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Deutschlands modernstes Limes-Museum steht in Franken

Eröffnung des "Limeseums" im Landkreis Ansbach am Freitag - 09.10.2012 13:09 Uhr

Unter dem Kunstnamen „Limeseum“ öffnet im Römerpark Ruffenhofen (Landkreis Ansbach) Deutschlands modernstes Limes-Museum seine Tore.

Unter dem Kunstnamen „Limeseum“ öffnet im Römerpark Ruffenhofen (Landkreis Ansbach) Deutschlands modernstes Limes-Museum seine Tore. © dpa


Nur eine unscheinbare Bodenwelle in der Landschaft oder Andeutungen eines Grabens am Waldrand: Ausflügler für den alten römischen Grenzwall Limes zu begeistern, ist bis heute - trotz Welterbestatus – schwierig. Doch das könnte sich bald ändern: Drei kleine fränkische Gemeinden mit zusammen nicht einmal 4000 Einwohnern wollen zeigen, dass der Limes ein durchaus spannendes Kapitel mitteleuropäischer Geschichte ist.

Unter dem Kunstnamen „Limeseum“ öffnet an diesem Freitag (12. Oktober) im Römerpark Ruffenhofen (Landkreis Ansbach) Deutschlands modernstes Limes-Museum seine Tore.

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Eindrücke vom neuen "Limeseum" Eindrücke vom neuen "Limeseum" Eindrücke vom neuen "Limeseum"
Der Römerpark Ruffenhofen hat ein neues Museum

Der römische Grenzwall Limes, der auch durch Bayern verläuft, gehört seit 2005 zum Weltkulturerbe der UN-Kulturorganisation UNESCO. Ein neues Museum mitten in Franken will nun für seine Geschichte begeistern.


Tatsächlich präsentiert das „Limeseum“ das Leben an der einstigen Nordgrenze des römischen Weltreichs so anschaulich wie kaum anderswo - und das ohne Ausgrabungen, aufwendige Rekonstruktionen und spektakuläre Funde.

Denn zum Schutz des Bodendenkmals hatten sich die Fachleute darauf beschränkt, die im Boden verborgenen Grundmauern des Kastells Ruffenhofen allein mit geophysikalischen Methoden zu erkunden. Heute deuten lediglich ein paar Hecken die Kastell-Umrisse an.

Erst seit kurzer Zeit sorgt ein Modell auf einer Anhöhe für etwas mehr Anschaulichkeit. Um selbst Unbedarfte für das sperrige Thema Limes zu interessieren, setzt Römerpark-Chef Matthias Pausch daher nicht nur auf eine pfiffige Museumsarchitektur, sondern auch auf eine zeitgemäße Museumsdidaktik: „Erzählte Geschichte“ nennt er das Leitprinzip, das das gesamte spiralförmig angelegte Museum durchzieht.

Beim Gang durch den leicht ansteigenden Rundbau auf einer Anhöhe über dem früheren Kastell trifft der Besucher immer wieder auf die Figur des römischen Reitersoldaten „December“. Dass ein Soldat mit diesem Namen tatsächlich einst in dem Kastell lebte, zeigt eine Inschrift in einem Helmblech. Das handgroße Relikt war bei Grabungen in der Region gefunden worden.

Der von den Museumsmachern entworfene Lebenslauf „Decembers“ sei „zwar fiktiv, aber wissenschaftlich seriös“, betont Pausch. Zahlreiche Funde und Zeugnisse lieferten genügend Wissen über das Leben in den Kastellen entlang des obergermanisch-raetischen Limes, der seit dem Jahr 2005 den Welterbe-Status hat. „December“ erzählt an Hörstationen von seinen Anfängen als Pferdeknecht im Kastell, seinem Aufstieg zum Reitersoldaten und schließlich – nach dem Ausscheiden aus dem Militärdienst – von seinem Leben als Familienvater in der benachbarten Zivilsiedlung.

Ein Höhepunkt des Museums-Rundgangs ist ein animierter Film. Produziert von Darmstädter Spezialisten, die auch Animationen für historische Dokudamen des ZDF liefern, beschreibt die achtminütige Präsentation das Leben im Kastell und der Zivilsiedlung anschaulich. Ansonsten ist Pauschs „Limeseum“-Konzept vom Ehrgeiz geprägt, „möglichst unterschiedliche Besuchergruppen anzusprechen“. Derjenige, der „nur zehn Minuten mal reinschauen will“, soll an vier rot gefärbten „Leitfund-Vitrinen“ auf die Schnelle Infos zum Leben am Limes erhalten.

Wer vertiefende Informationen sucht, findet sie auf der Innenseite des spiralförmigen Museumsbaus. Alle Erläuterungen gibt es in englischer Übersetzung, für Kinder gibt es spezielle Texte. „Wenn es Leute gibt, die sagen: “Zehn Minuten Museumsbesuch halte ich schon durch“, und am Ende bleiben sie eine Stunde – wenn das öfters passiert -, wäre das schön“, sagt Pausch.

Die Deutsche Limes-Kommission, die Erforschung und Präsentation des 550 Kilometer langen römischen Grenzwalls koordiniert, sieht im neuen „Limeseum“ ein „Leuchtturmprojekt“. Schließlich sei die Hesselberg-Region eine der wenigen ungestörten bayerischen Landschaften. Besucher könnten dort die Lage des Kastells in einer unverbauten Landschaft erleben – wie in der Römerzeit, sagt der bayerische Landeskonservator und Vorsitzende der Deutschen Limes-Kommission, Sebastian Sommer.

Mit dem neuen Museum erhielten Besucher endlich die Möglichkeit, sich direkt auf dem weitläufigen Gelände über den Limes zu informieren. Bislang mussten sie dazu erst ins nahe Weiltingen fahren, wo es schon ein kleines Limes-Museum gibt.
 



  

dpa

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