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Koks-Affäre: Fränkischer CSU-Bürgermeister legt Amt nieder

Politiker wurde beim Drogenkauf am Ansbacher Bahnhof erwischt - 12.09.2018 17:39 Uhr

Sachsen bei Ansbach muss in Zukunft ohne seinen dritten Bürgermeister auskommen. Der Politiker legt sein Amt nach einer Koks-Affäre nieder. © NN-Archiv


"Ich habe einen krankheitsbedingten einmaligen Fehler begangen, den ich sehr bedauere und für den ich mich entschuldige. Ebenso möchte ich mich bei all den Menschen entschuldigen, die Vertrauen in mich gesetzt hatten und die ich enttäuscht habe", erklärte der CSU-Politiker gegenüber der Fränkischen Landeszeitung. Ihn habe seine Arbeit bei der Kripo psychisch sehr schwer belastet.

Tägliche Gewalt

In zwei Jahrzehnten habe er Fälle mit rund 600 Leichen bearbeitet und mehr als 500 Opfer von Sexualdelikten befragt, so Altaner. Dazu seien andere Delikte gekommen, die er nicht als Sachbearbeiter, sondern bei Besprechungen in der Kripo, etwa über zum Teil kaum erträgliche Fotos, mitbekommen habe.

Besonders getroffen hätten ihn Fotos von ermordeten Kindern wie etwa zuletzt bei dem Familiendrama in Gunzenhausen, wo er ebenfalls die Bilder der Leichen gesehen habe. Diese ständige Konfrontation mit Mord und Gewalt habe bei ihm zu einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung geführt, die ärztlich attestiert sei. Sein vielfältiges ehrenamtliches Engagement in seiner Heimatgemeinde habe er nicht aufgeben wollen, weil es für ihn ein wertvolles Gegengewicht zu seinem beruflichen Alltag gewesen sei, so der 42-Jährige.

Leichter Weg zu Versuch mit Kokain

Durch einen langjährigen privaten Kontakt sei er auf die Idee gekommen, es mit Kokain zu versuchen. Er habe den Fehler gemacht, sich auf ein Vermittlungsangebot aus dem Bekanntenkreis einzulassen. Der vermeintliche Verkäufer entpuppte sich jedoch als Drogenfahnder. Bei der fingierten Übergabe am Ansbacher Bahnhof wurde der Kripobeamte vorübergehend festgenommen. Nach einem vollständigen Geständnis kam er wieder auf freien Fuß und begab sich in ärztliche Behandlung.

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Der Ansbacher Oberstaatsanwalt Michael Schrotberger bestätigte gegenüber der FLZ ein Ermittlungsverfahren. Es handle sich um den versuchten Erwerb von einem Gramm Kokain, so Schrotberger. Dies sei eine geringfügige Menge, die juristisch deutlich anders bewertet werde als größere Mengen. Mehr könne er derzeit nicht über den Stand des Verfahrens mitteilen, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Sehr geringe Menge

Angesichts der von Schrotberger bestätigten geringen Menge von einem Gramm ist die Möglichkeit vom Tisch, dass es um einen versuchten Handel gegangen sein könnte. Ein Gramm Kokain reicht, je nach Reinheitsgrad, für drei bis fünf Gebrauchsportionen. Die Droge, die wegen ihrer aufputschenden Wirkung zunehmende Verbreitung findet, wird für einen Preis von rund 100 Euro pro Gramm gehandelt.

Bei einer so geringfügigen Menge von einem Gramm wie in diesem Fall kommt es nicht zu Gerichtsverhandlungen, sondern zu Einstellungen oder Geldstrafen. Sie bewegen sich in der Regel deutlich unter 50 Tagessätzen. Die Grenze für eine formelle Vorstrafe liegt bei 90 Tagessätzen.

Die Geringfügigkeit seines erstmaligen Kaufversuchs und dessen Vorgeschichte sei in der Öffentlichkeit nicht zu vermitteln, sagte Christian Altaner gegenüber der FLZ. Er nehme seinen Fehler deshalb zum Anlass, seine Arbeit im Gemeinderat zu beenden. "Ich sehe krankheitsbedingt keine Möglichkeit mehr für eine weiterführende Arbeit in diesem Gremium und lege deshalb mit sofortiger Wirkung alle meine Ämter nieder. Ich bin dankbar, dass meine Erkrankung nun erkannt ist und ich mir Hilfe holen und aktiv daran arbeiten kann, wieder gesund zu werden."

Kandidat mit Aussichten auf die nächste Wahl

Altaners Entschluss wurde am Montagabend von Bürgermeister Hilmar Müller (Unabhängige Wählergemeinschaft Sachsen) zu Beginn der Sitzung des Gemeinderats in Auszügen verkündet.

Der jetzt zurückgetretene CSU-Politiker war Ortsvorsitzender seiner Partei, führte die Fraktion im Gemeinderat und galt als aussichtsreicher Bewerber um den Bürgermeisterposten bei der nächsten Kommunalwahl. Bei seinem ersten Anlauf im Jahr 2014 hatte er gegen den Amtsinhaber Hilmar Müller mit rund 46 Prozent ein Achtungsergebnis erreicht. Seitdem war es im Gemeinderat zu teils scharfen Debatten und persönlichen Angriffen zwischen Altaner und Vertretern der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) gekommen.

Dank an Kollegen und Vorwürfe an Gegner

Christian Altaner verband seinen Rücktritt mit einem Dank für eine "stets konstruktive und von Vertrauen geprägte Zusammenarbeit" an seine Fraktionskollegen der CSU und die SPD-Fraktion. Ihm sei auch wichtig, Bürgermeister Hilmar Müller für eine stets kollegiale Zusammenarbeit zu danken, unterstrich er gestern.

Dessen Gruppierung, die UWG, schloss er nicht in diesen Dank ein. Stattdessen erklärte der 42-Jährige: "Mein durch die Krankheit bedingtes Fehlverhalten wurde durch den politischen Gegner in einer nie da gewesenen Art und Weise ausgeschlachtet, mit dem Ziel, mich und meine Familie menschlich zu vernichten." Er sei schockiert, dass aus seiner Sicht nicht davor zurückgeschreckt wurde, Halbwahrheiten und Mutmaßungen an Boulevardmedien weiterzugeben.

Am Freitag tritt Christian Altaner einen mehrwöchigen stationären Aufenthalt in einer Fachklinik an. 

Manfred Blendinger

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