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Drei Seniorinnen feiern 80-jähriges Konfirmationsjubiläum

Maria Bromma, Babette Wolf und Betty Hübler blicken zurück auf besonderes Fest - 07.11.2017 11:35 Uhr

Einige wenige Fotografien in Schwarz-Weiß erinnern an die Konfirmation in Kaubenheim 1939 von Maria Bromma und Betty Hübler. © Fotos: Claudia Lehner


Vor ihnen die einzigen beiden Jungen in diesem Jahrgang in Anzug und mit Hut auf dem Kopf sowie der Pfarrer, ganz in Schwarz mit weißem Beffchen und hoher Kopfbedeckung. Würdevoll sehen sie aus, auf der gut erhaltenen Schwarz-Weiß-Fotografie. Noch ist Frieden, doch nicht mehr allzu lange.

Heute sind die langen Zöpfe verschwunden. Schlohweiß sind die Haare und deutlich kürzer. Doch wenn Betty Hübler, Babette Wolf und Maria Bromma bei Kaffee und Kuchen zusammensitzen und erzählen, scheint der Festtag vor gut acht Jahrzehnten gar nicht so weit weg. Ein großer Tag war ihre Konfirmation damals. Ein besonderes Ereignis mit zwei Gottesdiensten und angefüllt mit vielen Besuchen und gutem Essen.

Das ist lange her. 80 Jahre oder zumindest beinahe. Denn die drei wurden nicht alle im gleichen Jahr konfirmiert. Babette Wolf feierte bereits 1937 ihre Konfirmation, Betty Hübler und Maria Bromma zwei Jahre später sowie Babette Sauerhammer 1940, im Jahr nach Beginn des Zweiten Weltkriegs. Zum Kaffeekränzchen konnte sie nicht kommen. Doch alle zusammen haben sie vor wenigen Wochen in der Kaubenheimer Kirche ein besonderes Fest gefeiert: die Eichene Jubel-Konfirmation. Das ist selten im Dekanat, wie das Sekretariat auf Nachfrage der Windsheimer Zeitung bestätigt.

An den Tag, als sie zu mündigen Christen wurden, wie es in der protestantischen Kirche Tradition ist, erinnern einige kleine schwarz-weiße Fotografien, die sie mitgebracht haben: mit dem Pfarrer nahe der Bergkirche Sankt Michael, nebeneinander zum Gruppenfoto aufgereiht, alleine oder mit Schwester im Festtagskleid.

Im Wandel der Zeit

„Wisst ihr noch?“ Maria Bromma, Babette Wolf und Betty Hübler (von links) tauschen Erinnerungen aus an die Zeit ihrer Konfirmation vor gut 80 Jahren. © Fotos: Claudia Lehner


Das war der damaligen Mode entsprechend etwas nüchterner als es aktuell Konfirmanden tragen und auch der Festtag verlief etwas anders als heute. Nach dem Gottesdienst in der Früh ging es nach Hause zum Mittagessen, für die Konfirmanden aus Kaubenheim zumindest. Denn mit ihnen feierten auch die Jugendlichen aus Berolzheim Konfirmation. Doch da sie zu Fuß in den Nachbarort hätten laufen müssen, aßen sie beim Pfarrer, wie sich die in Berolzheim aufgewachsene Maria Bromma erinnert. Danach trafen sich alle noch einmal in der Kirche. Dort wurden die Konfirmationssprüche verteilt.

Daran schloss sich eine lange Reihe von Besuchen an: bei allen Familien der Konfirmanden. Dort gab es Kaffee und Kuchen oder eine Kleinigkeit zu essen. "Erst in Kauma, dann in Berolza", wie Betty Hübler erzählt.

Traditionsgebäck

Zur Konfirmation wurde groß aufgetischt und gebacken – nicht nur für die eigene Familie. Die Jugendlichen trugen sogenannte Bündel aus. Das ist Gebäck in einer weißen Serviette oder einem anderen Tuch eingepackt, wie Maria Bromma erzählt. Eine Tradition, die es auch heute in manchen Ortschaften noch gibt. Mit solchen Bündeln wurden die Nachbarn bedacht, aber auch die Zugehfrau, Gemeindediener und die Tagelöhner bekamen etwas. Die Konfirmanden erhielten dafür Geschenke, eine Tortenplatte, eine Sammeltasse oder, wie Betty Hübler ergänzt, eine Tafel Schokolade.

Die Anlässe zum Feiern waren dünner gesät als heute. "Das ganze Jahr über wurde nix gebacken", erinnert sich die 94-jährige Babette Wolf aus Kaubenheim, nur zur Kerwa und bei ganz besonderen Anlässen, wie eben zur Konfirmation. "Ich hab‘ gar nicht gewusst, wann meine Eltern Geburtstag haben", sagt Maria Bromma in der Rückschau auf ihre Kindheit. Das machte die Konfirmation noch mehr zu etwas Besonderem. Die Mädchen bekamen zwei neue Kleider, wie die 91-jährige Maria Bromma erzählt: ein helles oder farbiges für den Samstag und die Beichte, ein dunkles für die Konfirmation selbst. Das helle gab es von der Patin, wie Maria Bromma erzählt. Ihres war blau, das weiß sie noch genau. Weinrot war das von Babette Wolf.

Damals wie heute

Wie die heutigen Präparanden haben sich auch damals die Mädchen und Jungen auf das Bekenntnis zum Glauben vorbereitet – mit dem damaligen Pfarrer Kornder. Der war durchaus streng, wie sich die Frauen, aber auch zwei der Ehemänner am Tisch, Erwin Hübler und Alois Bromma, erinnern. Wenn einer nicht folgte, gab es Schläge mit dem Stock auf die Hand. Ein "großer Wanderer", so Alois Bromma, war der Pfarrer aber auch. Der Konfirmandenausflug ging entsprechend zu Fuß in Richtung Sugenheim, durch den Wald. Dort war ein Sohn des Pfarrers zu dieser Zeit in einem Arbeitsdienstlager.

Die Nationalsozialisten waren schon an der Macht, als die vier Mädchen ihre Konfirmation feierten. Noch war aber Frieden oder war noch nicht viel vom Weltkrieg zu spüren, der 1939 begonnen hatte. Selbst 1940, als Babette Sauerhammer ihr großes Fest hatte. "Auch im ersten Kriegsjahr war es noch so wie bei uns", erinnert sich Betty Hübler. 

CLAUDIA LEHNER

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