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Mit der Eröffnung des Schulhauses von 1801 bietet sich im Freilandmuseum nun die Möglichkeit, das Schulwesen auf dem Lande in früheren Zeiten anschaulich zu machen. Bis in die 1960er Jahre hinein gab es in der Region noch die einklassige Dorfschulen, in denen alle Alterstufen eines Dorfes von einem Lehrer in einem Klassenraum unterrichtet wurden. Die Schule in Pfaffenhofen wurde schon 1939 aufgelöst, wobei der letzte Lehrer Otto Geier nach Ettenstadt versetzt wurde.
Einem besonderen Glücksfall ist es zu verdanken, dass einer der Lehrer, die in diesem Schulhaus unterrichteten und lebten, als Bienenspezialist bedeutsame Schriften und Bücher über die Bienenzucht verfasste und sich mit der Herausgabe eines „Bienenkalenders“ einen Namen in der damaligen Fachwelt machte. Auch heute ist er noch als „Bienenpapst“ bekannt. Johann Witzgall (geboren 1848 in Gemlenz bei Kulmbach, gestorben 1932 in Kleinheubach) heiratete die wohlhabende Händlerstochter Henriette Brand aus Kleinheubach und hatte mit ihr zehn Kinder.
Als Schullehrer unterrichtete er in verschiedenen Dörfern, zuletzt in Uttenreuth bei Erlangen. Von dort wechselte er in die kleinere Schule in Pfaffenhofen, um mehr Zeit für die Bienenzucht und die Herausgabe seiner Bücher zu haben. Zum Schuldienst in einer Gemeinde gehörte traditionell auch die Kantorentätigkeit, die er aber eher widerwillig versah – hielt ihn doch der sonntägliche Kirchendienst davon ab, seine geliebten Bienenvölker wieder einzufangen, wenn sie schwärmten. Daher gibt es im Schulhaus nicht nur Informationen zum damaligen Schulunterricht, sondern auch zur Bienenzucht und zur Imkerei.
Am kommenden Samstag, dem Tag der Eröffnung des Schulhauses aus Pfaffenhofen, haben Grundschulkinder freien Eintritt ins Museum. Nicht nur für sie gibt es ein buntes Kinderprogramm mit Kinderspielen wie früher, Stelzen laufen, Buttern, Schablonieren, Filzen und Wäsche waschen mit Bürste und Waschbrett, dazu gibt es Honigbrot und frisch gepressten Most. Zudem wird an zwei Tagen das beliebte Herbstfest gefeiert. Dabei können die Besucher beobachten, wie die Menschen in früheren Zeiten die Ernte eingefahren haben.
Auf den Feldern sind Ochsen und Pferdegespanne wie früher zur Kartoffelernte und zum Ackern unterwegs – vorausgesetzt das Wetter spielt mit – und die fauchende, zischende Dampfdreschmaschine, die „Lokomobile“ wird in Bewegung gesetzt.
Es duftet nach Obst und Most, wenn Museumsmitarbeiter zeigen, wie früher Früchte für den Winter haltbar gemacht wurden. Most wird hier von Hand gepresst, das Obstdörrhäuschen eingeschürt, damit Zwetschgen und Birnen auf geflochtenen Weidentabletts dörren, Kartoffeln in der historischen „Dämpfkolonne“ erhitzt und das Krauthobeln und – stampfen vorgeführt. In der Ölmühle wird Raps gepresst und Öl gewonnen, und auch beim Flachsbrechen und Getreidemahlen können Museumsbesucher zusehen.
Dazu zeigen auch Zimmerleute, Schmiede, Brauer, Büttner, Sattler, Seildreher, Schuster, Drechsler, Korbmacher und Besenbinder ihr handwerkliches Können. Der historische Handwebstuhl von 1749 ist in Betrieb, die Wollspinnerin zeigt, wie aus Wolle oder Flachs lange Fäden gesponnen werden. Und wer neugierig ist, darf natürlich auch selber einmal probieren. Im Färberhaus wird die „Kaltmang“ in Gang gesetzt und das Glätten von Stoffen wie früher – aus der Zeit ohne Strom – vorgeführt. Nebenan können Kinder kleine Stofftaschen mit blau eingefärbten Modeln bedrucken und in der Bakkstube aus Gungolding unter Anleitung beim Backen wie früher mithelfen.
Neben frisch gepresstem Apfelsaft, Museumsbier, Apfelmost und dem jungen Federweißen können die Besucher frisches Bauernbrot aus den historischen Backöfen, Zwiebelkuchen, Apfel- und Zwetschgenblootz probieren. Schon Tradition ist die „Rocknstubn“ am Sonntagnachmittag in der Stube des Bauernhauses Gungolding und in der Unterschlauersbacher Mühle, wenn sich Männer und Frauen wie einst Bauersleute und ihre Dienstboten zum Spinnen, Stricken und Musizieren trafen und dabei alte Geschichten und Neuigkeiten aus dem Dorf erzählten.
Besonderer Höhepunkt ist am Samstag und Sonntag um 13 Uhr ein kleiner Handwerkerumzug mit Pferde- und Ochsengespann, Schleppern, Bauern und Handwerkern mit Blasmusik durch das Museumsgelände.
