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Ermetzhofen: Alles bereit für Flüchtlinge im früheren Pfarrhaus

Kirchengemeinde unterschreibt Mietvertrag mit Landratsamt - 10.03.2016 15:14 Uhr

Noch sitzt Peter Neumann allein im Wohnzimmer des ehemaligen Pfarrhauses. Wann die zehn Stühle für die zehn Flüchtlinge, die dort einziehen könnten, besetzt werden, ist noch unklar. © Claudia Lehner


Die Entscheidung für diese neue Nutzung hat der Kirchenvorstand ge­troffen. Nachdem klar war, dass die Pfarrstelle in Ermetzhofen wohl nicht wieder neu besetzt werden würde, hatte sich die Kirchengemeinde Ge­danken gemacht, was mit dem Ge­bäude passieren soll. Die Einrichtung eines kommunalen Gemeinschafts­hauses sei beispielsweise im Ge­spräch gewesen, erinnert sich Peter Neumann, Vertrauensmann der Kir­chengemeinde Seenheim-Ermetzho­fen. Daraus wurde nichts.

Stattdes­sen ist man einem Aufruf von Landes­kirche und Dekanat gefolgt, Wohn­raum für Flüchtlinge bereit zu stel­len. Ein entsprechender Mietvertrag mit dem Landratsamt für die kom­menden drei Jahre ist bereits unter­zeichnet. Der Eigentümer des Gebäu­des ist die Pfründe-Stiftung, die der Nutzungsänderung ebenfalls zuge­stimmt hat.

Zuvor hat der Kirchenvorstand in Eigenregie das historische Gebäude aus dem Jahr 1776, das seit dem Weg­gang des Pfarrers zwei Jahre leer stand, entsprechend hergerichtet und rund 10 000 Euro investiert. Es gibt vier Zimmer mit jeweils zwei Betten und zwei kleinere Zimmer mit je ei­nem Bett. Die Räume sind einfach, aber ansprechend eingerichtet, hell und freundlich. Sogar einige Bilder hängen an den Wänden. Ein Raum mit Dusche, Waschmaschine und Trockner, ein Bad mit Dusche und Badewanne sowie eine separate Toi­lette gibt es. In der Küche stehen zwei Kühlschränke. Für jeden Flüchtling gibt es ein Bett, einen Schrank, einen Stuhl und Tisch. Das war vom Land­ratsamt gefordert.

Fahrdienste und Sprachkurse

Mit dem Unterzeichnen des Miet­vertrags und der Übergabe vor eini­gen Tagen hat sich die Kirchenge­meinde aber zu noch mehr verpflich­tet. In Ermetzhofen gibt es keinen Bahnhof und nur begrenzt Möglich­keiten einzukaufen. Zwar kommt vier Mal in der Woche ein Bäcker in den Ort, alle zwei Wochen ein Metz­ger. Es gibt auch ein Gasthaus, aber zu Ärzten, Behörden oder eben manchmal auch zum Einkaufen müs­sen die Flüchtlinge gefahren werden. Das werden Ehrenamtliche über­nehmen.

Allerdings wurde schnell klar, dass diese Aufgabe für die vier Mitglieder des Kirchenvorstands al­leine zu groß ist. Anfang März gab es deshalb einen Informationsabend für Bürger. Der war gut besucht, wie Ergersheims Bür­germeister Dieter Springmann in der Gemeinderatssit­zung am Montag­abend berichtet hatte. 36 Bürger – nicht nur aus Ermetzhofen – ließen sich informieren.

Zwölf haben sich be­reit erklärt, mitzuhelfen, Fahrdienste zu übernehmen oder Deutsch zu unter­richten. "Jeder fährt doch mal nach Uffenheim", sagt Neumann, "da kann man auch mal jemanden mitnehmen." Er hofft, dass sich noch einige weitere Unterstützer finden. "Wenn die Last auf viele Schultern verteilt ist, ist sie für jeden zu schaffen."

Zusammenhalt durch gemeinsame Aufgabe

Für Bürgermei­ster Springmann ist der Einzug der Flüchtlinge eine gute Möglichkeit über eine gemeinsame Aufgabe Zusam­menhalt zu schaf­fen. "Ich sehe das als Projekt der Ge­samtgemeinde Er­gersheim", sagte er in der Ratssitzung. Es soll einen wei­teren Infoabend mit einer Schu­lung im Umgang mit Menschen aus einer muslimischen Kultur geben, kündigte Springmann an. Außerdem sollen die neuen Nachbarn vorge­stellt werden, wenn sie denn da sind.

Wann Flüchtlinge in Ermetzhofen einziehen werden, hängt davon ab, wieviele überhaupt nach Deutschland kommen. Da man in den vergangenen Wochen nur sehr wenige Zuweisungen erhalten habe, sei es gut möglich, dass es noch einige Woche dauere, sagt Rai­ner Kahler, Pressesprecher am hiesi­gen Landratsamt.

Am liebsten wäre es der Kirchengemeinde, wenn zwei Familien in Ermetzhofen einziehen würden, sagt Neumann. Entspre­chend hat man beispielsweise auch ein größeres Zimmer eingerichtet, in dem gut noch ein Kinderbett Platz hätte. Dass die Integration funktioniert, davon ist Peter Neumann überzeugt. Er selbst sei vor fast 30 Jahren auch sehr gut in Ermetzhofen aufgenom­men worden, als er von Bad Winds­heim dorthin zog. 

Claudia Lehner

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