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Samstag, 22.09.2018

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Burgbernheimer Stadtrat gegen Bestattungswald

Baum-Beisetzungen ab Herbst auf dem Friedhof möglich - 28.04.2018 14:19 Uhr

Entlang des nordöstlichen Rands des Burgbernheimer Friedhofs sind ab Herbst dieses Jahres Baumbestattungen möglich, für die keine Grabpflege notwendig sein wird. © Christine Berger


Ein Areal um zwei neu gepflanzte Blumeneschen im sogenannten unteren Friedhof am nordöstlichen Rand bietet Platz für voraussichtlich bis zu 72 Urnen, informierte Pfarrer Wolfgang Brändlein auf Nachfrage im Vorfeld der Stadtratssitzung. Der Kirchenvorstand griff bei seiner Entscheidung das vielfach zugunsten von Naturfriedhöfen angeführte Argument der wegfallenden Grabpflege auf und sprach sich für eine schlichte Begrünung der Fläche aus.

Kleine Täfelchen mit den Namen der Verstorbenen sind vorgesehen, sie hält der Theologe aus dem christlichen Verständnis heraus für dringend erforderlich. Eine direkte Zuordnung zur individuellen Grabstätte wird es aber nicht geben, ebenso wenig Blumen- oder anderen Grabschmuck. Die Kosten hat der Kirchenvorstand ebenfalls bereits festgelegt: 1100 Euro wird die Grabstätte für 20 Jahre kosten, eine Verlängerung darüber hinaus ist nicht möglich.

Neben den Erdgräbern und den Urnen-Erdgräbern wächst der Burgbernheimer Friedhof damit um eine dritte Bestattungsmöglichkeit. Die steigende Nachfrage nach Urnengräbern wurde von der Kirchengemeinde aufgegriffen, neben dem bestehenden Bereich westlich der Leichenhalle ist ein zweiter in Richtung Kapellenberg begonnen worden. "Wir wollen es ein bisschen mischen", hält Brändlein die Vermengung von Feuer- und Erdbestattungen für sinnvoll. Zwar ist die Frage der Wirtschaftlichkeit der Friedhofsanlage für den Theologen klar zweitrangig, ganz außer Acht lassen kann sie die Gemeinde als Träger dennoch nicht.

Vielfältige Funktion

Vor allen Dingen aber geht es ihm darum, den Friedhof in seiner vielfältigen Funktion zu erhalten. Nicht nur als Ort der Trauer, dient er auch dem Austausch der Besucher und als Treffpunkt, wie es Brändlein immer wieder erlebt. Darüber hinaus ist er für ihn eine Art Ortsgedächtnis. Als Beispiel erzählt er vom Konfirmandenunterricht, wenn es die Jugendlichen zum Grab von Familienmitgliedern zieht oder sie bei bekannten Namen auf den Grabsteinen innehalten. "Das ist wie die Chronik einer Gemeinde."

Ein Argument, das in der Stadtratssitzung ebenfalls eine Rolle spielte. Hans Hauptmann (Freie Bürger) plädierte für einen Friedhof im Ort, um die lokale Bezogenheit zu bewahren. Die Möglichkeit der Begegnung sei eine Art der Trauerkultur, die er gerne erhalten würde. Einige Stadträte störten sich explizit an dem Begriff ortsfremder Personen, deren Beisetzung dem Antrag der SPD zufolge ebenfalls vorgesehen war. "Es ist nicht so romantisch, wie man es sich vorstellt", erzählte Stadträtin Astrid Paulus-Berberich (CSU) von der zuweilen betriebsamen Atmosphäre eines bestehenden Friedwalds. Stefan Schuster (CSU) wollte jegliche Form eines Bestattungstourismus, wie er es nannte, ausschließen. "Das ist genau das, was wir nicht brauchen."

Zwar konnte sich Dietmar Leberecht (SPD) eine örtliche Begrenzung des Einzugsgebietes vorstellen. Dass dies rechtlich möglich ist, wurde im Gremium aber ebenso angezweifelt wie die Wirtschaftlichkeit, wenn die Einnahmen entsprechend sinken. "Man muss richtig investieren", warnte Gerhard Wittig (Freie Bürger), Waldreferent des Stadtrates, die Anlage eines Bestattungswalds allzu sehr auf die leichte Schulter zu nehmen. "Ich bin generell nicht dagegen", unterstrich er, doch fürchtete er gewisse Konkurrenz für den bestehenden Friedhof.

Keine Konkurrenz

Allerdings war den Antragstellern aufseiten der SPD-Fraktion, Karl-Otto Mollwitz, Josef Bacher und Dietmar Leberecht, wichtig, eben keine Alternative, sondern ein zusätzliches Angebot schaffen zu wollen: "Es soll keine Konkurrenz sein zu unserem schönen Friedhof", betonte etwa Mollwitz. In ihrem Anliegen, auf die sich wandelnde Bestattungskultur zu reagieren, erhielten sie auch grundsätzlich Unterstützung im Ratsgremium. Stefan Schuster sah "gravierende neue Herausforderungen" auf Kirche und Kommune zukommen, Bürgermeister Matthias Schwarz hob das Interesse der Stadt an einer Vielfalt der Bestattungsangebote hervor.

Bei der Abstimmung blieb dennoch die SPD-Fraktion unter sich. Für die Aufforderung an die Stadt, die Grundlagen für einen Bestattungswald im Stadtwald abzuklären, sprachen sich lediglich Mollwitz, Bacher und Leberecht aus, der Antrag war damit abgelehnt. 

Christine Berger

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