Montag, 24.09.2018

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Förster erläutern Herausforderungen bei Grüner Sitzung

Eiche zählt wegen ihrer Standortfaktoren zu den festen Größen der Zukunft - 02.05.2018 18:59 Uhr

Simone Bogendörfer (vorne) erläutert den Sinn der zahlreichen Stecken im Waldboden, mit deren Hilfe Neuanpflanzungen markiert sind. Sie erleichtern die spätere Arbeit auf dem Areal. © Foto: Christine Berger


Windwurf ist ein weiterer Grund, weshalb sich die Schwerpunkte der Waldmitarbeiter immer wieder verlagern. Gleich an mehreren Stationen im Gebiet Alter Mann südlich des Wildbades gibt es derartige Flächen, häufig betroffen sind die flachwurzelnden Fichten.

Erneut erläuterten daher Simone Bogendörfer, außerdem Dr. Ludwig Albrecht, der Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und Nadja Fischer, Abteilungsleiterin für den Bereich Forsten an der Uffenheimer Behörde, wie der Waldumbau vom Klimawandel beeinflusst wird. Thema war ebenso die vom Stadtrat auf den Weg gebrachte, neue Forsteinrichtung der Stadt. Darüber hinaus gab Martin Brunner, der Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Rothenburg (FBG), einen Einblick in die Verkaufszahlen für Nutzholz aus Burgbernheim. 14 sogenannte Holzlisten übernahm die FBG im vergangenen Jahr für die Stadt, an die 1500 Festmeter Holz. Allein drei dieser Listen umfassten knapp 1000 Festmeter, verdeutlichte Brunner die Problematik, wenn es bedingt durch Käfereinfall oder Windwurf kleine, im Waldgebiet verstreute Holzanfälle zu bearbeiten gilt.

Rinde löst sich von Stämmen

Zwar blieb der Anteil des reinen Käferholzes mit 150 Festmeter überschaubar, sagte Brunner. Allerdings machte es rund die Hälfte des Arbeitsaufwandes aus, betonte er. Auch wird vom Käferholz erst gesprochen, wenn sich bereits die Rinde von den Stämmen löst, ein Zustand, den die Waldexperten tunlichst vermeiden wollen. Am Beispiel des aufgeschichteten Holzstapels mit offensichtlichem Käferbefall, das noch als Frischholz gilt, machte Brunner deutlich, dass auch dort Eile geboten ist: "Da ist Handlungsbedarf, das Holz muss raus."

Eine Preisdifferenz von an die 20 Euro je Festmeter nannte Brunner, die beim Käferholz gegenüber dem Frischholz bei der Fichte abgezogen werden muss. Nicht nur sei es zuweilen schwierig, freie Kapazitäten bei Sägewerken zu finden, darüber hinaus machen sich bei Fuhrunternehmen Engpässe bemerkbar. Eine positive Einschätzung gab es vom FBG-Geschäftsführer in Sachen Wertholzsubmission, zwischen 286 und 1328 Euro konnte zuletzt je Festmeter für Eichenholz erzielt werden. "Die Burgbernheimer Eichen sind begehrt."

Für Ludwig Albrecht zählt die Eiche aber nicht nur wegen der hohen Preise zu einem der wichtigen Baumarten für den Burgbernheimer Wald, sondern vorrangig aufgrund ihrer Standortfaktoren. Als licht- und wärmeliebender Baum käme sie mit dem sich verändernden Klima besser zurecht. In Verbindung mit Hainbuche, Elsbeere oder Linde sprach Albrecht von einer ausgewogenen Mischung. Auf der anderen Seite geht es ihm nicht um eine völlige Abkehr von der schnell wachsenden Fichte, auch dies hob er hervor, "die Fichte muss hier eine Rolle spielen."

Pflanzung und Pflege

Wie sich die jeweiligen Standortbedingungen auf Neuanpflanzungen auswirken, demonstrierte Simone Bogendörfer bei verschiedenen Zwischenstopps. Mal waren es vorwiegend kleine Tannen, die sich vom Waldboden abhoben, mal kleine Eichen und Buchen, die mit Hilfe von Stecken besser erkennbar gemacht wurden.

Denn die Pflanzung ist das eine, die Pflege das andere: Alle zwei bis vier Jahre müsse das Gras rund um die jungen Bäume entfernt werden, um Licht an diese heranzulassen und Mäuse, die sich gerne im Gras tummeln, von diesen wegzubringen. Hinzu kommen etwaige Nachpflanzungen, "ein Riesenarbeitsaufwand für den Sommer", umschrieb es die Försterin. Speziell für Nachbesserungen können die Waldmitarbeiter auf selbst gezogene Wildlinge zurückgreifen.

Während die jungen Tannen kein Problem damit haben, wenn bestehende Fichten ein Dach über sie bilden, sie im Gegenteil sogar im Frühjahr bei späten Frösten davon profitieren, brauchen die Eichen das Licht. Kaum aber wird dafür gesorgt, müssen andere Störfaktoren wie etwa Gras rasch entfernt werden, da die langsam wachsenden Eichen sonst den natürlichen Wettkampf verlieren, informierte Brunner. "Die Eiche muss vom Start weg führen, sonst ist es vorbei."

Wärmeliebende Esskastanie

Wie es generell um den Burgbernheimer Stadtwald bestellt ist, wird in einer Art Inventur für die neue Forsteinrichtung ermittelt, deren Hintergründe Nadja Fischer erläuterte. Nicht zuletzt, da sie Grundlage für die jährlichen Planungen ist, ist ein aktueller Sachstand unabdingbar.

Obwohl die jüngste Arbeit aus dem Jahr 2004 stammt, ist genau dies nicht mehr gegeben, wie die Försterin auf einer Fläche demonstrierte. Sie nutzte die Grüne Sitzung außerdem, um den Baum des Jahres 2018, die Esskastanie, vorzustellen. Ähnlich wie die Eiche ist sie wärmeliebend und kommt mit geringeren Niederschlägen aus, gleichermaßen ist sie empfindlich gegenüber Spätfrösten. 

Christine Berger

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