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Sonntag, 22.04.2018

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Aus dem Leben in den Laden oder Container

Seit Jahrzehnten helfen die Elops beim Auflösen von Wohnungen - 03.01.2018 09:41 Uhr

In der großen Halle auf dem Elops-Hof kommt alles an, was gespendet wird oder bei Wohnungsauflösungen anfällt. Von links im Bild: Carmen Preiß, Vladimir Hepting, Thomas Hiemer und Eugen Hassold. © Claudia Lehner


Hiemer ist bei den Elops schon seit vielen Jahren für Abholungen und Auflösungen zuständig, wahrt die emotionale Distanz. Das Ausräumen, Sortieren, Entscheiden, was weggeworfen, was verkauft und was als Hilfsgüter ins Ausland gebracht wird, ist sein Job. Ein bis zwei Wohnungsauflösungen sind es im Monat, erklärt Hiemer. Dazu kommen Abholungen von einzelnen Möbeln, die gespendet werden. Viele bringen Dinge, die sie abgeben wollen, auch selbst zu den Elops.

Was so zusammenkommt, ist nicht wenig. Ein flüchtiger Blick in die große Halle im Süden des Hofs zeigt, um welche Dimensionen es geht. Bis zur Decke stapeln sich in riesigen Regalen auf beiden Längsseiten palettenweise Kartons, Bierbänke, gar eine rote Telefonzelle. Am Boden stehen rollbare große Gitterkästen, darin auseinandergebaute Schränke, Sofas oder Matratzen.

Bis über den Tod hinaus

Vor Kurzem stand das Bett noch in einem Schlafzimmer, das Sofa vor dem Fernseher im Wohnzimmer. Thomas Hiemer könnte wohl sagen, wo, bei wem, in welcher Straße, aber er bleibt diskret. Die Privatsphäre der Kunden wird geachtet. Das betont auch Carmen Preiß, Geschäftsführerin bei den Elops. Wenn Persönliches beim Ausräumen auftaucht, ein Tagebuch oder Ordner mit Dokumenten, dann werden diese den Angehörigen zurückgegeben oder vernichtet.

Das können allerdings auch Momente sein, wenn eine Wohnung aufzulösen eben doch nicht ein Job wie jeder andere ist. Es habe sie "arg bewegt", erzählt Preiß von einem Terminkalender, der ihr in die Hände fiel und den die alte Dame bis über ihren Todeszeitpunkt hinaus geführt hatte. "Das ist ein ganzes Leben, das dann bei uns ankommt", beschreibt Preiß den Eindruck, den der kurze Blick in das Büchlein hinterlassen hat.

"Gut erhalten, sauber, unversehrt und brauchbar"

Aus ganz anderen Gründen wird so manches andere nicht angenommen, was bei einer Wohnungsauflösung anfällt. Das Gespendete sollte möglichst "gut erhalten, sauber, unversehrt und brauchbar" sein, wie es in einem Merkblatt der Elops heißt. Immerhin soll es weiter verwendet werden. Manchmal ist jedoch zu viel Leben an den Gegenständen hängen geblieben. "Verraucht und schmutzig" lasse sich nicht weiterverkaufen, erklärt Hiemer. "Wie im Fernsehen", beschreibt Eugen Hassold seinen Eindruck von manchen Wohnungen, ohne konkret zu werden. Da gebe es alles.

Vom Regenschirm bis zum Golfschläger-Set: Im Elopsladen scheint es alles zu geben. © Claudia Lehner


Null bis 90 Prozent: Die Menge, die noch zu verwerten ist, ist je nach Wohnung sehr unterschiedlich, erklärt Hiemer. Für manches muss einfach ein großer Container bestellt werden oder gleich mehrere: Dann wird sortiert, was wie entsorgt wird. Auch darum kümmern sich die Elops. Beispielsweise Pressspan, Glas und was übrig bleibt als Restmüll: "Das sind Kosten", sagt Hiemer über das Entsorgen. Manches ist zwar gut erhalten und dennoch nicht zu verwenden. Die Wohnzimmer-Schrankwand Eiche massiv aus den 1970er-Jahren sei derzeit nicht gefragt und zu sperrig für eine Hilfslieferung. Unentgeltlich können die Elops die Auflösungen nicht anbieten. Der Preis hängt davon ab, wie viel zu tun ist, welche zusätzlichen Kosten entstehen. Die Erlöse aus den Gebrauchtwarenverkäufen decken jedenfalls nicht die Kosten der Arbeit des christlichen Vereins, der auf Spenden angewiesen ist.

In der großen Halle auf dem Elops-Hof, nahe des Parkplatzes des Freilandmuseums, wird noch einmal sortiert: Kommt es in den Offenen-Hände-Laden oder gleich zu den Hilfslieferungen? Die große Halle zeigt nur einen Teil der riesigen Warenmengen, die durch die "offenen Hände" laufen: Hinten schließen sich weitere Räume an: Dort wird repariert und aufbereitet für den Verkauf, oder gelagert, was für Hilfstransporte bestimmt ist. Vladimir Hepting kümmert sich in seiner kleinen Werkstatt um Möbel, macht kleinere Reparaturen. Eugen Hassold testet Elektrogeräte auf ihre Funktionsfähigkeit.

Alle sozialen Schichten

"Im Laden treffen sich alle sozialen Schichten." Das freut Carmen Preiß. Manche, die einfach nur gerne stöbern, andere, die darauf angewiesen sind, sich mit möglichst günstigen Möbeln und Gebrauchsgegenständen einzudecken. Woher das kommt, was bei Elops angeboten wird, weiß der Kunde nicht. Die Geschichten, die sich dahinter verbergen, kennen nur die, die sie erlebt haben. Carmen Preiß erinnert sich an eine Frau, die im Laden ganz bewegt vor einer großen hölzernen Wanddeko stand. Die habe sie selbst gemacht, für ihre Kinder, erzählte diese dann. Als sie umzog, blieb die Holzarbeit zurück. Irgendwann landete sie im Offenen-Hände-Laden. Und dort hat die Handwerkerin sie auch zurückgelassen. Vielleicht macht sie ja mal einem anderen eine Freude. 

Claudia Lehner

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