Donnerstag, 15.11.2018

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Ausbau der Burgbernheimer Straße stößt auf Widerstand

Frostige Stimmung: Anwohner kommen sich "verascht" vor - 02.03.2018 16:50 Uhr

Gehen für ihre Straße auf die Straße: Anwohner der Kreisstraße 43 in Marktbergel mit ihrem Sprecher Karl-Heinz Eisenreich (rechts). © Günter Blank


In diesem Jahr steht der Ausbau der Kreisstraße NEA 43 zwischen Marktbergel und Burgbernheim an. Die Maßnahme zieht sich bis weit nach Marktbergel hinein und beginnt auch dort, in der Burgbernheimer Straße, weshalb Anwohner die Gelegenheit gerne dazu genutzt sähen, bauliche Maßnahmen zur Drosselung der Geschwindigkeit des Durchgangsverkehrs zu ergreifen. Zumindest versuchsweise hätten "bewegliche Einbauten" zur Fahrbahnverengung installiert und erzielte Effekte beobachtet werden können, so ihre Bitte. In ihrer Straße wünschen sie sich "Plastikbordsteine" (Eisenreich), mittels derer die Fahrbahn an einigen Stellen verengt und Autofahrer dazu gebracht werden können, den Fuß vom Gas zu nehmen.

Zwei vom Landratsamt in Auftrag gegebene Geschwindigkeitsmessungen – die erste lief vom 4. bis 12. Mai 2017 am westlichen Ortseingang, die zweite vom 12. bis 19. Oktober zwischen Flurweg und Herrengasse – werden von Anwohnern und Verantwortlichen im Landratsamt unterschiedlich interpretiert. Peter Holzmann, Leiter des Sachgebiets Tiefbau bilanzierte zwar "etwas zu hohe Geschwindigkeiten" von durchschnittlich 57 beziehungsweise 52 Kilometern pro Stunde, dieses Problem sollte "nach den allgemeinen Erfahrungen" jedoch mit einer ohnehin geplanten Maßnahme behoben werden: "In Absprache mit der Polizei und der Verkehrsbehörde wird ein Fahrbahnteiler, der auch gleichzeitig als Überquerungshilfe dient, am westlichen Ortsrand in die Fahrbahn eingebaut", schrieb Holzmann im Januar an Bürgermeister Kern. Nach "allgemeinen Erfahrungen" sei zu erwarten, dass sich dadurch die Durchschnittsgeschwindigkeit um drei bis fünf Stundenkilometer vermindert.

Frage der Verlässlichkeit

Karl-Heinz Eisenreich stellt die Frage, ob "allgemeine Erfahrungen" verlässlicher seien als "Ergebnisse von Probemaßnahmen mit beweglichen Einbauten". Er verweist auf die bei den Messungen festgestellten Geschwindigkeiten von über 100. Der Spitzenreiter brachte es auf Tempo 125, gemessen am 9. Mai zur Mittagszeit. Die Anwohner befürchten angesichts der Erneuerung – verbreitert wird die Fahrbahn nicht – eine Erhöhung der Geschwindigkeiten.

Nicht nur Eisenreich und die Anwohner, auch Bürgermeister Kern und die Gemeinderatsmitglieder befassten sich Ende 2017 zum wiederholten Male mit der Thematik. Zwar vertrat Manfred Kern bei der Ratssitzung am 14. Dezember in weiten Teilen die Meinung des anwesenden Holzmanns, wonach weitere Verengungen nicht sinnvoll seien, da sie durch Bremsen und Anfahren zu Belästigungen führten und sich der Verkehr auf Ausweichstrecken im Ort verlagern könnte. Gleichwohl formulierte das Gremium, nachdem Eisenreich seine Sicht der Dinge hatte darstellen dürfen, per Mehrheitsbeschluss und mit Kerns Stimme den Antrag, das Amt möge die probeweise Installation der Verengungen nochmals prüfen.

Gewisse Durchgängigkeit

Die in Teilen bereits zitierte Antwort aus Neustadt kam Ende Januar, ihre Kernbotschaft steht am Ende: "Wir bitten um Verständnis, dass wir den Antrag der Bürger und des Marktes ablehnen." Zur Begründung führte Peter Holzmann unter anderem an, die Kreisstraße müsse "eine gewisse Durchgängigkeit besitzen", da sie überörtlichen Verkehr zu bewältigen habe. Zusätzliche Einengungen seien "nicht gewünscht und werden auch von den Fachbehörden abgelehnt". Die Konsequenz: "Nachdem der Landkreis im Fahrbahnbereich keine Einbauten errichten wird, erfolgt auch keine Probe mit mobilen Elementen."

Genau damit ist für Karl-Heinz Eisenreich "die Katze richtig aus dem Sack". Das Landratsamt, sprich Holzmann, wolle das einfach nicht und darum würden "die seit einem Jahr beantragten Probemaßnahmen mit mobilen Elementen auch nicht durchgeführt". Seines Erachtens wurden Schritte im Sinne der Anwohner "vom Landratsamt bewusst hinausgezögert und verhindert". Obwohl er wiederholt nachgefragt habe, habe sich "weder seitens des Landratsamtes noch von der Gemeinde in diese Richtung etwas spürbar bewegt". Im Sommer etwa habe man sich darauf verständigt, dass Robert Kett, Geschäftsleiter der Verwaltungsgemeinschaft Burgbernheim, ein Gespräch mit Vertretern der Landratsamts organisieren solle. Als er später Holzmann bei einem Ortstermin darauf ansprach, habe dieser nach eigener Aussage nichts davon gewusst, erinnert sich Eisenreich.

Eines wurde laut Eisenreich zu spät deutlich: Um überhaupt nochmals auf die Planung einwirken zu können, hätte es schon frühzeitig eines entsprechenden Ratsbeschlusses, wie er im Dezember gefasst wurde, bedurft. Denn der Rat hatte im Oktober die Planungen abgesegnet, Manfred Kern die Verträge unterschrieben. Vorangegangen war eine Einbindung der Anwohner, deren Ergebnis Kern gegenüber Eisenreich im November so zusammenfasste: "Alle Verbesserungsvorschläge und Ausbauwünsche, die auf der Anliegerversammlung gemacht wurden, wurden berücksichtigt und umgesetzt."

Stets eingebunden

Bürgermeister Manfred Kern kann den nun entfachten Wirbel nicht nachvollziehen. Die Anwohner seien stets in die Planung eingebunden gewesen, hätten ihre Wünsche und Anregungen darlegen können, von denen ein großer Teil in die Planung übernommen worden sei. So werde es auf Wunsch der Anwohner keinen zweiten Gehsteig und auch keine Fortsetzung des aus Richtung Burgbernheim kommenden Radweges neben der Straße geben. Auch die nun geplante Verkehrsinsel am Ortseingang sei Ausfluss einer Informationsveranstaltung gewesen.

Ob beim von den Anliegern gewünschten Verzicht auf den Gehsteig die in der Gemeinde existente Straßenausbaubeitragssatzung, deren politisches Ende damals nicht absehbar war, eine Rolle spielte, kann Kern nur mutmaßen. Sicher ist er sich dagegen in einem anderen Punkt: "Ich habe im Vorfeld alles getan, die Anwohner mit einzubinden", wie er seit jeher in seiner Amtszeit versuche, die Dinge offen und öffentlich zu diskutieren. Bei allem Verständnis für Wünsche der Anwohner müsse er als Bürgermeister aber auch die Gesamtsituation im Auge behalten. Von daher gelte es im konkreten Fall, nicht durch bauliche Maßnahmen Situationen zu schaffen, welche zu grundlegende Änderungen des Verkehrsflusses zur Folge haben könnten. Ein Ausweichverkehr durch die Siedlungsstraße An der Frankenhöhe – überdimensioniert, weil einst als Erschließungsstraße für ein Gewerbegebiet geplant und daher zum Durchfahren einladend – sollte verhindert werden. Dafür sei das eine die Kreisstraße, die anderen die Ortsstraße. Im Übrigen vertraue er auf die Kompetenz im Landratsamt, sagt Kern. "Der Herr Holzmann baut nicht zum ersten Mal eine Kreisstraße, und er baut nicht zum ersten Mal eine Ortsdurchfahrt." Und ohnehin liege die Veranwortung nun mal beim Landratsamt.

Für Peter Holzmann ist die Sache klar. Man sei dem Wunsch des Rates nachgekommen und habe das Ansinnen der Anlieger nochmals mit Polizei und Verkehrsbehörde geprüft. Das Resultat in einem Satz: "Die Verengung wird definitiv nicht gemacht." Er sei der "festen Überzeugung", dass durch die geplante Insel, welche auch Überquerungshilfe für Radfahrer sein soll, der Verkehr hinreichend abgebremst wird.

Straßenbau startet im Mai

Zum weiteren Vorgehen sagte Holzmann, die Förderzusage der Regierung von Mittelfranken liege vor, derzeit bringe man die Ausschreibung auf den Weg, die Vergabe der Arbeiten könnte im April erfolgen. Der Baubeginn erfolge, wenn die Gemeinde mit ihrem Kanal- und Wasserleitungsbau in dem Bereich fertig sei. Peter Holzmann rechnet damit, dass der Ausbau der Straße im Mai beginnt.

Und Karl-Heinz Eisenreich? Dem bleibt die eingangs zitierte subjektive Erkenntnis, zum Narren gehalten worden zu sein . Wolle man irgendetwas Positives dabei sehen, dann sei es dies, ergänzt er: "Es wurde ganz offen gemacht." 

Günther Blank

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