Dienstag, 13.11.2018

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Ansbach: Weiter Widerstand gegen Fluglärm und Bauboom

Hubschrauberflüge der US-Militärs und etliche Bauvorhaben sorgen für Ärger - 18.12.2012 11:05 Uhr

Die Bürgerinitiative "Etz langt´s" setzt sich nicht nur, wie hier bei einer Demonstration vor der US-Kaserne in Katterbach, für eine Reduzierung des Fluglärms ein, sondern wehrt sich auch gegen den weiteren Ausbau des Standorts. (Archivbild) © Mathias Neigenfind


In den USA muss das Militär einen Abstand von 1,8 Kilometern zu zivilen Wohngebieten einhalten, wenn Übungen mit Helikoptern durchgeführt werden. In Ansbach ticken die Uhren anders. Hier dürfen amerikanische Truppen ihren lautstarken Flugbetrieb von 6 Uhr morgens bis 2 Uhr in der Nacht in direktem Kontakt zur ansässigen Bevölkerung ausüben.

Der Fluglärm hat schon vor Jahren zur Gründung einer Bürgerinitiative geführt, die nun auch gegen die Bauprojekte des US-Militärs vorgeht. Boris-André Meyer ist Pressesprecher der Bürgerinitiative "Etz langt’s“, die seit 2007 aktiv ist. In ihren Grundsätzen hat sie festgelegt, dass sie sich erst dann wieder auflöst, wenn die lästigen Ruhestörungen der Vergangenheit angehören.

"Es kann nicht sein, dass die Amerikaner bis 2 Uhr nachts in Ansbach im Tiefflug üben dürfen", stellt Meyer fest. Auf der Homepage von "Etz langt’s" wurde deshalb  eine Lärmdatenbank eingerichtet, in der die Anwohner die selbstgemessenen Lautstärkewerte während der Helikopterübungen eintragen können. Und es ist nicht die einzige Aktion der Bürgerinitiative im Kampf gegen den Lärm.

"Es wurden bereits mehrere tausend Unterschriften für eine Petition gesammelt, die das Wohl der Bürger vor militärische Interessen stellt, doch der amerikanische Kommandant weigert sich bis zum heutigen Tag beharrlich, sie entgegenzunehmen oder zu diskutieren. Wir müssen öffentlichen Druck machen, auch überregional“, sagt Meyer.

Konkrete Bestimmungen für Flugbetrieb fehlen

Der Flugplatz Ansbach-Katterbach wird vom US-Militär genutzt, um Soldaten für Helikoptereinsätze auszubilden. Nicht selten wird bei dem Überflug der Wohngebiete durch die Helikopter ein Pegel von 90 Dezibel erreicht. Dies entspricht der Lautstärke eines Presslufthammers.

"In Deutschland müssen sich die Amerikaner nach keinen konkreten Flugbestimmungen richten", so Meyer. Während das Umweltbundesamt fordert, dass Flüge zwischen 22 und 6 Uhr generell verboten werden, sieht die Realität im deutschen Flugbetrieb komplett anders aus. Nur die Bestimmungen des Frankfurter Flughafens sehen vor, dass zwischen 23 und 5 Uhr keine Nachtflüge stattfinden dürfen. In anderen Regionen Deutschlands sind die Anwohner auf die Politik oder auf ein Einlenken durch das Militär angewiesen. Basis für den militärischen Hubschrauberflugbetrieb sind nämlich allgemeine sowie besondere Bestimmungen, die bereits im November 1995 vom deutschen Verteidigungsministerium erlassen wurden und den US-Streitkräften in dieser Sache reichlich Spielraum lassen.

Vor allem die Flugübungen der US-Armee in der Nacht rauben so manchem Ansbacher den Schlaf. Andere wiederum betonen die wirtschaftliche Bedeutung der Streitkräfte für die Region. © Barbara Bedacht


In Ansbach wünscht man sich eigentlich ein friedliches Miteinander mit den amerikanischen Soldaten. Doch innerhalb der eigenen Gemeinde ist man tief gespalten. Der eine Teil der Bevölkerung hört nur den nervtötenden Lärm, der andere Teil sieht in den Amerikanern ein wirtschaftliches Zugpferd. Cornelia Summers, Standortsprecherin der US-Armee in Ansbach, hebt hervor, dass es ja schon immer die Möglichkeit gab, dass Deutsche ihre Immobilien an amerikanische Soldaten vermieten.

Bernd Horbaschek vom Bund Naturschutz, Vorsitzender der Kreisgruppe Ansbach, sieht das anders. "Wir profitieren in Zukunft so gut wie fast nicht mehr von den Amerikanern, da sie ihre Versorgung mittlerweile komplett selbst in die Hand nehmen. Wir werden nur noch als Stützpunkt missbraucht". Zu allem Überfluss entschloss sich das amerikanische Militär, den Stützpunkt in Ansbach Ende Oktober mit Stacheldraht zu umzäunen. Dies geschah gegen den Willen des Ansbacher Stadtrats.

"Der Stacheldrahtzaun ist eine Entscheidung, die von höherer Stelle getroffen wurde. Sie haben doch auch einen Zaun zu Hause im Garten", meint dagegen die Standortsprecherin Summers. Während an anderen Orten amerikanische Militärstützpunkte abgebaut werden, wächst in Ansbach die Sorge, dass sich der Standort zum Dreh- und Angelpunkt der US-Armee in Europa entwickelt.

Dass der deutsche Steuerzahler bei den Bauvorhaben der US-Armee zwei Drittel der Baunebenkosten zu tragen hat, wird dabei gerne übersehen. Die Standorte der US-Armee sollen schließlich erhalten bleiben. Vor kurzem wurde sogar der bayerische Innenminister Joachim Hermann nach Washington entsandt, um für dieses Ziel zu werben.

Ein Wohnbaugebiet für Angehörige der US-Army und eine neue Klinik, die in Katterbach auf dem ehemaligen Truppenübungsgelände "Urlas" entsteht, sorgen für zusätzliche Aufregung. Von wem die 200 Parkplätze vor dem Krankenhaus genutzt werden sollen, ist noch unklar. Boris-André Meyer weist darauf hin, dass "das Bauamt Nürnberg keine Auskunft über die Nutzungsdetails und Kosten dieses Projekts herausgeben will". Meyer befürchtet, dass der Standort Katterbach noch weiter ausgebaut werden soll und noch mehr Soldaten im Raum Ansbach zusammengezogen werden könnten.

Ärger gibt es auch wegen wiedererneuerbarer Energien. Die Stadt Ansbach versucht seit 2009 etwas für die Windkraft zu tun. Das Aufstellen der Windräder scheiterte am Ende am Widerstand der US-Streitkräfte. "Die Amerikaner waren in diese Pläne eingeweiht, doch als die Investoren da waren, um Kapital zur Verfügung zu stellen, wollten die Amerikaner auf einmal nichts mehr davon wissen und lieber ihre Flugrouten behalten", echauffiert sich Meyer.

Die bayerische Staatsregierung, die helfen könnte, den Fluglärm zu reduzieren und weitere, unnötige Bauprojekte der Amerikaner zu stoppen, hält sich vornehm zurück. Wirtschaftliche Interessen stehen vor dem Gemeinwohl der Menschen, anders ist die jahrelange Tatenlosigkeit nicht zu erklären, so der Tenor der Bürgerinitiative. Die regionale Politik reibt sich zusehends auf an diesem Sachverhalt.

"Das Fluggesetz ist einfach zu weitmaschig",  sagt Carda Seidel, die Oberbürgermeisterin von Ansbach. "Wenn ich in Kontakt mit den amerikanischen Kommandeuren stehe, bekomme ich jedes Mal die gleiche, stereotype Antwort, dass das US-Militär im Rahmen des deutschen Fluggesetzes handelt",  so Seidel. 

Fabian Haas

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