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Die N-Ergie hatte ursprünglich geplant, das Projekt gemeinsam mit der Schmack Energie Holding (SEH) umzusetzen. Doch mit der überraschenden Insolvenz der Schmack Biogas AG im Oktober 2009 kam alles anders. Schmack bleibt zwar als Partner im Boot, mit E.ON Bayern Wärme ist aber nun ein anderer Miteigentümer eingestiegen.
Bereits in einem Jahr soll die Anlage Bioerdgas aus Mais und anderen nachwachsenden Rohstoffen produzieren und in das Erdgasnetz einspeisen. Beim gestrigen Spatenstich war bei den Beteiligten Erleichterung zu spüren, dass das Projekt nun doch endlich konkret wird. Die erste Schaufel Erde warfen in die Luft (von links) Vorstandsvorsitzender der N-Ergie Aktiengesellschaft Herbert Dombrowsky, Dr. Doris Klose-Violette als Vorsitzende des Zweckverbandes Gollipp, Landrat Walter Schneider, Dr. Fred Zeller als Sprecher der Liefergemeinschaft, Werner Dehmel, Geschäftsführer der E.ON Bayern Wärme und der derzeitige Geschäftsführer der Gollipp Bioerdgas Gmb H Dr. Jens Winkler. Rechts daneben Winklers bereits eingesetzte Nachfolger Manfred Ritz von E.ON Bayern und Franz Walter von N-Ergie.
14 Millionen werden N-Ergie und E.ON in die neue Bioerdgasanlage im Industriegebiet Gollipp nahe der A7 investieren. Schon bald sollen die Bagger anrollen, so dass in etwa einem Jahr gereinigtes Bioerdgas in die nahe Gasleitung einspeist werden kann.
Die Anlage nahe Gollhofen soll mit einer Leistung von 6,7 Megawatt laufen. Ursprünglich waren nur fünf vorgesehen. Pro Jahr sollen maximal 50 000 Tonnen Substratmaterial aus nachwachsenden Rohstoffen – zum Beispiel Maisund Grassilage sowie Zwischenfrüchte – verarbeitet werden und so rund 50 Millionen Kilowattstunden Bioerdgas produziert werden. Dieses wird auf Erdgasqualität gereinigt und in das Erdgasnetz der N-Ergie eingespeist. Genau diese Einspeisung ins Erdgasnetz ist das Entscheidende an dem Projekt.
Dadurch „können wir das Gas auf die Reise schicken und somit standortunabhängig einsetzen“, erklärte Werner Dehmel, Geschäftsführer von E.ON Bayern Wärme, dem neuen Partner der N-Ergie. Je zu 50 Prozent halten die beiden Energie-Unternehmen Anteile an der im September 2009 gegründeten Gollipp Bioerdgas Gmb H & Co. KG. E.ON tritt an die Stelle der im Oktober 2009 in Insolvenz gegangenen Schmack Biogas AG, die nun nur noch als Dienstleitungsanbieter für das Rohstoffmanagement zuständig ist.
Gerade nach den Verzögerung der Vergangenheit zeigte sich der Vorstandvorsitzende der N-Ergie Aktiengesellschaft, Herbert Dombrowsky, sehr froh über den neuen „zuverlässigen Partner mit Erfahrung“. Und tatsächlich hat E.ON bereits einige ähnliche Anlagen realisiert. Seit 2008 betreibt das Unternehmen eine der größten Anlagen zur Erzeugung von Bioerdgas in Deutschland, im oberpfälzischen Schwandorf. In Kallmünz, ebenfalls in der Oberpfalz, entsteht derzeit eine weitere Anlage der gleichen Größenordnug wie bei Gollhofen.
Von den ersten Überlegungen bei N-Ergie im Jahr 2007 bis zum ersten Spatenstich war es durchaus ein steiniger und langer Weg. Im März 2008 wurde noch eine Inbetriebnahme im dritten Quartal 2009 angestrebt. Nicht nur die unerwartete Insolvenz des Anteilseigners Schmack verzögerte das Projekt. Auch die Landwirte mussten erst überzeugt werden. Einige, besonders Betreiber kleinerer Biogasanlagen befürchteten Nachteile durch das Großprojekt, nicht nur für sich, auch für die Region und die ländliche Struktur als Ganzes.
Doch viele Landwirte sahen das anders und nutzten die sich ihnen bietende Chance. Laut Aussagen der N-Ergie ist die Rohstoffversorgung durch Verträge mit Landwirten aus der Region bereits zu maßgeblichen Teilen gesichert.
Weiß man um die Skepsis bei einigen möglichen Lieferanten, so hat der Dank, mit dem viele der Verantwortlichen Dr. Fred Zeller, den Sprecher der Lieferanten, bedachten, noch mehr Gewicht. Dr. Doris Klose-Violette, Ippesheimer Bürgermeisterin und Vorsitzende des Zweckverbandes Gollipp bezeichnete Zeller als „sachlichen Fürsprecher“, manchmal habe er aber auch Unterhändler“ sein müssen.
Zeller selbst ist mit dem Erreichten – mit den Verträgen, die er und andere für die Landwirte mit der Gollipp Bioerdgas ausgehandelt haben – sehr zufrieden. Er sprach von einem Deckungspreis von 450 Euro pro Hektar beim Mais und damit von mehr als bei anderen Feldfrüchten. Doch sei im Vertrag festgehalten, dass die Preise für das gelieferte Substrat angepasst werden, wenn die Getreidepreise steigen und auch größere Energieerlöse sollen an die Landwirte weitergegeben werden. „Damit setzen wir einen Standard in der Region, von dem auch andere Landwirte profitieren werden“, ist sich Zeller sicher.
Auch die beteiligten Politiker sehen nur Positives in dem Großprojekt. Dr. Doris Klose-Violette hält die Bioerdgasanlage für einen zukunftsfähigen Weg, um die „Landwirte in der Region zu stärken“ und die „gewachsenen Strukturen zu erhalten“. Ein klares Nein sprach sie hingegen für gentechnisch verändertes Saatgut aus. Landrat Walter Schneider lobte die Standfestigkeit, mit der Herbert Dombrowsky als Vorstandsvorsitzender der N-Ergie an dem Projekt festgehalten hatte und betonte die Wichtigkeit, bei Energie „ein Stück Selbstversorger“ und weniger abhängig vom Ausland zu sein.
Den nächsten Termin, um noch einmal miteinander anzustoßen, stellte Dombrowsky bereits in Aussicht: Wenn 2011 die Anlage in Volllast läuft, dann wird „richtig gefeiert“.
Sa. 17.03.12
Do. 15.03.12
Mi. 22.02.12
Do. 09.02.12