Mittwoch, 14.11.2018

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Bad Windsheim: Käferholz türmt sich am Wegesrand

Staatsforsten lagern Stämme - Radler klagen über Rindenabfall auf dem Weg - 05.09.2018 18:03 Uhr

Rund 2000 Festmeter Fichtenholz sind derzeit entlang des Radwegs zwischen Bad Windsheim und Lenkersheim aufgeschichtet. © Fotos: Claudia Lehner


Wie berichtet setzt der Fichtenborkenkäfer in diesem Jahr dem heimischen Wald wieder einmal schwer zu. Knapp 1400 Meter Käferholz, also vom Buchdrucker befallene Fichten, hat allein die Stadt Bad Windsheim aus dem Schußbachwald sowie aus dem Stadtwald bei Lenkersheim und Ickelheim dort gelagert. Das Holz muss raus, sagt Stadtförster Sven Finnberg, denn: Die effektivste Methode, dem Borkenkäfer Herr zu werden, sei die, das Holz aus dem Wald zu holen.

Die Alternative wäre, das Holz im Wald aufzutürmen und zu lagern. Dann müsste es begiftet werden, um die weitere Ausbreitung des Käfers einzudämmen. Allerdings sei zum einen die Wirkung "zweifelhaft", weil man die Käfer im Innern großer Holzpolder nicht erreiche, zum anderen habe man dann das Gift im Wald.

"Wir wollen nicht spritzen", lässt Finnberg keinen Zweifel am Mittel der Wahl. Damit die Fichtenpopulation aber nicht noch mehr geschädigt wird, muss das Käferholz so schnell als möglich raus aus dem Wald, sonst wäre die Fichte schnell weg. "Wir haben im Moment keine andere Möglichkeit", sagt Finnberg.

Ähnlich sieht man es wohl bei den Verantwortlichen der Bayerischen Staatsforsten, denn die haben ebenfalls rund 600 Festmeter Holz entlang der früheren Bundesstraße gestapelt. Im Jahr 2005 habe man schon einmal mehr als 1000 Festmeter Holz dort gelagert, erinnert sich Stadtförster Finnberg.

Ein bisschen Rinde

Was die Verschmutzung des Weges mit Rinde anbelangt, bittet Finnberg um Verständnis. "Wir fahren schon oft hin und machen sauber", sagt er, und auch die Fahrer der Holzfuhrwerke, die das Käferholz abholen, seien angehalten, die Straße sauberzuhalten. Doch könne es "schon sein, dass noch eine Zeit lang ein bisschen Rinde rumliegt". Genau genommen werde es wohl November werden, bis die temporäre Buchdruckerallee wieder frei von städtischen Fichtenstämmen sein wird. Zum einen kommen laut Stadtförster Finnberg noch etwa 600 weitere Festmeter Käferholz aus dem Wald, zum anderen erfolge auch die Abfuhr nicht in Höchstgeschwindigkeit. Dies wiederum liege daran, dass sowohl die Transportunternehmen als auch die Sägewerke, die das Käferholz weiterverarbeiten – im Fall des Holzes aus dem Stadtwald die Firma Rettenmeier in Wilburgstetten – wegen des bayern- wie bundesweit in großen Mengen anfallenden Käferholzes stark überlastet seien.

Der Buchdrucker hinterlässt seine Spuren an den Bäumen.


Preisverfall beim Holz

Mit diesem Überangebot an Fichtenholz, welches zudem wegen Verfärbungen nurmehr eingeschränkt genutzt werden könne, geht ein Preisverfall für den Rohstoff aus dem Wald einher. Den hat auch schon die Stadt Bad Windsheim zu spüren bekommen, die erst 2017 gegenüber anderen Jahren für eine vergleichbare Menge Fichtenholzes einen Mindererlös von rund 100 000 Euro hinnehmen musste.

So wie Radfahrer wohl noch eine Weile Rindenreste auf dem Radweg nahe Lenkersheim hinnehmen müssen. Sven Finnberg kündigte jedoch an, die Fahrer der Fuhrwerke um verstärke Unterstützung bei der Reinhaltung des Weges zu bitten. Und Radlern, die Tempo rausnehmen, bietet sich vielleicht sogar die Gelegenheit, an den Baustammbergen Schwalben bei ihrer Jagd nach Buchdruckern zu beobachten – solange die Zugvögel noch im Lande sind. Ein Teil ist bereits weg, in rund zwei Wochen werden die letzten von ihnen den Abflug in den Süden machen. 

GÜNTER BLANK

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