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Samstag, 22.09.2018

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Zukunftsmusik: JstMsc produzieren Album in 3D

"Es ist eine ganz andere Art des Musikhörens" sagt Julian Anders - 01.05.2018 15:27 Uhr

Georg Meier und Julian Anders (v.l.) sind JstMsc. Mit „Lux“ haben sie nicht nur ihr zweites Album veröffentlicht, sondern mit der gleichnamigen Atmos-fähigen App zugleich eine Plattform geschaffen, die Künstler, die mit dem neuen immersiven Soundformat arbeiten, zusammenbringen soll. © Hornung


Zwischen dem Release und ihrer ersten Veröffentlichung 2016 ist einiges passiert. Anders und Meier sitzen in einem kleinen, zum Studio umgebauten WG-Zimmer in der Nürnberger Südstadt. Das erste Album haben sie noch hier produziert, das zweite im Nürnberger Teststudio von Dolby Deutschland.

Kraftwerk, Deadmau5 und jetzt auch JstMsc, das Kollektiv der beiden jungen Musiker. Die Liste der Künstler, die mit dem neuen Format Dolby Atmos gearbeitet haben, ist kurz. Julian Anders zählt etwa fünf Namen auf, darunter Größen wie den kanadischen Produzenten Deadmau5 und die deutschen Elektropop-Pioniere Kraftwerk. "Das war so die Hausnummer", sagt er. "Wir gehören mit zu den ersten Künstlern weltweit, die Musik auf Dolby Atmos produziert haben."

Die meisten Songs sind für Stereo gemacht. Stereo, das heißt, kurz gesagt, zwei Tonspuren, die Klänge kommen von links und rechts. Atmos, das bedeutet, theoretisch unbegrenzt viele Tonspuren, und dass die Klänge im Raum platziert werden können. Anlagen, die solche Musik abspielen können, bestehen aus bis zu zwanzig Lautsprechern, die rundherum im Raum angeordnet sind, auch an der Decke.

Nicht nur das Hör-Erlebnis ist ein anderes, die Musik muss auch anders produziert werden. Das Programm erlaubt, Soundeffekte in einem virtuellen dreidimensionalen Raum dort zu platzieren, wo sie später im realen Raum gehört werden sollen.

Ab in die Atmos-Sphäre

Aber wie kommen die beiden überhaupt dazu, diese Technologie nutzen und im Dolby Studio arbeiten zu können? Zu verdanken haben sie das ihrer jugendlichen Energie. Ihre Neugierde und Lust am Machen und Experimentieren muss auchAndreas Ehret gespürt haben, Geschäftsführer von Dolby Deutschland, als er im Frühjahr 2017 auf einem Netzwerktreffen für Kreative mit Georg Meier ins Gespräch kommt. Wenig später sitzt Meier zum ersten Mal in dessen Studio und beginnt, sich in Atmos einzuarbeiten.

In Kinos werden 3D-Sounds schon länger genutzt. Aber nur wenige Künstler sind bisher auf die Idee gekommen, die Technik für Musik zu nutzen, erzählen die beiden jungen Produzenten. "Es gibt im Internet praktisch nichts nachzulesen", sagt Meier. Ehret bringt die beiden in Kontakt mit zweien, die Erfahrung auf dem Gebiet 3D-Audio haben: Tom Ammermann, der die "3D"-Produktion für Kraftwerk gemacht hat und Chris Heil, der früher für Bands wie die Scorpions und die Toten Hosen gearbeitet hat.

Mit Ammermann standen sie telefonisch und in Email-Kontakt, Heil kommt sogar einen Tag zu ihnen ins Studio nach Nürnberg. Mit der Produktion ist aber nur der erste Schritt getan. Als das Album "Lux" fertig ist, stehen JstMsc vor einem Problem: Wie sollen seine künftigen Fans in den Genuss kommen, die Songs auch 3D zu hören?

Eine Möglichkeit, das neue Format Atmos zu bannen, bieten Blu-Rays. Aber wer kauft noch CDs oder Blu-Rays? „Mittlerweile hört man Musik anders, online, über Plattformen“, sagt Anders. Die beiden beschließen, dass sie selbst etwas machen müssen. Georg hat die Idee, eine App zu entwickeln, die Atmos-Dateien abspielen kann.

Immersiv und relativ

Dolby stellt ihnen drei Programmierer an die Seite. Alex Niebler, ein Kommilitone von Anders, der an der Technischen Hochschule Nürnberg Media Engineering studiert, programmiert und designt die App. Die Visualisierungen, die Nutzer auf ihrem Handy-Display sehen, entwerfen Freunde. Auch visuell beschreiten die beiden neue Wege. Ihre App zeigt nicht einfach ein Video, sondern eine Animation, die live gerechnet wird und sich relativ zur Bewegung des Handynutzers im Raum verändert.

Auf dem Mobile World Congress in Barcelona, der größten Mobilfunkmesse der Welt, präsentieren die beiden Ende Februar gemeinsam mit Dolby ihre neue App, die sie "Lux" nennen – genau wie ihr Album. Sie hoffen, damit den Grundstein für eine Plattform zu legen, auf der 3D-Künstler Werke veröffentlichen und einander finden können. Die beiden sind überzeugt, dass 3D-Musik in Zukunft mehr und mehr Bedeutung gewinnen wird, so wie 360°-Videotechnik und Virtual und Augmented Reality im visuellen Bereich. "Die Community wird wachsen", sagt Meier und spricht von einer Revolution.

Mitte April, etwa ein Jahr nachdem Ehret und Meier sich kennengelernt haben, sind JstMsc wieder auf einem Dolby Netzwerktreffen. Dieses Mal nicht als Gäste, dieses Mal sind sie Mitveranstalter des Treffens. Im Programm: Lux – ihr neues Album in 3D und die Dolby Atmos App. 

Julia Hornung

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