Mittwoch, 14.11.2018

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Initiative wettert gegen US-Truppenaufstockung in Franken

"Ansbach als Bauernopfer blinden Gehorsams gegenüber Donald Trump" - 09.09.2018 11:22 Uhr

Die Rollbahn auf dem Katterbach Army Airfield ist frequentiert - sehr zum Ärger der Anwohner. © Daniel Karmann/dpa


Sie sind es leid. Immer wieder knattern Hubschrauber über das Ansbacher Umland, bringen Lärm, Unruhe, Hektik in die eigentlich ländlich geprägte Gegend. Besonders die Nachtflüge, die oft bis Mitternacht andauern, sorgen für Unmut. Erst Anfang des Jahres bügelte das bayerische Innenministerium eine Schutzzone ab - gegen den Protest der Ansbacher Oberbürgermeisterin Carda Seidel. Ein Schlag ins Gesicht für viele Anwohner, die unter den Bedingungen dort leiden. 

Das Katterbach Army Airfield, wie es die US-Streitkräfte selbst nennen, gehört zu den größten seiner Art in Deutschland. Über 100 Maschinen und gut 3000 Soldaten sind dort aktuell stationiert. Zu viele, findet etwa die Bürgerinitiative "Etz langt's", die sich immer wieder über die Übungen des Militärs empört. Dass es jetzt noch einmal mehr werden sollen, bringt für die Aktivisten das Fass zum Überlaufen. 

"Ungeheuerlich" sei die Aufrüstung in Katterbach, sagt etwa der Vorstand der Bürgerinitiative, Boris-André Meyer. Er befürchtet noch mehr Lärm und Abgase. Erst Anfang 2017 verdreifachte das US-Militär die Zahl der Soldaten, die auf der Base in Westmittelfranken stationiert sind - von damals nur 1000 auf jetzt 3000 Kräfte. Auch weitere Hubschrauber wurden nach Katterbach verlegt. Die Belastung für Anwohner habe sich seitdem "massiv erhöht", sagen die Verantwortlichen von "Etz langt's". Ein untragbarer Zustand. 

"Ansbach wird zum Bauernopfer" 

Erst vor wenigen Tagen kündigte der US-Botschafter Richard Grenell an, dass bis 2020 rund 1400 zusätzliche Soldaten an die bayerischen Standorte in Katterbach, Grafenwöhr und Hohenfels verlegt werden sollen. "Ein großer Vertrauensbeweis", wie Innenminister Joachim Herrmann sagt. Auch Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen sprach von einem "wilkommenen Zeichen für die Vitalität der transatlantischen Beziehungen". Die Ansbacher Bürgerinitiative aber sieht das anders. "Die Aufrüstungsparteien scheinen sich entweder nicht für Gesundheit und Bürgerwohl in Westmittelfranken zu interessieren oder aber sie nehmen die Schädigung Tausender Bürger billigend in Kauf", sagt "Etz langt's"-Vorstand Meyer. "So wird Ansbach zum Bauernopfer des blinden Gehorsams gegenüber Donald Trump." 

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Wie hoch die Belastung besonders durch Feinstaub wirklich ist, ist unklar. Die Bürgerinitiative rechnet vor: Ein Transporterhubschrauber vom Typ "Chinook" brauche über 1000 Liter Kerosin pro Stunde und stoße wegen seines speziellen Treibstoffs mit vielen Additiven extreme Mengen an Feinstaub aus. Auf Messungen rund um Katterbach verzichtete das bayerische Innenministerum aber bislang. "Dabei haben wir Messwerte erhalten, die um mehr als das Zehnfache über der Norm lagen", sagte Boris-André Meyer erst kürzlich den Nürnberger Nachrichten.

"An Trump als Spielball ausgeliefert" 

"Die US-Aufrüstung ist nicht im Interesse Ansbachs und des Umlandes", sagt Meyer jetzt. "Dass Westmittelfranken von Bundes- und Staatsregierung an Trump als Spielball ausgeliefert wird, ist inakzeptabel." 

Der Hubschrauberlärm rund um Katterbach wird auch in der Kommunalpolitik heiß diskutiert. Fast alle Parteien der Ansbacher Stadtratsfraktion - mit Ausnahme der CSU - forderten erst kürzlich eine dauerhafte Reduzierung der Überflüge. "Das Maß des Zumutbaren ist überschritten", heißt es in einer Stellungnahme. Sollte das US-Militär nicht reagieren, werde man sich "schnellstmöglich für die zivile Umnutzung der Kasernenflächen in Ansbach einsetzen". Eine Drohung, die die Unterzeichner der Erklärung schon bald auch an die bayerische Staatsregierung schicken wollen. 

In Deutschland sind rund 35.000 US-Soldaten stationiert, etwa 13.000 davon allein in Bayern. Besonders Donald Trumps aggressive Anti-Nato-Rhetorik schürte bis zuletzt Befürchtungen, die USA könnten das Bündnis verlassen. Zumindest indirekt drohte Trump laut der Washington Post damit, Truppen aus Deutschland abzuziehen. 

Tobi Lang Online-Redakteur E-Mail

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