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Diakonie investiert in Neubau in Bad Windsheim

Vorstand erläutert Standortentscheidung - Zukunftsfähige Demenz-Behandlung - 31.07.2018 21:14 Uhr

Jürgen Zenker (links) und Dr. Mathias Hartmann sehen sich auf der Baustelle für das Seniorenzentrum der Diakonie Neuendettelsau um. © Katrin Müller


"Wir mussten uns von Experten sagen lassen: no way", betont Zenker. Das 1971 gebaute Marienheim entspreche nicht mehr dem Pflegewohnqualitätsgesetz. Heizungstechnik, Strom- und Wasserleitungen seien in die Jahre gekommen. Alleine die mittlerweile erforderliche Quadratmeterzahl der 38 Einzelzimmer hätte man im bestehenden Gebäude mit rund 115 Heimplätzen nicht mehr realisieren können. "Eine Weiternutzung ohne große Investition wäre nicht möglich gewesen", sagt Zenker. Nicht nur der wirtschaftliche Aspekt, sondern auch das Umfeld und die Infrastruktur für Senioren seien es schließlich gewesen, die den Ausschlag gaben, an der Erkenbrechtallee in Bad Windsheim ein neues Seniorenzentrum zu bauen. Bad Windsheim sei ein "attraktives Gesundheitspflaster". Viele Angebote für ältere Menschen, der nahe gelegene Kurpark und die Franken-Therme, nennt Zenker Beispiele. Angehörige und Senioren fühlten sich zudem sicher, da das Krankenhaus direkt gegenüberliegt, fügt Hartmann an.

Rund 19 Millionen Euro investiert die Diakonie Neuendettelsau in den Neubau. Da müsse man zukunftsfähig denken und schon allein wegen der Abschreibung überlegen, ob ein Standort auch in 25 Jahren noch attraktiv ist. "Es ist eine neue Perspektive, die wir in Bad Windsheim schaffen wollen", erklärt Hartmann. Die Diakonie sei auf Demenz spezialisiert, sei bundesweit einer der ersten Träger gewesen, welcher die immer häufiger werdende Krankheit "auf der Agenda hatte" und entsprechend Erfahrung hat, sagt Zenker. "Es wird keine Freiheitsentzugsmaßnahmen geben", sagt Zenker. Das bedeutet keine verschlossenen Türen, stattdessen vielleicht Armbänder, die dem Pflegepersonal signalisieren, wenn ein dementer Bewohner den sicheren Bereich verlässt. Ziegen, Hasen und Katzen gibt es bereits im Marienheim, die sollen auch in Bad Windsheim ein Domizil bekommen. Der Kontakt zu Tieren fördere es, dass sich Menschen öffnen, das habe er selbst zwar auch erst lernen müssen, mittlerweile sei er aber überzeugt.

Verantwortliche noch auf Namenssuche

120 Zimmer, davon 30 Rollstuhlfahrerzimmer und neun Doppelzimmer, verteilt auf drei Stockwerke, dazu ein Erdgeschoss mit Verwaltungstrakt und Physiotherapieangebot. Die Grundsteinlegung findet am 12. Oktober statt, nach einer Bauzeit von zwei bis 2,5 Jahren sollen die ersten Bewohner einziehen. Das Personal werde übernommen, Gespräche werden derzeit schon geführt. Zusätzlich werden Mitarbeiter eingestellt. In Obernzenn sind es momentan 53 Planstellen (Vollzeit), in der Kurstadt rechnet man mit 60, das entspreche laut Zenker 80 bis 90 Arbeitsplätzen. Einen Namen habe man noch nicht: "Marienheim steht für Obernzenn", schließt Zenker eine Übernahme aus. Man orientiere sich da heutzutage eher regional. Seniorenzentrum am Kurpark, an der Therme oder an der Erkenbrechtallee überlegten die Vorstände spontan. "Da sind wir erfinderisch, da fällt uns was ein", sagt Zenker.

Aufgrund der hohen Investitions-summe müssen die Pflegeplätze teurer werden, wieviel, das könne man frühestens in einem Jahr sagen. Senioren, die sich für einen Platz interessieren, gebe es bereits jetzt, sagt Zenker. Ein Zuspruch, den man sich für Obernzenn nur wünschen könne, denn dort seien die Belegungszahlen "schwankend rückläufig" seit bekannt wurde, dass die Einrichtung in rund zwei Jahren geschlossen werde, bestätigt Zenker. Habe man zuvor eine Auslastung von 98 Prozent gehabt, sei diese nun "deutlich darunter", in Zahlen aber nicht zu sagen, da auch viele andere Faktoren, wie eben das veraltete Gebäude, eine Rolle spielten.

In der Kommunikation sei aus Sicht der Diakonie nichts schiefgelaufen. Ein Vorwurf, der in Obernzenn immer wieder laut wird. 2015 habe es erste Gepräche mit der Gemeinde gegeben, in denen die Situation genau dargelegt worden sei.

Küchenübernahme wird geprüft

Dass eventuell die Küche im Gebäude des Marienheimes bleibt, sei immer noch denkbar, erklärt Hartmann: "Es wird geprüft." In Rücksprache mit der Gemeinde könne diese die Räume künftig für Angebote nutzen, "die in Obernzenn gebraucht werden", da sieht Zenker die Gemeinde als Zugpferd, die Diakonie könne nur Unterstützung anbieten. Falls die Teilnutzung durch eine Küche oder die Kommune nicht in Frage komme, erklärt Hartmann, werde das Gebäude abgerissen.

Am Standort Obernzenn halte man dennoch fest, wie die Investition von 1,8 Millionen Euro in die Erweiterung der Behindertenwerkstatt zeige. In diesem Bereich wolle man in Obernzenn weiter arbeiten und auch weiter investieren, sagt Zenker. Das gelte auch für das Waldheim bei Urphertshofen. "Das ist ein sozialpolitisches Pfund für Obernzenn", sagt Zenker und Hartmann fügt an: "Und eine Perspektive für den Landkreis." 

Katrin Müller

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