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Ampel- und autofrei: Nürnberg soll Radschnellweg bekommen

Kreuzungsfreie Strecken sollen Innenstädte entlasten - 17.07.2015 10:07 Uhr

Auch im Freistaat ist der Bedarf an kreuzungsfreien Radschnellwegen groß. Vor allem in Nürnberg und München könnten dadurch die Innenstädte entlastet werden. © Daniel Bockwoldt/dpa


Die Niederlande haben es vorgemacht, Kopenhagen und London sind inzwischen gefolgt, und auch in Nordrhein-Westfalen soll demnächst der erste Radschnellweg eröffnet werden. Bayern hinkt dagegen beim Thema "Schnelle Mobilität für Radfahrer" noch etwas hinterher. Verstopfte Innenstädte und der steigende Radverkehrsanteil in den bayerischen Metropolen bringen aber inzwischen auch im Freistaat Bewegung in die Debatte. Denn von "Fahrrad-Autobahnen", wie sie manche auch nennen, erhoffen sich Stadt- und Verkehrsplaner einen größeren Anteil radelnder Pendler und damit weniger Autoverkehr in den Innenstädten.

Zumindest in der bayerischen Landeshauptstadt, so zeigt eine Kapazitätsstudie des Planungsverbandes Äußerer Wirtschaftsraum München, ist der Bedarf für Radschnellwege groß. Die Studie, die am 24. Juli bei einer Tagung erörtert werden soll, hat 14 Korridore ermittelt, auf denen Radschnellwege sinnvoll wären. Alle Korridore enden am Rande des Stadtzentrums. Darüber hinaus halten die Verkehrsgutachter eine Ost-West- und eine Nord-Süd-Verbindung quer durch das Stadtzentrum für wünschenswert.

Bereits Anfang vergangenen Jahres hatte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) München einen acht Kilometer langen Radschnellweg zwischen Milbertshofen und dem Hauptbahnhof in die Diskussion gebracht. Damit würden unter anderem große Arbeitgeber wie BMW mit rund 12.000 Arbeitsplätzen und die Ludwig-Maximilians-Universität mit ihren 45.000 Studenten, Professoren und anderen Mitarbeitern mit der Innenstadt verbunden. Auch der ADFC-Kreisverband Nürnberg kämpft schon länger für Radschnellwege, die neben den südlichen Nürnberger Ortsteilen auch Feucht, Fürth, Erlangen, Schwabach und Herzogenaurach mit Nürnberg verbinden sollten.

Schnell und kreuzungsfrei

Die bayerische ADFC-Landesgeschäftsführerin Petra Husemann-Roew ist jedenfalls überzeugt: Wer mehr Berufspendler, Schüler und Studenten aufs Rad bringen will, müsse ihnen schnelle, kreuzungsfreie Wege abseits des normalen Autoverkehrs anbieten. Viele Radfahrer ärgerten sich in den Städten über häufige Zwangsstopps an Ampeln und Vorfahrtsstraßen oder hätten Angst vor Kollisionen mit Autos.

Zudem verweist Husemann-Roew auf die wachsende Zahl von Fahrrädern mit Elektrounterstützung, sogenannte Pedelecs. "Da kann ich ohne Schwitzen auch mal längere Distanzen auf dem Rad zurücklegen." Radschnellwege, so schränkt sie ein, sei aber hauptsächlich ein Thema für Metropolen wie München und Nürnberg.

Neu ist die Idee freilich nicht: In den Niederlanden gibt es bereits seit Beginn der 1980er Jahre in Tilburg und Den Haag durchgängige, schnelle Fahrradrouten. Bis 2025 wollen die Niederlanden das Netz ihrer "Snelfietsrouten" auf 675 Kilometer Länge ausweiten.

Cycle Superhighways

Auch die dänische Hauptstadt Kopenhagen treibt bereits seit ein mehreren Jahren den Ausbau ihres Radschnellwegnetzes voran. In London sollen "Cycle Superhighways" Pendler zum Umstieg aufs Rad bewegen. In NRW wird wohl noch in diesem Jahr ein erstes Teilstück des geplanten "Radschnellweges Ruhr" eröffnet. In Hessen ist ein Radschnellweg zwischen Darmstadt und Frankfurt geplant.



In Deutschland werben Stadt- und Verkehrsplaner schon seit Jahren für schnelle Radverbindungen. So riet das Deutsche Institut für Urbanistik Kommunalpolitikern bereits 2010 in einer Studie dazu: "Mit einem Radschnellweg kann der Autoverkehr, zum Beispiel entlang staugefährdeter Pendlerstrecken, entlastet werden." Damit könnte sich unter Umständen der Ausbau des Straßennetzes erübrigen. Die Baukosten für einen Kilometer Radfernschnellweg veranschlagt das Institut unterschiedlich. Je nachdem, ob Brücken oder Tunnel für eine kreuzungsfreie Radlertrasse notwendig sind, beliefen sich die Kosten in den Niederlanden dafür zwischen 500.000 Euro und 2,0 Millionen Euro pro Kilometer. 

Klaus Tscharnke, dpa

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