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Ein „neues Schulhaus“ zum Herbstfest

Gebäude von 1801 steht nun im Freilandmuseum - 16.09. 09:59 Uhr

Pfaffenhofen/Burgbernheim  - Zu Beginn dieser Woche hat die Schule wieder begonnen, und auch im Fränkischen Freilandmuseum steht eine Art „Schulbeginn“ unmittelbar bevor. Im Freilichtmuseum des Be­zirks Mittelfranken wird am kom­menden Wochenende (18. und 19. September) nämlich nicht nur das traditionelle Herbstfest gefeiert. Vielmehr wird am Samstag um 11 Uhr auch die Einweihung des im Museum wieder aufgebauten Schul­hauses aus Pfaffenhofen (Stadt Burgbernheim) gefeiert.



Neue Heimat: Das Schulhaus präsentiert sich nun im Fränkischen Freilandmuseum in seiner vollen Pracht.
Neue Heimat: Das Schulhaus präsentiert sich nun im Fränkischen Freilandmuseum in seiner vollen Pracht.
Foto: Windsheimer Zeitung
Neue Heimat: Das Schulhaus präsentiert sich nun im Fränkischen Freilandmuseum in seiner vollen Pracht.
Neue Heimat: Das Schulhaus präsentiert sich nun im Fränkischen Freilandmuseum in seiner vollen Pracht.
Foto: Windsheimer Zeitung

Mit der Eröffnung des Schulhau­ses von 1801 bietet sich im Freiland­museum nun die Möglichkeit, das Schulwesen auf dem Lande in frü­heren Zeiten anschaulich zu ma­chen. Bis in die 1960er Jahre hinein gab es in der Region noch die ein­klassige Dorfschulen, in denen alle Alterstufen eines Dorfes von einem Lehrer in einem Klassenraum unterrichtet wurden. Die Schule in Pfaffenhofen wurde schon 1939 aufgelöst, wobei der letzte Lehrer Otto Geier nach Ettenstadt versetzt wurde.

Einem besonderen Glücksfall ist es zu verdanken, dass einer der Leh­rer, die in diesem Schulhaus unter­richteten und lebten, als Bienenspe­zialist bedeutsame Schriften und Bücher über die Bienenzucht verfas­ste und sich mit der Herausgabe ei­nes „Bienenkalenders“ einen Na­men in der damaligen Fachwelt machte. Auch heute ist er noch als „Bienenpapst“ bekannt. Johann Witzgall (geboren 1848 in Gemlenz bei Kulmbach, gestorben 1932 in Kleinheubach) heiratete die wohl­habende Händlerstochter Henriette Brand aus Kleinheubach und hatte mit ihr zehn Kinder.


Blick in die Vergangenheit: Das Schulhaus an seinem einstigen Standort in Pfaffenhofen.
Blick in die Vergangenheit: Das Schulhaus an seinem einstigen Standort in Pfaffenhofen.
Foto: Windsheimer Zeitung

Als Schulleh­rer unterrichtete er in verschiede­nen Dörfern, zuletzt in Uttenreuth bei Erlangen. Von dort wechselte er in die kleinere Schule in Pfaffenho­fen, um mehr Zeit für die Bienen­zucht und die Herausgabe seiner Bücher zu haben. Zum Schuldienst in einer Gemeinde gehörte traditio­nell auch die Kantorentätigkeit, die er aber eher widerwillig versah – hielt ihn doch der sonntägliche Kir­chendienst davon ab, seine gelieb­ten Bienenvölker wieder einzufan­gen, wenn sie schwärmten. Daher gibt es im Schulhaus nicht nur In­formationen zum damaligen Schul­unterricht, sondern auch zur Bie­nenzucht und zur Imkerei.

 

Auf Zeitreise durchs Museum

Am kommenden Samstag, dem Tag der Eröffnung des Schulhauses aus Pfaffenhofen, haben Grund­schulkinder freien Eintritt ins Mu­seum. Nicht nur für sie gibt es ein buntes Kinderprogramm mit Kin­derspielen wie früher, Stelzen lau­fen, Buttern, Schablonieren, Filzen und Wäsche waschen mit Bürste und Waschbrett, dazu gibt es Honig­brot und frisch gepressten Most. Zudem wird an zwei Tagen das be­liebte Herbstfest gefeiert. Dabei können die Besucher beobachten, wie die Menschen in früheren Zeiten die Ernte eingefahren haben.

Pferdegespanne und Dampfdreschmaschine im Einsatz

Auf den Feldern sind Ochsen und Pferde­gespanne wie früher zur Kartoffel­ernte und zum Ackern unterwegs – vorausgesetzt das Wetter spielt mit – und die fauchende, zischende Dampfdreschmaschine, die „Loko­mobile“ wird in Bewegung gesetzt.
Es duftet nach Obst und Most, wenn Museumsmitarbeiter zeigen, wie früher Früchte für den Winter haltbar gemacht wurden. Most wird hier von Hand gepresst, das Obst­dörrhäuschen eingeschürt, damit Zwetschgen und Birnen auf gefloch­tenen Weidentabletts dörren, Kar­toffeln in der historischen „Dämpf­kolonne“ erhitzt und das Kraut­hobeln und – stampfen vorgeführt. In der Ölmühle wird Raps gepresst und Öl gewonnen, und auch beim Flachsbrechen und Getreidemahlen können Museumsbesucher zusehen.

Dazu zeigen auch Zimmerleute, Schmiede, Brauer, Büttner, Sattler, Seildreher, Schuster, Drechsler, Korbmacher und Besenbinder ihr handwerkliches Können. Der histo­rische Handwebstuhl von 1749 ist in Betrieb, die Wollspinnerin zeigt, wie aus Wolle oder Flachs lange Fäden gesponnen werden. Und wer neugierig ist, darf natürlich auch selber einmal probieren. Im Färberhaus wird die „Kaltmang“ in Gang gesetzt und das Glätten von Stoffen wie früher – aus der Zeit ohne Strom – vorgeführt. Nebenan können Kinder kleine Stofftaschen mit blau eingefärbten Modeln bedrucken und in der Bak­kstube aus Gungolding unter Anlei­tung beim Backen wie früher mit­helfen.

Handwerkerumzug als Höhepunkt

Neben frisch gepresstem Apfel­saft, Museumsbier, Apfelmost und dem jungen Federweißen können die Besucher frisches Bauernbrot aus den historischen Backöfen, Zwiebelkuchen, Apfel- und Zwetschgenblootz probieren. Schon Tradition ist die „Rocknstubn“ am Sonntagnachmittag in der Stube des Bauernhauses Gungolding und in der Unterschlauersbacher Mühle, wenn sich Männer und Frauen wie einst Bauersleute und ihre Dienst­boten zum Spinnen, Stricken und Musizieren trafen und dabei alte Geschichten und Neuigkeiten aus dem Dorf erzählten.

Besonderer Höhepunkt ist am Samstag und Sonntag um 13 Uhr ein kleiner Handwerkerumzug mit Pferde- und Ochsengespann, Schlep­pern, Bauern und Handwerkern mit Blasmusik durch das Museumsge­lände.
 
 





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