Montag, 24.09.2018

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Wallenstein-Festspiele: Gute Laune bei Hans-Albers-Abend

Duo aus Dirk Witthuhn und Wolfgang Völkl erzählt Biografie nach - 29.06.2018 15:02 Uhr

Kongeniales Duo: Dirk Witthuhn (links) und Wolfgang Völkl führen durch das bewegte Leben Hans Albers. © Mock


Zunächst liegt die Frage nahe: Was hat Hans Albers mit Wallenstein zu tun? Nun, gar nichts. Außer, dass einer der zwei Darsteller ein Urwallensteiner ist: Ein gewisser Wolfgang Völkl betritt die Bühne. Als "Herr Schöngeist", der Engel des UFA Himmels, ist er die instrumentale Instanz des Abends. Mit einem schwungvollen "Hoppla, jetzt komm ich" folgt ihm Dirk Witthuhn und verbreitet gleich bei seinem Auftritt gute Laune.

Albers rettet Altdorf vor Fußball-Frust

Die Mienen des fußballgequälten Altdorfer Publikums hellen sich auf. Mit seinem schütteren blonden Haar und der stattlich-athletischen Statur überzeugt Witthuhn schon rein optisch als Albers. Zusammen erzählen, spielen, singen und tanzen er und Völkl die bewegte Biographie des blonden Hans und nehmen das Publikum mit zu den Schlüsselstellen von dessen Karriere. Wie auf der berühmten Schaukel, auf die Luise kommen soll, geht es immer wieder "mal rauf, mal runter".

Als der Kaiser zum Krieg ruft, verabschiedet sich Witthuhn alias Albers schon einmal vorbeugend von den Zuschauern mit dem bekannten "Goodbye Johnny". Der Gassenhauer ist originell mit Kontrabass und Ukulele instrumentalisiert. Albers wird im Gefecht jedoch nur verwundet und für kriegsuntauglich erklärt. Er kehrt zurück nach Hause zu seinen schlechten Gagen und mitleidigen Bewertungen. Hans Albers sei der "Troubadour des 20. Jahrhunderts", etwas farblos zwar, "aber von gewinnender seelischer Blondheit", schreibt ein Kritiker 1922.

Auftritt Hansi Burg

Erst seine Lebensgefährtin und Managerin Hansi Burg, ebenfalls komödiantisch gemimt von Witthuhn, setzt ihn auf die richtige Spur: Direkt, natürlich, mit dem schnodderigen Ton seines Vaters, des "schönen Wilhelm", solle er spielen. Mit dieser Art wurde "der blonde Hans" zur Marke und zum Volksidol. Völkl und Witthuhn interpretieren seine Lieder, vom berühmten "La Paloma" über Tonfilmschlager wie "Flieger, grüß mir die Sonne" bis zum weniger bekannten "Nic ist braun wie eine Kaffeebohne", mit Witz, Herzblut und sicherem Können. Neben Flügel, Gitarre, Schifferklavier, Ukulele und Kontrabass kommen Trommeln, Rasseln und ein Kazoo zum Einsatz.

Die Darbietung ist nicht nur musikalisch so abwechslungsreich wie hervorragend. Auch die schauspielerische Leistung Witthuhns lässt nichts zu wünschen übrig. Außer Hans und Hansi lässt er auch andere Schauspielgrößen vor den Augen des Publikums auferstehen. Lausejungenhaft schlüpft er in die Rolle Heinz Rühmanns, wird zum raunzenden Hans Moser und lässt Charakterkomiker Theo Lingen über seinen Kollegen Hans Albers zu Wort kommen.

Witthuhn beeindruckt als Goebbels

Sehr beeindruckend imitiert Witthuhn auch Reichspropagandaminister Goebbels, der den "Teufelskerl" Albers am liebsten als strammen Parteianhänger gesehen hätte und ihn stark protegierte. Dieser hält jedoch Distanz zur NSDAP und ist trotzdem einer der beliebtesten und erfolgreichsten Schauspieler seiner Zeit. Die Folgen des Krieges und der NS-Herrschaft kriegt er dennoch zu spüren.

"Ich bin doch der König! Mein Humor war immer mein Zepter, mein goldenes Herz meine Krone", ruft Witthuhn in Anlehnung an Albers Totenrede als verzweifelter Hans der Nachkriegszeit. Er steht inmitten von Trümmern. Im Gedenken an seinen in Theresienstadt gestorbenen jüdischen besten Freund, den Vater von Hansi Burg, stimmt er traurig in Reprise "Goodbye Johnny" an.

Der Kampf gegen die Leber

Bei allem Witz und gelungenem Klamauk der restlichen Vorstellung beleuchten Völkl und Witthuhn in Szenen wie dieser auch feinfühlig die Schattenseiten der großen Karriere Albers: Sie thematisieren sein Alkoholproblem, die damit verbundene Vergesslichkeit, die Morphiumabhängigkeit seiner Lebensgefährtin, seinen der Zeit geschuldeten Chauvinismus.

Zum Schluss gewinnt Albers "den Kampf gegen seine Leber". Der König muss den Platz jüngeren Schauspielern und Sängern wie Peter Alexander räumen. Seine Zeit ist vorbei. Mit einem melancholischen "Und über uns der Himmel" zieht sich Dirk Witthuhn die abgelegte Matrosenjacke an, rückt die Schiffermütze zurecht und geht ab. Der Applaus, der über ihm und Wolfgang Völkl hereinbricht, erschüttert den Saal. Das Publikum verlangt nach mehr und entlässt die beiden Künstler erst nach der zweiten Zugabe.

Hier sind alle weiteren Termine der Festspiele im Überblick. 

Magdalena Mock

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