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Central Lichtspiele: Aus für Bad Windsheims letztes Kino

Filmtheater schließt im Juli – Gebäude wird umgebaut und anders genutzt - 06.02.2018 12:33 Uhr

Im Sommer flimmern in den Central Lichtspielen die letzten Filme über die Leinwand. © Foto: Claudia Lehner


Nach 20 Jahren hören Josef Kopelent, seine Frau Waltraud sowie Besime Yilderim auf. Nachfolger wird es wohl nicht geben. Das Gebäude soll umgebaut werden.

"Wir gehen langsam ins Rentenalter über", erklärt Josef Kopelent, wieso er und seine Frau kein Kino mehr betreiben werden. Die Entscheidung war im Januar gefallen. Die Verlängerung des Pachtvertrages stand an. Mit 67 Jahren sei gut zu überlegen, ob man sich noch einmal für fünf Jahre festlegt, sagt Kopelent. Für die Besitzerfamilie hätte es sich günstig gefügt, da sie ohnehin andere Pläne für das Gebäude habe. Wie Susanne Koch bestätigt, wird das Gebäude umgebaut, in der Familie anders genutzt.

Leicht gemacht haben sich die Kopelents die Entscheidung nicht. "Auf der einen Seite freue ich mich auf einen anderen Lebensabschnitt, abends auch einmal in Konzerte und Veranstaltungen gehen zu können oder mehr als fünf Tage am Stück zu verreisen. Andererseits blutet mir das Herz in der Brust", sagt der studierte Germanist.

Ehepaar führte auch schon das Babylon in Fürth

Das Ehepaar hängt am Kino. Seit 1998 betreibt es die Central Lichtspiele. Ein Kino mit Tradition, das in den 1920er-Jahren eröffnet wurde, wie Irene Espert, Susanne Kochs Mutter, erzählt, deren Familie lange dieses Kino und ein weiteres in Bad Windsheim betrieben hat. Ende der 1990er-Jahre haben Kopelents den Saal umgebaut, von gut 200 auf 100 Sitze verkleinert. Mit Kino kannten sie sich aus, zuvor hatten sie zehn Jahre das Babylon in Fürth geführt.

Entscheidend ist dabei eine gehörige Portion Begeisterung. "Man kann nicht davon leben, das ist nur ein Nebenerwerb", sagt der Kinobetreiber klar, der auch noch Führungen im Freilandmuseum anbietet und Imker ist. Auf dem Land sei die "Zeit des großen Kommerz" schon lange vorbei, die Erfüllung liege da woanders. In einem kleinen Ort habe Kino eher kulturellen Stellenwert.

Filme abseits des Mainstreams

Und so hat Kopelent auch die Central Lichtspiele betrieben. Er hat viele Kooperationen mit Vereinen und Institutionen geschlossen, wie für die Schulfilmwoche oder das Kino-Event des Kreisjugendrings. Mit dem Hospizverein oder dem Komitee für Städtepartnerschaften wurden außergewöhnliche Filme gezeigt, oft mit Diskussion danach. Mittwochs gab und gibt es bis Juli einen besonderen Film, jenseits des Mainstream.

Dazu kommt das Open-Air-Kino im August, das Kopelent bisher im Freilandmuseum veranstaltet hat – mit dem Saal der Lichtspiele als Ausweichmöglichkeit für schlechtes Wetter. Mit dem Museum suche man nach einer Alternative, sagt Kopelent und verweist auf Gespräche mit Jürgen Müller, Verwaltungsleiter des Freilandmuseums. Aber entschieden sei noch nichts, auch nicht ob es danach weitergeht – zumindest im Sommerkino in Bad Windsheim.

Nach der Schulfilmwoche ist Schluss

Nach 20 Jahren ist für die Kopelents und ihre Mitpächterin auf jeden Fall die Ära der Central Lichtspiele vorbei. Der Vertrag läuft Ende Juli aus. Die Schulfilmwoche wird noch stattfinden. Am 20. Juli ist dann Schluss. Der Rest des Monats ist zum Ausräumen eingeplant. So werden zum Beispiel die Projektoren verkauft. Die sind laut Kopelent noch gar nicht alt. Erst vor fünf Jahren war von Filmrollen auf digitale Daten umgestellt worden.

Wenn es irgendwie weitergeht, würde das Josef Kopelent freuen. "Das Kino wird sicher vielen fehlen", da ist er sich sicher. Gerne hätte er einen Nachfolger eingearbeitet, doch auch den Saal wird es ja bald nicht mehr geben. Sollte ein Verein oder Ähnliches entstehen, der Kino anbietet, dann würde er ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen, sagt Kopelent. Selber etwas aufziehen, das will er aber nicht mehr. 

Claudia Lehner

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