Donnerstag, 17.01.2019

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Der Investor braucht einen Plan B

Rewe-Konzern zieht sich aus Supermarkt-Planungen in Scheinfeld zurück – Bürgerbegehren auf der Kippe - 10.01.2019 11:30 Uhr

Seit über 30 Jahren entwickelt sich hier nichts, der Supermarkt wäre eine Chance. Doch ob er kommt, ist offen. © Foto: Nico Christgau


"Selbst der Investor hat sowas noch nicht erlebt", erklärt Claus Seifert auf WZ-Nachfrage. "Bis zum Schluss kann immer was passieren, damit muss ein Investor rechnen." Das Problematische an der Sache sei jedoch gewesen: "Es gab keinen Plan B."

Das Bürgerbegehren sei damit noch nicht hinfällig, betont Seifert. Denn dieses richtet sich gegen die Ausweisung des Sondergebietes selbst, nicht gegen die Ansiedlung des Rewe-Supermarkts. Noch bis Ende der Woche habe Seifert dem Investor Zeit gegeben, der Stadt eine Alternative vorzulegen. Das ist wenig Zeit, doch mehr sei wegen des Bürgerbegehrens nicht möglich. Würde der Investor bis Freitag beispielsweise eine andere Supermarkt-Kette für sein Vorhaben begeistern können, könnten Teile des Verfahrens angepasst werden, "im Kern würde es bleiben", sagt Seifert. In den Planungen stecken zwei Jahre Arbeit, Studien und erhebliche Kosten für Mibeg, "locker im sechsstelligen Bereich", schätzt der Bürgermeister.

Doch kann der Investor so schnell einen Plan B aus dem Hut ziehen? Da hat auch Seifert Zweifel: "Ich kann es mir nicht vorstellen." Das hieße, falls sich der Investor ebenfalls zurückziehe, würde das Bebauungsplan-Verfahren eingestellt. Was dies jedoch für den bevorstehenden Bürgerentscheid zu bedeuten hätte, vermag der Bürgermeister noch nicht zu sagen. Das müsse er erst rechtlich abklären.

Seifert selbst hat die Umwandlung des Industriegebiets in ein Sondergebiet Großflächiger Einzelhandel aus mehreren Gründen befürwortet, so wie auch die große Mehrheit des Stadtrates, auch wenn er Verständnis für die eingebrachten Einwände zeige. Es gebe aber kaum noch ein Projekt, bei dem niemand seinen Unmut äußere. "Selbst wenn sie einen Baum fällen, führen wir eine Debatte über den Klimawandel." Doch: "Je mehr Angebot eine Stadt bieten kann, desto attraktiver ist sie", ist das Stadtoberhaupt überzeugt. Und nur in diese westliche Richtung, unter anderem aus topographischen Gründen, habe die Stadt Scheinfeld das Potenzial, sich zu entwickeln. Hinzu komme, dass besagte rund 14 300 Quadratmeter große Fläche "seit über 30 Jahren Industriegebiet ist, die sich nicht entwickelt" und direkt am Kreisverkehr liege – der Kreuzung mit dem meisten Verkehr.  

NICO CHRISTGAU

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