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Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Michael Dörr ging Erdel auf aktuelle Entwicklungen in der NATO und der Bundeswehr ein und beleuchtete den Einsatz deutscher Streitkräfte in Afghanistan sowie die derzeitige Lage dort. Erdel ist Mitglied im Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestags und Oberst der Reserve. Er erläuterte zunächst das neue strategische Konzept der NATO. Demnach will diese weg vom klassischen Militärbündnis. Dabei sei man aber bestrebt, „die Grundpfeiler beizubehalten“ und sich auf die Bedrohungslage der heutigen Zeit beispielsweise durch Terrorismus und Guerilla-Methoden einzustellen.
Die Kernaufgaben der NATO – Beistandsverpflichtung gemäß Artikel 5 des NATO-Vertrags einerseits sowie Abrüstung und Rüstungskontrolle andererseits – bleiben jedoch laut Erdel erhalten. Die Reform der Bundeswehr war ein zweites Schwerpunktthema in Erdels Vortrag. Es gehe beispielsweise um eine „Abschmelzung der Bundeswehr auf wenige Panzerbataillone“, gleichzeitig aber um „eine länderübergreifende Zusammenfassung von Kapazitäten“, erläuterte der FDP-Politiker.In diesem Zusammenhang stellte er auch die Reformansätze der Liberalen für „eine Bundeswehr der Zukunft“ vor. Zum Beispiel gehe die FDP von einer Personalstärke von zirka 190000 Soldaten aus, die sich aus etwa 170000 Zeit- und Berufssoldaten sowie rund 20000 „Kurzzeitdienenden“ zusammensetzen würde. Damit einhergehen müssten allerdings ein neues Reservistenkonzept sowie eine Flexibilisierung der Verpflichtungszeiten für Berufssoldaten, ergänzte der Referent.
Nach dem Aussetzen der Wehrpflicht müsse es zudem ein neues Kurzzeitdiener-Modell geben. Unter dem Strich sei es Ziel der FDP, bei der Bundeswehr „Fett abzubauen und Muskeln aufzubauen“. Zur aktuellen Reformdebatte sagte der Politiker, ein allgemeiner Wehrdienst sei heutzutage sicherheitspolitisch nicht mehr erforderlich. „Und wenn nur noch 17 Prozent der Wehrpflichtigen einberufen werden, ist eine Wehrpflicht nicht mehr gerecht.“ An deren Stelle solle vielmehr ein militärischer Freiwilligendienst mit bis zu 23 Monaten Dauer treten. Ein soziales Pflichtdienstjahr als Ersatz für den Wehr- und Zivildienst werde es mit der FDP nicht geben, betonte Erdel. Dies sei schon aus praktischen Gründen nicht durchführbar. Als dritten Schwerpunkt ging Rainer Erdel auf den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr und die aktuelle Lage dort ein.
Erdels letzter Besuch in Afghanistan war im Juli, der nächste steht im Januar an. Es sei Aufgabe der Weltgemeinschaft, dass in Afghanistan dauerhaft Frieden einkehrt, machte der FDP-Mann deutlich. Ziel sei es, dass sich die Afghanen eines Tages selbst um ihre Sicherheit kümmern. Dass das nicht von heute auf morgen geht, sei allerdings klar: „Ich gehe davon aus,dass wir in Masar-e Sharif und zwei bis drei anderen Städten noch längere Zeit Uno-Truppen brauchen und haben werden“, prognostizierte das Mitglied des Verteidigungsausschusses. Aus der Fläche wolle sich die Uno aber bis 2014 zurückziehen.