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Therapiehunde nehmen Flüchtlingskindern die Angst

Tierischer Unterricht mit Patricia und Elaine - Umgang Vierbeinern - 20.04.2017 12:59 Uhr

Susanne Rehn (rechts) zeigt auch anhand von Bildern, was man berücksichtigen sollte, damit sich Hund und Mensch verstehen. Ramsi Ali (2.v.r.) hilft mit Übersetzungen. © Spandler


Zehn Kinder im Kindergarten- bzw. Grundschulalter sitzen im Kreis und lauschen aufmerksam den Worten der Hundetherapeutin Susanne Rehn. In der Mitte liegen zwei große, friedliche Fellknäuele: Elaine und Patricia, ein französischer bzw. ein spanischer Hirtenhund. Mit im Stuhlkreis sind auch Nici Bieber und Ramsi Ali, die immer wieder erklärend oder übersetzend eingreifen, wenn die Buben und Mädchen nicht sofort verstehen, was die Hundespezialistin ihnen vermitteln will. Denn etliche der Kinder aus Syrien oder dem Irak sind erst seit wenigen Wochen im Lande. Trotzdem soll ihnen an diesem Nachmittag ihre Angst vor Hunden genommen werden, die auf Erlebtes in der Heimat zurückzuführen ist.

Die Drei- bis Zwölfjährigen lernen als erstes, wie man sich einem Hund nähert und ihn füttert. Je sicherer die Kinder im Umgang mit den Tieren sind desto weniger Angst werden sie auf lange Sicht haben, weiß Susanne Rehn. Die Zurückhaltung der jungen Asylbewerber kommt vor allem daher, dass sich mitteleuropäische Hunde anders verhalten, als die, denen sie in ihrer Heimat begegnet sind und die aus diesem Grund ein anderes Verhalten erfordern.

Angst vor Hunden in der Heimat

17 Kinder leben derzeit in der Asylbewerberunterkunft im Lärchenweg, und immer wieder hat Nici Bieber eine gewisse Unsicherheit und Zurückhaltung, ja Angst bei ihnen beobachtet, wenn es zu Begegnungen mit Hunden kam. Die Ursachen: Zum einen gelten Hunde im Islam als unrein. Das eigentliche Problem aber ist, dass die Geflüchteten glauben, dass Hunde Menschen fressen. Tatsächlich gibt es in den Bürgerkriegsländern, aus denen die Asylsuchenden kommen, viele herrenlose Hunde, die ausgehungert und daher bissiger sind als andere. Andererseits werden Menschen, die bei Anschlägen verletzt oder getötet wurden, wirklich gebissen und auch gefressen, weil oft aus Sicherheitsgründen die Opfer nicht sofort geborgen werden können. Dann kommen eben die Hunde…

Hier in Deutschland sind die jungen Syrer und Iraker ständig mit diesen Tieren konfrontiert, erklärt Nici Bieber, sie merken aber, dass die "deutschen Hunde" anders ticken. Das macht unsicher.

Vor diesem Hintergrund fand das Treffen mit Hunde-Expertin Rehn statt, zu dem sich zehn Kinder einfanden. Ein paar allerdings haben sich einfach nicht getraut, so nah auf Tuchfühlung mit Patricia und Elaine zu gehen.

"Tierische" Fortbildung

Da es noch nicht allen möglich ist, der Therapeutin und Pädagogin auf Deutsch zu folgen, hat sich der Syrer Ramsi Ali, der vor seiner Flucht in Syrien Lehrer war und mittlerweile auch in den Kindergärten in Oberferrieden und Ezelsdorf arbeitet, angeboten, als Dolmetscher zu fungieren. Das klappt prima, etwa wenn Susanne Rehn erklärt, dass die Hunde gern fangen spielen, aber eben dabei mit den Zähnen zupacken, oder wenn sie zeigt, in welche Richtung man die Tiere bei der Fellpflege bürsten sollte. Mit Feuereifer sind die Kleinen bei der Sache und ein Außerstehender kommt bereits nach einer Stunden nicht mehr auf den Gedanken, dass es sich hier um ängstliche und traumatisierte Kinder handelt. Was natürlich auch an den geduldigen und als geprüfte Therapiehunde ausgebildeten Vierbeinern und an der Erfahrung von Susanne Rehn liegt, die unter anderem als tiergestützte Pädagogin examiniert ist.

Am Ende der abwechslungsreichen "Fortbildung" haben die zehn Jungen und Mädchen genau verstanden, dass sie den Tieren die Leckerbissen nur auf der ausgestreckten Hand zustecken sollen oder dass sie nicht davon laufen dürfen, wenn sie sich nicht an den Fangspielen der Tiere beteiligen wollen. Und etliche haben nicht nur Verhaltensregeln gelernt, sondern auch die beiden tierischen Lehrmeister ganz tief ins Herz geschlossen. 

Gisa Spandler

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