Mittwoch, 21.11.2018

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Wallenstein-Festspiele in Altdorf sind eröffnet

Alle drei Jahre werden die Festspiele von Ehrenamtlichen gestemmt - 25.06.2018 10:42 Uhr

Beliebtes Fotomotiv am ersten Wochenende: Bürgermeister Erich Odörfer posiert mit einer Festspiel-Delegation aus dem tschechischen Frýdlant. © Geist


Haben die Schweden nun gewonnen? Oder haben Sie sich zurückgezogen und mit einem Unentschieden begnügt? Eigentlich herrschte große Eintracht bei der Eröffnung der Wallenstein-Festspiele im historischen Rathaussaal. Nur bei der Deutung der historischen Ereignisse bezüglich des Fußballspiels am Abend waren sich die Ehrengäste nicht ganz einig.

"In unserem Stück gewinnen ja die Schweden", sagte Festspielvereins-Vorsitzender Ernst Bergmann und schilderte die Zwickmühle, in der er sich befindet. Aufgrund von Terminüberschneidungen wäre es für die Festspiele das Beste, die deutsche Mannschaft scheide in der Vorrunde aus. "Für mich als Fußballfan wäre das natürlich eine Katastrophe." Dann beantwortete er den Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, warum die Festspiele nur alle drei Jahre stattfinden. "Weil wir es nicht öfter können. Die Festspiele sind mittlerweile 400.000 Euro wert und werden immer noch rein ehrenamtlich gestemmt." Diesen Aufwand könne man einfach nur alle drei Jahre bewältigen. Wobei die Vorbereitung natürlich weit vor den ersten Proben beginnt.

Anlässlich des 400. Jahrestags des Ausbruchs des Dreißigjährigen Kriegs stellte Bergmann noch klar: "Es sind Friedensspiele, keine Kriegsverherrlichung. Wir zeigen mit 1200 Mitwirkenden ein Stück Altdorfer Geschichte." In einer Zeit, in der so viele komische Menschen die Welt beherrschten, appellierte Bergmann an alle Besucher, ein friedvolles Fest zu feiern, "damit Krieg nie mehr stattfindet".

"Festspiele des Miteinanders"

Ähnliche Worte wählte Landrat Armin Kroder und lobte einmal mehr das ehrenamtliche Engagement des Festspielvereins und der Altdorfer Bevölkerung. Mehr als 1000 Mitwirkende, das sei ebenso einzigartig wie außergewöhnlich. Ferner sprach Kroder von "Festspielen des Miteinanders: der Nationen, Kulturen und Religionen". Sie machten Altdorf in den kommenden Wochen zur "Kulturhauptstadt".

Diese Auszeichnung nahm Bürgermeister Erich Odörfer freilich gerne an und sprach von der fünften Jahreszeit, die dank Wallenstein anbreche. "Die Zeit dieses jungen Wilden in Altdorf war zwar kurz, aber sie blieb umso nachhaltiger in Erinnerung", sagte Odörfer und deklarierte den späteren Feldherren als einen Mann, "der sterben musste, weil er zu sehr nach Frieden strebte".

"Hat es am Ende eingesehen"

Bei diesem Satz sei er glatt ein bisschen zusammengezuckt, meinte Schirmherr Dr. Armin Zitzmann in seinem Grußwort. Vier wissenschaftliche Abhandlungen habe er als Vorbereitung auf die Festspiele gelesen. "Und alle zeichnen ein völlig anderes Bild von Wallenstein." Mit Blick auf Wallenstein-Symposium und -Kuratorium entgegnete Zitzmann: "Er war ein Unternehmer, der viel eingenommen und am Ende eingesehen hat, dass Krieg nicht die Lösung sein kann."

Die historische Figur von allen Seiten zu zeigen, das sei das Ansinnen der Wissenschaftler, die am Wochenende den Sammelband "Wallenstein. Mensch. Mythos. Memoria" präsentierten und ein Kuratorium gründeten. Sie schafften ein "differenzierteres und positiveres Bild von Wallenstein". Für Zitzmann sei es als ehemaligen Leibniz-Schüler eine Ehre, die Festspiele zu eröffnen und sich ins Goldene Buch der Stadt einzutragen.

Er wünschte ebenso erfolgreiche wie friedliche Festspiele und, dass diese das Interesse junger Menschen an Geschichte wecken mögen. Als Vater dreier Töchter wisse er, wovon er spreche. Ehe er die Festspiele für eröffnet erklärte, blickte er noch zurück in seine Schulzeit. Damals hätten er und seine Mitschüler des Öfteren versucht, ihre Lehrer davon zu überzeugen, den Unterricht doch bitte sausen zu lassen. Mit dem schlagenden Argument: "Wallenstein hat sich nicht an die Regeln gehalten. Und aus dem ist auch etwas geworden." Über den Erfolg dieser Argumentation schwieg sich Zitzmann allerdings aus. Als Familienvater weiß er wahrscheinlich, warum.

Hier sind alle Termine der Festspiele im Überblick. 

Christian Geist

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