner schulischen Laufbahn war Recknagel von 1976 bis 1987 Mitarbeiter im Arbeitskreis Ethik am Staatsinstitut für Schulpädagogik in München und in der Regionalen Lehrerfortbildung tätig.

1991 wurde Hans Recknagel als Nachfolger des verstorbenen Konrad Lengenfelder neuer Stadtarchivar von Altdorf. Diese ehrenamtliche Aufgabe war ihm eine Herzensangelegenheit. Unter seiner Führung – und daran arbeitete er mit Akribie und großem zeitlichen Aufwand – festigte das Altdorfer Stadtarchiv seinen ausgezeichneten Ruf als eines der herausragenden Archive in Bayern, dessen wertvolle Exponate, umfangreiche Sammlungen und Raritäten vor allem aus der Zeit der Nürnbergischen Universität Altdorf sein besonderes Augenmerk fanden.

Leidenschaftlicher Archivar

Es war ihm stets eine besondere Freude, wenn er bei der Suche nach alten Dokumenten und Schriften, die in Zusammenhang mit der Geschichte der Stadt Altdorf und der Universität standen, in Antiquariaten, Archiven und Auktionshäuser fündig wurde. Mit der ihm eigenen Hartnäckigkeit und Beharrlichkeit fand er fast immer einen gangbaren Weg, diese Dokumente in den Besitz der Stadt zu bringen.

Und er behielt sein Wissen nicht für sich. Mit vielen Vorträgen, zum Beispiel bei den beliebten Lichtmessgesprächen, aber auch mit zahlreichen Veröffentlichungen in Büchern, Zeitschriften und in der Heimatzeitung „Der Bote“, der er als Autor historischer Beiträge stets verbunden war, profilierte er sich als intimer Kenner der Materie, dem es in seiner unnachahmlichen Art stets gelang, das Geschichts- und Heimatbewusstsein weiter Bevölkerungskreise zu wecken. Bei Empfängen der Stadt Altdorf für Gäste aus dem In- und Auslang brillierte er mit interessanten und lebendigen Beiträgen zur Geschichte der Stadt.

Ohne Hans Recknagel würde es das Altdorfer Universitätsmuseum nicht geben. Er entwickelte nicht nur das Konzept für Aufbau und Gliederung, sondern bereitete selbst in mühevoller Kleinarbeit die entsprechenden Ausstellungsstücke vor und initiierte zahlreiche Sonderausstellungen. Als es bei der Finanzierung des 1,8-Millionen-Objekts eng wurde war er es, der eine äußerst erfolgreiche Spendenaktion aus der Taufe hob.

Hans Recknagel war ein Mann mit Prinzipien, der von seinem Tun überzeugt war. An Querelen um die Zuständigkeit im Rahmen der Diskussion um eine von ihm erarbeitete Geschäftsordnung für das Museum scheiterte letztendlich die Zusammenarbeit. Im Dezember 2000 trat er von seinen Ehrenämtern als Stadtarchivar und Betreuer des Universitätsmuseums zurück. Dieser unumstößliche Schritt wurde allgemein bedauert. Rainer Pohl, damals 1. Bürgermeister, dankte Recknagel ausdrücklich für das langjährige große Engagement. „Sie haben sich um die Stadt Altdorf verdient gemacht“, schrieb er damals.

Recknagel blieb seiner Passion treu. Auch ohne Titel und Ehrenamt forschte er eifrig weiter, hielt Vorträge und konzipierte Ausstellungen, wie zum Beispiel beim Jubiläum der Laurentiuskirche.

Auf die Initiative von Hans Recknagel geht auch die Gründung des Leibniz-Fördervereins und des Leibniz-Forums anlässlich des 350. Geburtstages von Gottfried Wilhelm Leibniz zurück, der 1666 als 20-Jähriger an der Universität Altdorf zum Doktor der Mathematik und Philosophie promoviert hat. In zahlreichen Veröffentlichungen und Büchern, die sich mit der Geschichte der Stadt Altdorf und der Universität befassen, hat sich der Verstorbene einen Namen gemacht, zuletzt mit der Herausgabe der Altdorfer Häuserchronik, zusammen mit seiner Frau Erika. Ein Werk konnte er leider nicht mehr vollenden: das Buch über die Geschichte unserer Zeitung. Es sollte zum Jubiläum im letzten Jahr erscheinen, was aber durch Recknagels Erkrankung nicht realisiert werden konnte.

Die Beerdigung von Hans Recknagel ist am 23. November um 14 Uhr auf dem kirchlichen Friedhof in Altdorf. 

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