Donnerstag, 15.11.2018

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Auf Verlobte eingestochen: Ärztin sagt im Prozess aus

Behandelnde Medizinerin wich der Patientin nicht von der Seite - 14.06.2018 08:57 Uhr

Am 8. Mai 2017 hatte der Verlobte mit einem Küchenmesser mehrmals auf die junge Frau aus Äthiopien eingestochen. "Sie hat sehr viel Blut nach innen verloren und war schon sehr kühl", sagte die Ärztin gestern beim Prozess vor dem Landgericht in Ansbach. Vor allem im linken Brustkorb sei es zu "schwersten lebensbedrohlichen Gefäßverletzungen" gekommen. Im Schockraum und im Operationssaal erlitt die Äthiopierin einen Herzstillstand. "Ich war die ganze Nacht bei ihr. Ich konnte die Frau keine zehn Minuten alleine lassen", so die 57-Jährige. Am 9. Mai übernahm die Klinik in Erlangen das Opfer. Beim ungeborenen Baby waren zu diesem Zeitpunkt keine Lebenszeichen mehr festzustellen.

"Sie ist vor mir zusammengebrochen"

Eine Frau hatte aus dem Auto heraus die Attacke beobachtet. Sie sah, wie ein älterer Mann der Frau zur Hilfe eilte und mit seiner Aktentasche auf den Angeklagten einschlug. So konnte das Opfer auf die andere Straßenseite flüchten. "Sie ist vor mir zusammengebrochen", so die Zeugin vor dem Landgericht. "Ich habe ihr, um sie auf Verletzungen zu untersuchen, das T-Shirt nach oben geschoben und mir gedacht: Oh nein, jetzt ist die Frau auch noch schwanger."

Die Aussage einer ehemaligen Mitbewohnerin des Opfers war zäh und lückenhaft. Einmal behauptete sie, sie habe den Angeklagten nur einmal in Zirndorf getroffen, dann doch noch ein weiteres Mal in Nürnberg. Sie habe nie mit ihm gesprochen, erklärte die Zeugin. Bei ihrer Aussage bei der Polizei habe sie aber erklärt, dass der Angeklagte ihr seine Liebe zum Opfer gestanden und geweint habe, entgegnete der Chef der Staatsanwaltschaft Gerhard Neuhof. "Was stimmt denn nun?", wollte er wissen. "Was ich bei der Polizei gesagt habe", übersetzte ein Dolmetscher.

"Enthemmung auf einem leichten Niveau"

Der psychiatrische Gutachter sagte aus, dass es keinerlei Hinweise auf eine psychische Erkrankung oder Störung gebe. Zur Tat habe der Angeklagte ihm gegenüber keine Aussage gemacht. Der Wert des Alkohols im Blut betrug 0,82 Promille rund zwei Stunden nach der Tat. "Das spricht für eine Enthemmung auf einem leichten Niveau", so der Experte. "Aber es lag keine tiefgründige Bewusstseinsveränderung vor."

  

Diane Mayer

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